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Lebenstraum von Familie in Gefahr: Bauvorhaben könnte Kinderzimmer für immer verdunkeln

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Sonja Ploss mit ihren Kindern Lian und Milena vor ihrem Zuhause: Das Fenster im ersten Stock würde komplett verschwinden, wenn der Nachbar statt des Flachbaus ein Reihenhaus mit Steildach errichtet.
Sonja Ploss mit ihren Kindern Lian und Milena vor ihrem Zuhause: Das Fenster im ersten Stock würde komplett verschwinden, wenn der Nachbar statt des Flachbaus ein Reihenhaus mit Steildach errichtet. © dagmar rutt

Ein Bauvorhaben an der Luitpoldstraße in Krailling droht einer jungen Familie das einzige Fenster in einem Kinderzimmer zu nehmen. Hintergrund sind ein Versäumnis bei der Änderung des Bebauungsplans – und eine ungewöhnliche Architektur.

Krailling – Familie Ploss aus Krailling hat sich vor anderthalb Jahren den Traum vom Eigenheim erfüllt. An der Luitpoldstraße haben sich Sonja (32) und Paul Ploss (33) ein Reiheneckhaus gekauft. Nicht übertrieben groß, aber genug Platz für die Eltern und die Kinder Lian (3) und Milena (neun Monate). Besonders gut gefallen hat der Familie, dass jedes Kinderzimmer ein schönes großes Fenster hat, durch das viel Licht fällt. In Milenas Zimmer droht es aber bald für immer dunkel zu werden.

Pläne des neuen Besitzers würden dem Kinderzimmer das große Westfenster nehmen

Direkt zwischen dem Haus und der Straße befindet sich derzeit noch ein gewerblicher Flachbau. Dort waren über Jahre ein Friseur und eine Fußpflegepraxis beheimatet. Das Grundstück ist mittlerweile verkauft – und der neue Eigentümer möchte den Flachbau abreißen und an dessen Stelle ein Reihenhaus anbauen. Der Ausbau des Daches würde das einzige Fenster des Kinderzimmers komplett verschließen. Ein Albtraum für Sonja Ploss: „Das große Westfenster wäre damit zu, und uns würde ein ganzes Kinderzimmer fehlen. Wir wären gezwungen, ein wesentlich kleineres Fenster nach Norden hin zu bauen.“

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Das Bauvorhaben scheint rechtens. Bereits im vergangenen Jahr hatte der Eigentümer einen Antrag auf Vorbescheid gestellt. Da sich das Grundstück laut Bebauungsplan in einem allgemeinen Wohngebiet befindet, könne der Eigentümer auf den knapp hundert Quadratmetern statt einer gewerblichen Nutzung auch ein Wohngebäude errichten, erläutert Kraillings Bauamtsleiter Sebastian Beel auf Merkur-Anfrage. Auch eine Firsthöhe von neun Metern sei zulässig. Allerdings schreibt der Bebauungsplan nur ein zulässiges Geschoss vor – um diese Vorgabe einzuhalten, beinhaltet der eingereichte Plan fast senkrecht verlaufende Dachflächen.

Bauausschuss Krailing: Knackpunkt Wandhöhe

Die dadurch entstehenden Höhen erschienen dem zuständigen Kraillinger Bauausschuss und der Gemeindeverwaltung jedoch fraglich. Denn die zulässige Gebäudehöhe wird im Baurecht unter anderem durch die Wandhöhe begrenzt, sie ist das Maß von der festgelegten Geländeoberfläche bis zum Schnittpunkt mit dem beginnenden Dach. Nach Ansicht der Gemeinde entwickeln die steilen Dachflächen eben diese Wandhöhe. „Wäre das der Fall, dann hätten wir ein weiteres Vollgeschoss“, sagt Bauamtsleiter Beel. Und das ist nicht gestattet.

Das Landratsamt hatte diese Frage Ende 2022 überprüft und teilte jetzt mit, dass es sich zwar um „eine ungewöhnliche Dachkonstruktion“ handle, die Behörde jedoch „nicht von der Entstehung einer Wandhöhe“ ausgehe. Damit stünde dem Bauvorhaben nichts im Wege.

Versäumnis bei der Anpassung des Bebauungsplans

Im Rathaus blieb dennoch ein Restzweifel, weshalb der Bauausschuss am Dienstag auch das vom Landratsamt geforderte Einvernehmen nicht erteilte – wohlwissend, dass die Kreisbehörde trotzdem beabsichtigt, den Vorbescheid zu erteilen. „Für die Nachbarn ist das natürlich unschön“, sagt Beel. Zudem sei es auch immer Wunsch des Ausschusses gewesen, in dem Flachbau eine gewerbliche Nutzung fortzuführen. Der Fehler dürfte auch in der Tatsache liegen, dass bei der Anpassung des Bebauungsplans im Jahr 2020 versäumt wurde, die Beibehaltung des Flachdaches festzuschreiben.

Das nützt Familie Ploss nun wenig. „Dieses Haus ist unser Traum, in den wir alles gesteckt haben, was wir haben“, sagt Sonja Ploss. Eine Anwältin hätten sie schon eingeschaltet, und sie seien bereit, alles zu machen, damit der Neubau nicht kommt. Denn neben der Fensterproblematik gebe es noch weitere Horrorszenarien, sagt Sonja Ploss: „Unsere Rohre und Leitungen in der einfachen Zwischenwand aus den 1960er-Jahren zum Neubau könnten zerstört werden. Wer ersetzt uns dann den Schaden?“ Außerdem plane der neue Nachbar, nicht baugleich zu ihrem Haus zu bauen. Laut Plan könnte dies bedeuten, dass die steile Dachkonstruktion dann nicht nur das Kinderzimmer verdunkelt, sondern auch Wohnzimmer und Garten auf Dauer verschattet. (Carolin Högel)

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