Krailling: Wie die Gäste des Schabernack helfen

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In der Kneipe Schabernack spenden die Gäste, hier Ralf, für die Beerdigung der Mädchen. Außerdem halten sie in dem Lokal den Betrieb aufrecht

München - Nach dem Kindermord in Krailling herrscht auch in der Musikkneipe Schabernack große Trauer. Doch die Gäste helfen, wo sie können.

Sie ist eine Institution in Krail­ling. Seit fast dreißig Jahren treffen sich in der Musikkneipe Schabernack Gäste aus dem ganzen Würmtal. „Eine Kneipe wie Blue Jeans: immer angesagt“, heißt es auf der Homepage. Das „Schabi“, wie die urige Gastwirtschaft liebevoll genannt wird, hat viele ­Höhen und Tiefen erlebt. Die Gäste ­haben ihr immer die Treue gehalten. Wie groß der ­Zusammenhalt ist, zeigt sich in diesen Tagen. Seit dem schrecklichen Mord an Chiara und Sharon, deren Mutter hier zwei Tage die Woche bediente, halten ein Dutzend Stammgäste die Wirtschaft am Laufen. „Das sind wir unserem Wirt schuldig, er muss sich jetzt um die Mutter kümmern“, sagt Richard S., ein Gast seit Jahrzehnten. Wirt Klaus P. ist seit Jahren mit Anette S. liiert. Er war an jenem ­Donnerstagmorgen dabei, als die Mutter ihre Kinder tot in der Wohnung fand.

Kindermord in Krailling: Tiefe Trauer am Tatort

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Noch am Freitag, einen Tag nach der Bluttat, haben die Stammgäste das Schabernack wieder geöffnet. Sie haben einen Dienstplan aufgestellt, der noch mindestens bis nächsten Sonntag den laufenden Betrieb sichern soll. Unter den Gästen gibt es ein großes Bedürfnis, über den furchtbaren Mord drei Häuser weiter zu sprechen, das Unfassbare zu verstehen – und dem Wirt den Rücken freizuhalten. „Wenn Not am Mann ist, halten wir zusammen. Wir sind wie eine große Familie“, sagt Stammgast Richard S.

Für die Beerdigung von ­Chiara und Sharon haben die Stammgäste einen Spendentopf aufgestellt. In wenigen ­Tagen sind weit über 1000 Euro zusammengekommen. Auch von Kindern aus der Nachbarschaft, die ihr Taschengeld spenden.

Sehr dankbar ist die Schabernack-Familie auch über das Geld eines Kraillinger Familienvaters: Pit B. (42) hat nicht direkt gespendet, der Kaufmann ist der Mann, der die 5000 Euro Belohnung der Polizei noch einmal aus eigener Tasche verdoppelt hat. „Ich tue das nicht aus Eitelkeit, deshalb will ich auch nicht in die Öffentlichkeit. Ich will daran erinnern, dass die Bürger auch jetzt noch genau hinsehen, ob sich jemand im Umfeld verdächtig verhält. Es kann nicht bei 50 Hinweisen bleiben – dieser brutale Mörder darf nicht in unserer Mitte bleiben.“

jam/nba

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