Kraillinger Doppelmord: Neue schreckliche Details

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Chiara (8) und Sharon (11) wurden brutal getötet

München - Schockierend und absolut unerträglich sind die Details des Kraillinger Doppelmordes, der ab 17. Januar (Dienstag) vor dem Münchner Schwurgericht aufgerollt wird.

Wenn diese Anklage der Staatsanwaltschaft München I der Wahrheit auch nur annähernd nahe kommt – dann wäre dieser Mann einer der kaltblütigsten Kindermörder, die jemals vor einem irdischen Gericht standen. Schockierend und absolut unerträglich sind die Details des Kraillinger Doppelmordes, der ab 17. Januar (Dienstag) vor dem Münchner Schwurgericht aufgerollt wird.

Auf der Anklagebank sitzt Postbote Thomas S. (51) – der Onkel der Schwestern Chiara (8) und Sharon (11), die in der Nacht zum 24. März 2011 minutenlang mit ihrem Mörder um ihr Leben kämpften. Staatsanwalt Florian Gliwitzky und die Münchner Mordkommission ermittelten als mutmaßliches Motiv eiskaltes finanzielles Kalkül. Die beiden Mädchen und ihre Mutter Anette S. (43) sollen dem Erbe im Wege gestanden haben, mit dem der finanziell ruinierte Thomas S. die drohende Zwangsversteigerung seines Hauses in Peißenberg abwenden wollte.

Bilder: Diese Themen haben die Region 2011 bewegt

Im Januar ist RTL-Quotenbringer und Restaurantfachmann Christian Rach als "Rach, der Restauranttester" im "La Petite France" auf Gourmetmission unterwegs. © dpa
Die Tipps scheinen auf fruchtbaren Boden zu fallen: Im November kommt Rach zu dem Schluss, dass Freising jetzt Frankreich ist. © fkn
Weite Kreise zieht anfang des Jahres die Affäre um das Kartell von Feuerwehrfahrzeugherstellern. Die hatten mit illegalen Preisabsprachen die Feuerwehren abgezockt. Einige Kommunen - darunter Gemeinden in den Kreisen Erding und Ebersberg - wollen klagen. © 
Eine ganze Gemeinde steht im März unter Schock: In Krailling (Kreis Starnberg) werden die Leichen der Schwestern Sharon (11) und Chiara (8) gefunden. © dpa
Tatverdächtiger ist der Onkel der beiden Mädchen. Der Peißenberger steht ab Januar 2012 vor Gericht. © 
Ein Drama ereignet sich Anfang März im Weilheimer Krankenhaus: Ein ehemaliger Patient (65) sticht mit einem Messer auf eine Chirurgin ein. © Gronau
Die 47-jährige zweifache Mutter aus Andechs stirbt. Das Motiv: Der Mann fühlte sich falsch behandelt. Wenige Monate später begeht er im Gefängnis Suizid. © Gronau
Im April läuten für Skistar Maria Riesch die Hochzeitsglocken: Sie heiratet ihren langjährigen Freund und Manager Marcus Höfl. Am 14. April standesamtlich in Garmisch-Partenkirchen... © Sehr
... und drei Tage später folgt die kirchliche Trauung in Österreich. © dpa
"Ungesittet und widerlich" geht es im Juni an den Isarauen (Kreis Bad Tölz-Wolfratshausen) zu - zumindest nach Meinung der Jungen Union Wolfratshausen. Angeblich werden im Erholungsgebiet sexuelle Handlungen vollzogen... © 
... darum bittet das Landratsamt um gesittetes Verhalten im FKK-Bereich. © Hermsdorf
Das Wetter macht auch 2011 was es will: Exemplarisch für eine Extremwetterlage ist das schwere Unwetter, das Ende Juni für Land unter in ganz Oberbayern sorgt. © Emanuel Gronau
Auch in München geht nichts mehr: Der öffentliche Nahverkehr ist praktisch lahmgelegt. © Westermann
Im Sommer wird der Starnberger See mehreren Tauchern zum Verhängnis: Im Juni sterben eine 29-Jährige Taucherin aus München sowie Tauchlehrer Peter K. aus Peiting (Kreis Weilheim-Schongau). © Sabine Hermsdorf
Im August verunglückt ein Taucher aus Sachsen in der Nähe von Berg am Starnberger See. © Hermsdorf
Monatelang wird um Grundstücke gestritten, das Für und Wider dargelegt und die Bewerbung von München und Garmisch-Partenkirchen für Olympia 2018 vorbereitet. © 
Im Mai stimmen die Garmisch-Partenkirchner ab- und entscheiden sich für die Bewerbung. © 
Doch am 6. Juli platzen die bayerischen Olympia-Träume: Die Delegation um Kati Witt und Franz Beckenbauer reist zur Entscheidung nach Durban- und die Winterspiele gehen an Pyeongchang. © getty
Im Juli strandet ein waschechter Prinz am Flughafen München. Der thailändische Thronfolger Maha Vajiralongkorn kann mit seiner Boeing nicht abheben... © dpa
... weil ein Gerichtsvollzieher das Flugzeug pfändet. Erst Ende Juli darf der Prinz abheben - nach Zahlung einer Sicherheitsleistung im Millionenbereich. © 
Eine Schlägerei in der McDonald's-Filiale am Stachus endet im Juli tödlich. Zwei Männer waren im Streit aneinandergeraten... © akg
... einer stürzt dabei und stirbt an seinen schweren Kopfverletzungen. © akg
Eigentlich wollte Alfred Mignon mit seinem Gewinn bei "Wer wird Millionär" Gutes tun. Doch der Pfarrer aus Otterfing (Kreis Miesbach) darf seinen Gewinn nicht wie geplant spenden - das Finanzamt macht ihm im Juli einen Strich durch die Rechnung. © RTL/Wer wird Millionär
Für eine unsittliche Episode sorgt ein betrunkenes Pärchen im August in Markt Schwaben (Kreis Ebersberg): Die beiden haben Oralverkehr in einer vollbesetzten S-Bahn. © 
Der Münchner Norden ist Ende August in helle Aufregung versetzt. In Teilen des Landkreises Freising, im Raum Dorfen und in München sind zwei heftige Detonationen zu hören. Der Grund: Kampfjets der Bundeswehr haben bei einem Übungsflug die Schallmauer durchbrochen. © ap
Im August ist das erste rauchfreie Jahr in Bayern vorbei. Und das Thema ist immer noch aktuell. Zum Jahrestag veröffentlichen Rauchverbotsgegner eine Befragung unter Gastronomen, die die verheerenden Folgen des Rauchverbots belegen sollen. © dpa
Eine Alternative zu Hotel und Zeltplatz bietet eine Firma zum Oktoberfest im September an: In Riem können Wiesn-Gäste in kuscheligen Doppelbett-Containern nächtigen. © fkn
Mehr Spaß für Bayern: Investoren wollen im Juni bei Neufahrn (Kreis Freising) einen Freizeitpark für 300 Millionen Euro bauen. © 
Im September dann das Aus: Die Kirche will ein entscheidendes Grundstück nicht verkaufen. © 
Dieses Bild schockt Oberbayern im September: Eine Mutter aus Rosenheim erhebt schwere Vorwürfe gegen die Polizei. Ein leitender Beamter soll ihren Sohn übel zugerichtet haben. © fkn
Ein schrecklicher Unfall sorgt anfang Oktober für Entsetzen in Fürstenfeldbruck. Drei junge Männer sind in der Nacht zum 8. Oktober verunglückt - zwei von ihnen sterben. © Voxbrunner
Nach dem Unfall herrscht tiefe Trauer an der Unfallstelle. Freunde der Verstorbenen hängen Plakate auf und legen Blumen nieder. © Voxbrunner
Im Oktober wird die Zapfenstreichliste der Bundeswehrreform bekannt gegeben. Von der Schließung betroffen sind neben dem Fliegerhorst Fürstenfeldbruck... © Voxbrunner
... auch dieStandorte Altenstadt (Kreis Weilheim-Schongau, im Bild) und Erding. Glimpflich kommen die Standorte im Kreis Garmisch-Partenkirchen davon. © Herold
Ein 23-Jähriger versucht im Oktober in Unterhaching (Kreis München), seine eigene Mutter zu töten. Mit einem Dolch geht der junge Mann auf die 55-Jährige los und sticht ihr in den Hals. Die Frau schleppt sich schwerverletzt zu einer Nachbarin - und ihr Sohn wird in die Psychiatrie eingewiesen. © 
Kaum ein Thema hat in diesem Jahr so stark polarisiert wie der Streit um die Erweiterung des Flughafens München. © 
Geplant ist sie schon lange, jetzt soll sie tatsächlich kommen - die dritte Startbahn. Im Juli nimmt das Projekt eine wichtige Hürde: Die Regierung von Oberbayern erlässt den Planfeststellungsbescheid. © 
Außerdem sammeln die Bürger Unterschriften für einen Bürgerentscheid. Im Aktionsbündnis gegen die dritte Startbahn sind im November 14 Parteien, Verbänden und politischen Gruppen organisiert. © 
Die Startbahn-Gegner (unter anderem das Bündnis "AufgeMUCkt" und verschiedene Naturschutzverbände) machen daraufhin mobil. Sie gehen auf die Straße - und klagen gegen das Vorhaben. © dpa
Feuer am Sylvenstein: Im November steht der Falkenberg über dem Sylvensteinspeicher (Kreis Bad Tölz-Wolfratshausen) in Flammen. © Matthäus Krinner
Heerscharen von Helfern sind tagelang im Einsatz, zwischenzeitlich wird der Katastrophenfall ausgerufen. © Arndt Pröhl
Der Christbaum am Marienplatz wird im November zum Politikum. Vielen Münchnern ist der Baum, der von der österreichischen Gemeinde Aschau gespendet wurde, zu krumm. © 
In Aschau reagiert man geknickt - und ein Münchner will den nächsten Christbaum spendieren. © 
Zum Jahresende sorgt ein 12-jähriger Denklinger (Kreis Landsberg am Lech) für Aufsehen: Dem Gymnasiasten Stephan Albrecht wird von der Schulleitung untersagt, seine Schülerzeitung "Bazillus" zu verteilen. Stephan klagt gegen den Freistaat - und bekommt im Dezember Recht. © Preller

Laut Anklage fuhr Thomas S. – er wird von Strafverteidiger Adam Ahmed vertreten – am 24. März kurz nach Mitternacht nach Krailling zum Haus der Schwägerin in die Margarethenstraße. Er wusste, dass Anette S. abends stets im nahen Lokal ihres Freundes war. Und dass sie die Haustür zur Wohnung, in der die Kinder schliefen, nie abschloss.

Chiara wurde im Schlaf überfallen. Der Mörder drosselte das Kind zunächst mit einem mitgebrachten Kunststoffseil, bis das Köpfchen dunkelrot anschwoll. Doch Chiara war noch bei Bewusstsein. Mittlerweile war aber auch Sharon erwacht.

Sie ging in die Wohnküche, dort traf das Kind laut Anklage auf seinen Mörder.Mit einer Hantel soll Thomas S. laut Anklage auf ihren Kopf gezielt haben. Sharon jedoch wich aus, wurde mehrfach gestreift, kämpfte in Todesangst mit ihrem Onkel und fügte ihm dabei laut Spurenlage eine blutende Wunde am Nasenflügel zu. Da griff der Täter zu einem langen Küchenmesser, stach wie besessen auf den schmalen Mädchenkörper ein. Vier Stiche drangen tief in Sharons Brustkorb, zerrissen das Herz, die Lunge, eine große Arterie. Sterbend fiel die Kleine zu Boden.

All das hat Chiara wahrscheinlich mit ansehen, sicherlich aber mit anhören müssen. Denn der Mord an ihrer Schwester geschah genau vor ihrer Tür.

In Todesangst stemmte sich nun die Kleine laut Anklage mit all ihrer Kraft verzweifelt von innen gegen ihre Tür. Der Mörder aber war natürlich stärker. Mit Hantelstange und Messer schlug der Täter auf das kleine Mädchen ein. Chiaras Köpfchen wurde regelrecht zertrümmert, ihr Körper von elf Stichen in Rücken, Hals, Brust und Arm durchbohrt.

Nach Überzeugung des Staatsanwaltes trug Thomas S. die tote Chiara ins zweite Obergeschoss ins Bett der Mutter, weil er wusste, dass Anette S. ihr Kind dort zuerst suchen würde. Laut Anklage riss er die Kabel der Deckenbeleuchtung heraus, ließ die Badewanne ein, legte einen Küchenmixer daneben und wartete. Alles sollte so aussehen, als habe Anette S. ihre Töchter ermordet und sich in der Badewanne mit einem Stromschlag getötet.

Doch die Rechnung ging nicht auf. Anette S. kam in dieser Nacht erst im Morgengrauen heim. Da hatte Thomas S. das Haus laut Anlage schon verlasen und war pünktlich im Feldafinger Postamt erschienen – sein Alibi.

Thomas S. – selbst Vater von vier Kindern – hat die Ermordung seiner Nichten stets bestritten. Der Prozess mit 66 Zeugen und zehn Sachverständigen ist bis zum 27. März terminiert.

Dorita Plange

Kindermord in Krailling: Tiefe Trauer am Tatort

Kindermord in Krailling: Tiefe Trauer am Tatort © Westermann/dpa/Rutt
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Kindermord in Krailling: Die Trauer am Tatort © dpa
Kindermord in Krailling: Die Trauer am Tatort © Dagmar Rutt
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Kindermord in Krailling: Die Trauer am Tatort © dpa
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Kindermord in Krailling: Tiefe Trauer am Tatort © Westermann/dpa/Rutt
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