Vor Gericht

Krankenschwester als Sex-Sklavin

Dorfen - Der Angeklagte soll „dominiert, manipuliert und kontrolliert“ haben. Am zweiten Prozesstag wegen Zuhälterei, Körperverletzung und sexuellen Missbrauch kamen weitere Details zu Tage.

Im Prozess gegen den 35-jährigen Kaufmann um Zuhälterei und Kindsmissbrauch läuft die Beweisaufnahme. Vor allem wenn es um seine Vita geht, entpuppt sich der 35-Jährige im Prozess vor dem Landshuter Landgericht immer mehr als „Münchhausen“. Laut Anklage soll der Mann eine Frührentnerin (36), mit der er verlobt war, ab Oktober 2011, als das Paar im östlichen Landkreis lebte, zu Escortdiensten und zur Prostitution mehr oder minder geprügelt haben. Er habe sie „dominiert, manipuliert und kontrolliert“, so die Anklage und das Geld, das die gelernte Krankenschwester mit ihren Sexdiensten eingenommen habe, überwiegend in die eigene Tasche gesteckt.

Zum Prozessauftakt hatte sich der 35-Jährige zu den Vorwürfen nicht geäußert, lediglich eine Kurzbiographie geliefert, in der er Tätigkeiten für Finanzdienstleister, an der Börse, in der Fremdenlegion und als V-Mann für den Verfassungsschutz angedeutet hatte. Die Vernehmung seiner Verlobten, die wegen psychischer Probleme und einer schweren Erkrankung inzwischen Frührentnerin ist, fand unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt.

Wie am Rande des Prozesses bekannt wurde, sei sie zunächst wegen finanzieller Probleme freiwillig der Prostitution nachgegangen, ab Dezember 2011 habe sie sich aber geweigert. Trotzdem habe ihr Ex-Verlobter weiter Termine mit Freiern vereinbart und ihr gedroht, sie „windelweich“ zu schlagen, wenn sie nicht tue, was er wolle.

Die ehemalige Vermieterin, eine 49-jährige Landwirtin, berichtete, dass das Paar bei der Anmietung der Wohnung auf ihrem Anwesen überzeugend aufgetreten, später aber immer „komischer“ geworden sei. „Keiner ging einer richtigen Arbeit nach und immer wieder ist die Polizei vorgefahren.“ Später habe sie dann von seinen Straftaten, von Schwarzfahrten und Kindesmissbrauch erfahren. Er habe ihr Geschichten erzählt, dass er bei der Regierung beschäftigt sei und den Hubschrauber-Pilotenschein machen wolle. Post an ihn sei auch mit der Anschrift „Professor“ gekommen. Seine Lebensgefährtin habe sie kaum zu Gesicht bekommen: „Die hat ab und zu mal eine halbe Stunde in den Garten gedurft – aber nur in seiner Begleitung.“

Der behandelnde Oberarzt vom Bezirksklinikum Landshut berichtete, dass die Frührentnerin seit August 2010 bei ihm unter anderem wegen Schlafstörungen, Depressionen, Störungen der Impulskontrolle und Suizidaltität in Behandlung gewesen sei. Die Situation sei manchmal sehr dramatisch gewesen, Angst und Suizidalität habe bei der Patientin eine große Rolle gespielt, aber Hinweise auf eine Psychose habe es nicht gegeben. Erst nach dem Verschwinden des Angeklagten habe die Patientin ihm erzählt, dass er sie zur Prostitution gezwungen, ihr ihr ganzes Geld – etwa 100 000 Euro – abgenommen habe. „Sie war von ihm abhängig und ihm hörig.“ Der Prozess wird am Montag fortgesetzt.

Walter Schöttl

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