Drastische Reaktion

Bürger greifen zur Selbsthilfe - und parken einfach die ganze Ortsdurchfahrt zu

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Verkehrschaos in Glaslern: Autofahrer mussten sich am Freitag durch einen regelrechten Hindernisparcours aus geparkten Fahrzeugen – darunter ein großer Autotransporter – hindurch manövrieren.

Was ein Unternehmer kann, können wir auch: Nach diesem Motto haben Bürger von Glaslern am Freitag ein Exempel statuiert. Sie parkten ebenfalls auf der Ortsdurchfahrt – Verkehrschaos. Der Bürgermeister hat reagiert.

Berglern – Bürgermeister Simon Oberhofer hat im letzten Augenblick einen Parkplatzkrieg in Glaslern abgewendet. Anwohner hatten sich über Verkehrschaos auf der Ortsdurchfahrt beklagt. Die Lösung: Ein Unternehmen bekam am Wochenende kurzerhand neue Parkplätze. Damit war die viel befahrene Straße pünktlich zum Wochenstart wieder frei.

Los ging es mit dem Gemeinderatsbeschluss, im Gewerbegebiet Glaslern ein Halteverbot anzuordnen. Danach wusste Uwe Rzegotta, Geschäftsführer vom dort ansässigen „Lack & Karosseriezentrum“, nicht mehr, wohin mit den vielen Fahrzeugen. Also stellte er sie auf die Staatsstraße – und zwar innerorts.

Das ist legal. Die Folgen aber waren drastisch. Landwirt Josef Schref konnte nur noch unter äußersten Schwierigkeiten seinen Hof anfahren, ein Sattelzug mit Kraftfutter hätte gar keine Chance gehabt, ihn zu beliefern. Michael Opitz schräg gegenüber konnte sich nur noch ganz vorsichtig aus seiner Einfahrt hinaustasten. „Das geht nur im Blindflug“, ärgerte er sich bei einem von Schref angeleierten Ortstermin mit der Heimatzeitung. Der Vorwurf der Anwohner: „Der führt einen Kleinkrieg gegen die Verwaltung, und wir sind die Leidtragenden.“

Die Bürger wehrten sich: „Was der darf, das dürfen wir auch“, so Opitz. So parkten sie am Freitagnachmittag ebenfalls auf der Ortsdurchfahrt. Das Ergebnis war ein Vorgeschmack auf das, was im Berufsverkehr am Montag hätte passieren können: totaler Verkehrszusammenbruch. Die Autos standen nicht nur auf einer Seite, sondern auf beiden. Verkehrsberuhigung à la Glaslern. Verzweifelte Ausweichmanöver auf den Gehsteig, lautes Hupen – alles war zu beobachten.

Die Strategie der Anwohner: Den Leidensdruck auf die Spitze treiben und damit die Verwaltung zum Handeln zwingen. Die Polizei sei schon da gewesen, berichtete Schref. „Aber die haben nichts machen können.“ Ohne verkehrsrechtliche Anordnung eines Halteverbots fehlte jede Rechtsgrundlage für ein Durchgreifen, solange die vorgeschriebene Mindestdurchfahrtsbreite gegeben ist.

„Ich will weder die Berglerner Bürger belästigen noch einen Ärger vom Zaun brechen“, sagte Unternehmer Rzegotta. Der explodierende Stellplatzbedarf sei nicht absehbar gewesen. „Mein Unternehmen hat in zwei Jahren den Umsatz verdoppelt.“

Am Samstagmorgen kam nun Oberhofer in den Betrieb. Mittags waren alle Autos von der Ortsdurchfahrt verschwunden. „Wir haben eine Fläche von der Gemeinde bekommen können“, so Rzegotta auf Nachfrage. Er deutete an, dass es ein gutes und konstruktives Gespräch gewesen sei. Angesichts der drängenden Lage hat der Bürgermeister von seinem Eilentscheidungsrecht Gebrauch gemacht. Klaus Kuhn

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