Krailling: Die Angst ist weg, die Fragen bleiben

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Auch elf Tage nach dem grausamen Doppelmord an den Schwestern Chiara (8) und Sharon (11) trauern die Kraillinger um die beiden süßen Mädchen.

Krailling - Neun Tage stellten sich die Kraillinger nur eine Frage: „Wer ist so grausam und tötet zwei unschuldige Mädchen?“ Seit Freitag gibt es darauf offenbar eine Antwort. Doch die Frage nach dem Warum bleibt.

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Wie ein Lauffeuer hatte sich die Festnahme des Onkels von Chiara und Sharon im Ort herumgesprochen. „Wir sind unendlich erleichtert“, sagten Kraillinger, die an der Gedenkstätte vor dem Mordhaus Kerzen entzündeten. In der nahen Musikkneipe, dem Schabernack, löste sich bei den Gästen die Anspannung der vergangenen Tage. „Das ist eine gute Nachricht“, meinte ein Gast. „Auch wenn es den Mädchen nicht mehr hilft.“

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Viele im Schabernack kannten die beiden Schwestern. Ihre Mutter Anette ist mit dem Wirt liiert, Chiara und Sharon waren deshalb oft zu Besuch. Einige der Gäste kennen auch flüchtig ihren Onkel Thomas S., der mit Anettes Schwester verheiratet ist. „Ein unangenehmer Typ. Laut, aufbrausend“, erinnert man sich.

„Die Anette hatte ihn und seine Familie sogar mal für sechs Wochen bei sich aufgenommen, als sie kein Dach über dem Kopf hatten“, erzählt ein Kraillinger.

Einige wissen auch von Spannungen zwischen Anette S. und ihrem Schwager. Weil Thomas S. nahezu pleite war, hatte er immer wieder erhebliche Summen aus einer Erbschaft gefordert. „Ich hab kein Dach über dem Kopf. Ich brauche Geld“, hatte er geschrien. Anette S. konnte jedoch nicht helfen, was den Schwager noch aggressiver werden ließ.

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Der mutmaßliche Täter Thomas S.

Durch den Streit, den Thomas S. angezettelt hatte, kühlte auch das Verhältnis zwischen den Schwestern ab. „Die Ursel saß zwischen zwei Stühlen“, sagt ein Kraillinger. Das Verhältnis war so unterkühlt, dass die Tante nicht zur Trauerfeier ihrer ermordeten Nichten Chiara und Sharon gekommen war. Sie hätte dabei sein können, zu diesem Zeitpunkt war ihr Mann auf freiem Fuß – und das Institut für Rechtsmedizin hatte noch keinen DNA-Treffer an die Mordkommission gemeldet.

Für die Menschen im Würmtal gibt es jetzt eine neue Frage. Die Frage nach dem Warum. „Keiner kann sich erklären, warum die Mädchen sterben mussten“, sagt ein Mann, der im Biergarten in der Sonne sitzt. „Wegen eines Erbstreits bringt man doch keine zwei Kinder um.“

Es wird weiter viel spekuliert in Krailling. Wenn Thomas S. ein Doppelmörder sein sollte – war die Tat geplant oder hatte der Onkel von Chiara und Sharon ganz andere Absichten? Wollte er – in Abwesenheit seiner Schwägerin – nach irgendwelchen Unterlagen suchen? Sind dabei die Mädchen aufgewacht, haben ihn erkannt und gedroht, die Mutter zu holen? Hat er die Nerven verloren und blindlings auf seine Nichten eingestochen und sie geschlagen?

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Oder gönnte Thomas S. seiner Schwägerin nicht ihr Familienglück mit zwei süßen, gesunden Mädchen? War er so krankhaft verzweifelt über sein verpfuschtes Leben, dass er anderen noch schlimmeres Leid zufügen wollte? Es sind viele Fragen, die noch ohne Antworten sind. Trotz erdrückender Indizien schweigt Thomas S. noch immer.

tz

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