Kraillinger Kindermord: Sollte auch die Mutter sterben?

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Chiara (8) und Sharon (11) wurden grausam ermordet

Krailling - Es ist ein schauriges Puzzle, das Kriminalisten, Rechtsmediziner und Wissenschaftlern in diesen Tagen anhand der Spuren zusammensetzen. Allmählich jedoch formt sich das Bild.

Was dort zum Vorschein kommt, ist zutiefst verstörend. 800 humanbiologische Spuren sowie Fasern und Fingerabdrücke wurden in den vergangenen drei Wochen im Kraillinger Mordhaus in der Margaretenstraße bzw. im Umfeld der ermordeten Schwestern Chiara (8) und Sharon (11) gesichert. 20 Tage nach dem unfassbaren Kindermord untermauert nun die Auswertung der zahlreichen Spuren den Verdacht, dass mit dem tatverdächtigen Onkel – dem Postboten Thomas S. (50) – genau der Richtige in U-Haft sitzt.

An den Leichen der Kinder, die mit einer Seilschlinge stranguliert, zudem erschlagen und erstochen wurden, identifizierten die Rechtsmediziner mehrfach seine DNA aus Blut- und Speichelspuren. Es sind tatrelevante Spuren, die nur der Mörder hinterlassen haben kann. Als Tatwerkzeuge kommen ein Hanfseil sowie ein Messer und eine Hantel in Betracht. Die ersten DNA-Gutachten werden für Ende der Woche erwartet. „Sollten diese Spuren zweifelsfrei meinen Mandanten belasten, dann wäre das fatal“, sagte Thomas S.’ Anwalt Karl Peter Lachniet am Dienstag zur tz.

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Mittlerweile nimmt auch die Suche nach dem Motiv Formen an: In den Mittelpunkt der möglichen Theorien rückt immer mehr nackte Geldgier. Dafür spricht die Tatsache, dass sich der hoch verschuldete Familienvater Thomas S. in einer aussichtslosen finanziellen Situation befand. Mehrfach hatte er versucht, seine Schwägerin Anette S. (41) zum Verkauf einer Wohnung zu bewegen, die ihr und ihrer Schwester (Thomas S.’ Ehefrau) gemeinsam gehört. Doch Anette S. zog da nicht mit. Sie wollte das Familienerbe ihren Töchtern Chiara und Sharon erhalten.

In der Tatnacht (23. auf 24. März) verließ Anette S. um 22.30 Uhr das Haus und kehrte – ungewöhnlich spät – erst um 4.40 Uhr wieder heim. Wollte der Täter in jener Nacht nicht nur die Kinder, sondern auch deren Mutter ermorden? Unter diesen Umständen hätten Thomas S.‘Frau und deren betagte Mutter allein über ein beachtliches Vermögen verfügt, was die Lösung seiner Existenzsorgen bedeutet hätte. 

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Thomas S.‘ Ehefrau hat von all dem offensichtlich nichts gewusst. Gegen sie besteht keinerlei Tatverdacht. Am Dienstag veröffentlichte die SoKo Margarete auf der Suche nach Zeugenhinweisen (Telefon 089/2910-0) Fotos des Autos der Familie. Es handelt sich um einen alten, grünen Van (Kia Carnival) mit Weilheimer Kennzeichen, der vorne rechts einen Unfallschaden an der Stoßstange hat. Mit diesem Wagen ist Thomas S. nach Einschätzung der Kripo nach dem Mord in den frühen Morgenstunden des 24. März von Krailling durchs Mühltal und am Starnberger See entlang zur Post nach Feldafing an seinen Arbeitsplatz gefahren. Eine genaue Suche auf der gesamten Strecke nach weggeworfener, blutbefleckter Kleidung mit 300 Polizisten verlief am Montag ohne Ergebnisse.

Dorita Plange und jacob Mell

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