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Feuerwehrler watscht Behörden ab: 7-Stunden-Schicht für Ehrenamtliche, weil sich andere „nicht zuständig fühlen“

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Ein Unfall auf der Bundesstraße 2 auf Höhe des Krüner Ortsteils Bärnbichl
Karambolage mit Folgen: Nicht nur die Unfallbeteiligten, sondern auch die Feuerwehr Krün werden den 4. August 2022 nicht so schnell vergessen. © Feuerwehr Krün

Unzählige Stunden leistet die Freiwillige Feuerwehr Krün zum Wohle der Allgemeinheit ab. Doch was zu viel ist, ist zu viel, findet Kommandant Anton Simon. Die Einsatzzeiten seien viel zu lange für ehrenamtliche Kräfte. Seine Kritik zielt auf Polizei und Staatliches Bauamt ab.

Krün – Anton Simon, Kommandant der Freiwilligen Feuerwehr Krün, den in Krün alle nur „Scheck’n-Toni“ rufen, ist ein Mann der offenen und klaren Worte – gerade wenn es um die Interessen seines Rettungsverbandes geht. Bei der Jahresversammlung im Kurhaus brach es jedenfalls aus ihm heraus, als er auf den 4. August 2022, genauer gesagt auf den schweren Verkehrsunfall auf der Bundesstraße 2 an der Anschlussstelle Bärnbichl mit mehreren Verletzten, zu sprechen kam. „Damals waren wir unverhältnismäßig lange im Einsatz“, schimpft Simon. Er glaubt den Grund für die summa summarum Sieben-Stunden-Schicht inklusive Verkehrsregelung zu kennen: „Weil sich anscheinend einige Behörden nicht zuständig fühlen.“

Beispiel schwerer Motorradunfall: Wegen Gutachter müssen Ehrenamtliche lange warten

Wegen der schweren Verletzung eines Motorradfahrers hatte die Staatsanwaltschaft seinerzeit einen Gutachter an die Unfallstelle beordert. Bereits in diesem Moment war dem Kommandanten und seinen ehrenamtlichen Freunden klar, dass dieser Einsatz länger dauern würde. Nachdem keine Gefahr mehr für die Beteiligten auf der Einsatzstelle bestand, hätte man Simon zufolge mit einer mobilen Ampelanlage und einer temporären Umleitungsbeschilderung den Verkehr regeln können.

„Patient dem Rettungsdienst übergeben, Umweltschäden verhindern und eventuell beseitigen sowie die Einsatzstelle absichern.“ Das, stellt Simon mit ernstem Unterton klar, seien die Aufgaben der Feuerwehr. „Für den Rest sind eigentlich die Polizei, der Straßenbauträger (Anm. d. Red.: Staatliches Bauamt Weilheim) oder sonstige Stellen zuständig.“

Für den Rest sind eigentlich die Polizei, der Straßenbauträger oder sonstige Stellen zuständig.

Kommandant Anton Simon über die Aufgaben der Freiwilligen Feuerwehr

Simon monierte anhand dieses konkreten Falles im August 2022, dass es so einfach nicht weitergehen könne. „Auf Nachfragen kommt immer wieder die Aussage, dass keine Ressourcen und kein Personal frei wären.“ Für den Kommandanten ein Unding. Denn das wiederum bedeutet, dass hauptberufliche Stellen wissentlich ehrenamtliche Hilfskräfte, die von ihren Arbeitgebern freigestellt werden, übergebühr in Anspruch nehmen. „Hier muss sich zeitnah etwas ändern“, betont Simon.

Dieser Meinung ist auch der Chef der Polizei-Inspektion Mittenwald. „Wegen der Einbindung eines Gutachters war es ein zeitlich langer und personell schwierig zu gestaltender Einsatz“, erinnert sich Hubert Hohenleitner. „Das wurde von den Einsatzleitern vor Ort auch direkt angesprochen.“ Der Dienststellenleiter verspricht in diesem Zusammenhang, das Problem bei einem Runden Tisch der Blaulicht-Organisationen zu lösen.

Staatliches Bauamt hat von dem Zeitproblem nichts gewusst, sagt ein Sprecher

Dann wird wohl auch das Staatliche Bauamt, das bei der Verbalgrätsche des Kommandanten genauso schlecht wegkommt wie die Polizei, teilnehmen. Pressesprecher Michael Meister will von dem Problem mit dem Faktor Zeit bislang nichts gewusst haben. Die Weilheimer Behörde zeichnet über die jeweiligen Straßenmeistereien vor Ort für Baustellen, Baumfällarbeiten und Winterdienst verantwortlich.

„Nach eventueller statistischer Auswertung müsste jetzt geklärt werden, wer hier für die notwendigen Verkehrsregelungen grundsätzlich verantwortlich ist“, findet Meister. Er möchte die zuständigen Behördenleiter darüber informieren. „Hoffentlich finden wir eine einvernehmliche Lösung.“ Wolfgang Kunz

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