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„Unerträgliche Ausmaße“: Bürger leiden unter Krähenplage - doch der Stadt sind die Hände gebunden

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Von: Stefanie Zipfer

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Zur Plage geworden ist die Saatkrähe in Dachau. © Steffen Fuessel/dpa

Weil die Krähenplage in Dachau „nahezu unerträgliche Ausmaße“ annimmt, hat Stadtrat Wolfgang Moll die Stadt aufgefordert, endlich „zielführende“ Maßnahmen gegen die Vögel zu ergreifen.

Dachau – Wirklich „sehr krass“ sei es diesen Sommer mit den Krähen in der Stadt gewesen, berichtete Stadtrat Wolfgang Moll (Wir) am Mittwoch den Kollegen im Umwelt- und Verkehrsausschuss. Auch die Dachauer Nachrichten berichteten über die Krähenplage in der Stadt. Die Population der Tiere sei zuletzt „enorm“ angewachsen, die Krähen-geplagten Dachauer beschleiche mittlerweile ein „Gefühl der Machtlosigkeit“. Die Stadt, so die Aufforderung Molls an Oberbürgermeister Florian Hartmann, solle die Plage daher endlich „im erforderlichen Maß“ angehen!

Krähenplage in Dachau: „Sehr krass“ - Stadtrat fordert Bürgermeister zum Handeln auf

Hartmann wertete dies als Kritik am bisherigen Krähen-Management der Stadt und betonte: „Wir sind seit Jahren tätig“, nicht erst seit Molls Antrag! Und dann listete Hartmann auf, was seit 2017 passiert sei. So hätte die Stadt für die Entfernung der Krähennester und das Ausasten der Brutbäume durch eine Baumpflegefirma insgesamt 37 000 Euro ausgegeben. Bei der Regierung von Oberbayern habe Hartmann auch bereits gesagt: „Leute, ihr müsst’s euch was überlegen, das kann so nicht weitergehen!“

Auf der Tagesordnung beim nächsten Treffen der Großen Kreisstädte habe er das Thema außerdem auf die Tagesordnung setzen lassen. Und um den gefräßigen Krähen den Appetit zu verderben, seien die „stark frequentierten“ Abfalleimer im Stadtgebiet öfter geleert beziehungsweise mit einem Deckel versehen worden.

Allein: Sämtliche Bemühungen liefen ins Leere, seit 2016 ist laut Stadtbauamt die Zahl der Brutpaare der streng unter Artenschutz stehenden Saatkrähen sprunghaft von 202 auf 519 angestiegen. Eine sogenannte Vergrämung der Krähen im Bereich des Bahnhofs und entlang der Schleißheimer Straße wurde der Stadt nicht genehmigt – eine Bejagung der Saatkrähen ist ohnehin verboten.

Krähenplage: Maßnahmen eingeschränkt - Brutpaare streng unter Artenschutz

Zwar erlaubten die Münchner Bezirksbeamten den Dachauern laut Hartmann immerhin die Vergrämung südlich des Geh- und Radwegs entlang der Schleißheimer Straße und im Bereich des Kinderspielplatzes am Bahnhof; allerdings sei der Erfolg – trotz hohen Kosten- und Arbeitsaufwands – mehr als überschaubar gewesen.

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Denn: Die Krähen sind schnell, schlau und heimatverbunden. Nester, in denen sich noch kein Ei befindet, müssten sofort entfernt werden. „Wenn erst mal ein Ei drin ist, dann isses vorbei“, so Hartmann. Laut den Statuten der europäischen Vogelschutzrichtlinie darf einer brütenden Saatkrähenmama ihr Baby nämlich nicht genommen werden. Und selbst wenn man es schaffe, ein leeres Nest zu entfernen, dann kämen die Krähen nach Erfahrung der städtischen Mitarbeiter „innerhalb weniger Tage“ zurück und bauten ihre Nester neu.

In Summe, so Hartmann, könne man nun also gerne auch im kommenden Jahr eine Baumpflegefirma mit dem Entfernen der Nester beauftragen – als Kostenrahmen schlug er 15 000 Euro vor – und dazu, für 30 000 Euro, auch einen Falkner mit dem Einsatz von Greifvögeln beauftragen. Richtig helfen dürften seiner Meinung aber nur „drastische Maßnahmen, also der Abschuss der Vögel“.

Krähenplage in Dachau: Viele Stadträte offen für Nestentfernen

Die meisten Stadträte zeigten sich für das Nestentfernen und den Einsatz von Falken offen, wobei Andreas Tischer, zuständiger Abteilungsleiter im Rathaus für Stadtgrün, Umwelt und Stadtbauhof, zum Thema Abschreckung betonte: „Eigentlich reicht kein Falke. Das muss schon fast ein Adler sein.“

Und auch Peter Strauch (CSU) war skeptisch. Sein Fraktionskollege, Stadtrat Christian Hartmann, sei Jäger und kenne daher auch Falkner. Einer dieser Falkner hätte klipp und klar gesagt: Im Einsatz gegen die großen Saatkrähen „bringen Falken gar nix“. Auch OB Hartmann wusste zu berichten, dass „viele Falkner Angst um ihre Vögel haben, weil die Krähen so aggressiv sind“.

Am Ende einigte sich das Gremium, erst einmal einen Falkner einzuladen und sich dessen Meinung zu dem Thema anzuhören. Dann soll entschieden werden, wie und in welchem Umfang die Stadt in – höchstwahrscheinlich erfolglose – Vergrämungsmaßnahmen gegen die geschützten Saatkrähen investiert.

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