Tatort-Bilder: Blutspuren zeugen von Gewalttat

München - Prozessauftakt zum Mord von Krailling: Ein Gutachter zeichnet ein erstes Bild von Thomas S., der sich wegen Mordes an den Schwestern Sharon und Chiara verantworten muss. Und die Zuschauer werden direkt an den Tatort gebracht:

Herausgeputzt hat er sich nicht gerade: Als Thomas S. in den vollen Saal A 101 im Strafjustizzentrum geführt wird, trägt er Jeans und ein graues Sweatshirt. Mit verschränkten Armen sitzt der Angeklagte da und verfolgt das Geschehen um ihn herum ohne erkennbare Emotionen.

Der Andrang ist groß an diesem Dienstagvormittag, und nicht nur Journalisten und Medienvertreter warten gespannt auf den mutmaßlichen Kindermörder von Krailling. Bereits lange vor Prozessbeginn stehen die Besucher Schlange vor dem Landgericht München II.

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Angesetzt war die Verhandlung für 9.30 Uhr. Doch es ist bereits kurz vor 10, als das Verfahren eröffnet wird. Der Staatsanwalt verliest die Anklageschrift und es wird ruhig im Gerichtssaal. Viele Besucher sind von den detaillierten Schilderungen der Mordnacht sichtlich schockiert. Auch die interaktive Tatortbegehung einige Stunden später sorgt für Betroffenheit: Erstmals werden die Bilder aus der Mordnacht gezeigt. Alle Räume der Kraillinger Wohnung sind zu sehen, Blutspuren zeugen von der Gewalttat, die sich hier abgespielt hat. Während das bei den meisten Zuschauern für Bestürzung sorgt, scheint es Thomas S. nicht zu kümmern.

S. wird beschuldigt, seine beiden Nichten Sharon (11) und Chiara (8) in der Nacht zum 24. März 2011 brutal ermordet zu haben. Das Motiv aus Sicht der Staatsanwaltschaft: Habgier. Denn der Postbote aus Peißenberg (Kreis Weilheim-Schongau) war hoch verschuldet.

Davon berichtet auch der Gutachter, der als erstes gehört wird. Seine Schilderungen sollen begreiflich machen, was nicht zu begreifen ist: Warum hat der Familienvater Thomas S. seine beiden Nichten ermordet? Der Sachverständige zeichnet ein Bild von S., das einen Mann zeigt, der zwar intelligent ist, aber keine Sache zu Ende führen kann. Mehrere Studiengänge habe S. begonnen, aber keinen beendet. Bevor er seine jetzige Ex-Frau - ihre Schwester Anette S. ist die Mutter der ermordeten Mädchen - heiratete und mit ihr vier Kinder bekam, war S. schon ein Mal verheiratet. Aus dieser Ehe sind zwei Kinder hervorgegangen, zu denen der Peißenberger keinerlei Kontakt hat.

Krailling: Zwei Bäume für Sharon und Chiara

Krailling: Zwei Bäume für Sharon und Chiara

Der Gutachter schildert weiter, dass es nach der ersten Scheidung zum Unterhaltsstreit kam - und S. seinen gut bezahlten Job als Feinmechaniker aufgab, um weniger Unterhalt leisten zu müssen. Er fing bei der Post an - und versuchte sich eine Existenz mit seiner zweiten Frau aufzubauen. Doch auch hier kamen schnell Geldsorgen auf. Außerdem war eines der vier Kinder aus zweiter Ehe schwer krank, benötigte eine Lebertransplantation. Dann erkrankte seine Ex-Frau an Brustkrebs.

All diese Umstände sollen zu jener verhängnisvollen Nacht im März vergangenen Jahres geführt haben, in der die beiden Schwestern starben. Aufschluss darüber könnte auch die Anhörung der Spurensicherung geben, die am Nachmittag ansteht. Dann werden vermutlich weitere Details ans Licht kommen.

Allerdings wohl nicht vom Angeklagten. Thomas S. sagte zu alldem bisher nichts - und sein Verteidiger ließ offen, ob sich daran noch etwas ändern wird.

kb

Rubriklistenbild: © dpa

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