Kraillinger Kindermord: Die tz erklärt den Prozess

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München - Nach dem grausamen Mord an den beiden Schwestern Chiara (8) und Sharon (11) muss sich der Onkel der beiden Kinder vor dem Schwurgericht München II verantworten. Die tz erklärt den Prozess.

Das Verbrechen ist so scheußlich, dass es kaum ein Beispiel in der Kriminalgeschichte gibt. In der Nacht zum 24. März 2011 werden die beiden Schwestern Chiara (8) und Sharon (11) in einem Haus in Krailling auf bestialische Weise getötet. Jetzt beginnt in München der Mordprozess. Ab Dienstag muss sich der Onkel der beiden Kinder vor dem Schwurgericht München II verantworten. Dem 50-jährigen Tatverdächtigen wird vorgeworfen, dass er auch die Mutter der Kinder töten wollte. Diese bediente zu der Zeit in der benachbarten Kneipe „Schabernack“. Das Tatmotiv: Pure Habgier!

Als die Mutter von ihrer Arbeit nach Hause kommt, entdeckt sie das grässliche Blutbad. Die Nachricht vom gewaltsamen Tod der Kinder schockiert die Menschen in Krailling und Umgebung. Welcher Mensch ist in der Lage, nachts in ein Haus einzudringen und so etwas anzurichten? Wie kann ein Mensch hilflose Kinder mit einer Hantelstange zusammenschlagen, um sie dann mit einem Messer zu erstechen?

Bilder: Diese Themen haben die Region 2011 bewegt

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Die Ermittler kommen jedoch rasch zu einer anderen Ansicht. Der Verdacht richtet sich auf Thomas S. (50) aus Peißenberg. Der Postbote, selbst Vater von vier Kindern, hat sich mit dem Bau eines Eigenheims finanziell übernommen. Er braucht dringend Geld. Das erhofft er sich vom Verkauf einer Eigentumswohnung, die seiner Ehefrau und seiner Schwägerin, der Mutter von Chiara und Sharon, gemeinsam gehört. Doch die Schwägerin will nicht verkaufen. Deshalb fasst der Angeklagte er nach Ansicht der Ermittler einen teuflischen Entschluss: Sie und deren Kinder sollen sterben, damit er an das Geld kommt!

Am Tatort findet die Mordkommission nicht nur das Blut der ermordeten Mädchen. Der Täter hat sich auch verletzt. Diese Blutspuren und weitere DNA-Spuren am Tatort belasten Thomas S. Er wird verhaftet.

Zum Beginn der Vernehmungen redet er. Er will die DNA- und Blutspuren erklären, doch er verstrickt sich nach Ansicht der Kripo in Widersprüche. Als der Verdächtige spürt, dass sich die Schlinge um ihn zuzieht, schweigt er. Nach und nach trägt die Münchner Mordkommission Beweise und Indizien zusammen, die Gegenstand der umfangreichen Anklage sind. Beispiel: Nachdem der Täter die Kinder zu Tode gemetzelt hatte, ließ er Wasser in die Badewanne ein. Darin sollte wohl die Mutter der Kinder sterben. Es sollte so aussehen, als habe sie ihre Kinder getötet und Selbstmord begangen.

Schuldeinsicht und Reue? Weit gefehlt! Obwohl die Indizien nach Ansicht der Staatsanwaltschaft keinen anderen Schluss zulassen, bestreitet er das Verbrechen vehement. Thomas S. beschäftigt lieber Anwälte. Bei verschiedenen Gerichten ging er gegen Presseveröffetnlichungen vor. Als seine Ehefrau vor dem Amtsgericht Weilheim am 22. Juli die Blitz-Scheidung durchsetzt, kämpft er mit allen Mitteln dagegen. Mit Erfolg: Das Oberlandesgericht hebt das Urteil wegen Formfehlern auf.

Kindermord in Krailling: Tiefe Trauer am Tatort

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Wie wird sich der Angeklagte im Prozess verhalten? Wahrscheinlich wird er alles bestreiten – so wie bisher. Sein Strafverteidiger Adam Ahmed: „Es bestehen Widersprüche zwischen den Akten und der Anklage.“

Der Prozess ist bis zum 27. März terminiert. Es müssen 66 Zeugen und 10 Sachverständige gehört werden. Vorsitzender Richter Ralph Alt richtet sich auf weitere Verhandlungstage, jeweils montags und dienstags, ein. Die tz erklärt den Prozess im Sitzungssaal A 101 in DIESER GRAFIK.

Eberhard Unfried

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