tz spricht mit der Mutter des Opfers

Kreissägen-Mord: „Ich will der Täterin in die Augen schauen“

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Thea E. (63) vermutete ihren Sohn im Ausland. Erst vor einem Jahr erfuhr sie, dass seine Leiche im Garten seiner Ex-Freundin Gabi (kl. Foto) vergraben war.

Wenn Thea E. (63) am Montag im Münchner Schwurgerichtssaal sitzt, hat sie nur ein Ziel: „Ich will der Frau in die Augen schauen, die meinen Sohn umgebracht hat.“

München - Es ist ein Mordfall, der vor einem Jahr ganz München bewegte: In einem Garten im Stadtteil Haar entdeckten Polizisten nach einem Hinweis die Leiche eines Mannes. Sie war vergraben! Bei den Überresten handelte es sich um Sebastian H. (28) , von dem es zu diesem Zeitpunkt seit acht Jahren kein Lebenszeichen mehr gegeben hatte. Unter dringendem Tatverdacht wurde damals Gabi P. (32), die Ex-Freundin von Sebastian, festgenommen. Am Montag muss sich die Pädagogin vorm Schwurgericht für die Tat verantworten (siehe unten).

Die tz sprach vor dem Prozess mit der Mutter des Ermordeten. Sie ist nicht als Nebenklägerin zugelassen, weil sie ihren Sebastian als Baby zur Adoption freigegeben hatte. „Als leibliche Mutter hat man keine Rechte mehr“, sagt sie traurig. „Heute weiß ich: Die Adoption war ein Fehler. Auch wenn ich damals in einer verzweifelten Situation war.“

Freundin lügt Mutter des Opfers an

Fast zwei Jahrzehnte hatte Thea E. keinen Kontakt zu ihrem Sohn. Das änderte sich, als Sebastian 18 Jahre alt wurde. „Er war oft bei mir zu Besuch am Bodensee, wir hatten ein gutes, vertrauensvolles Verhältnis.“ Sebastian H. brachte auch seine Freundinnen mit, zuletzt auch Gabi P. Sie hatte der junge Mann als Zivildienstleistender in einem Münchner Krankenhaus kennengelernt. 

Es war um die Adventszeit 2008, als Thea E. plötzlich nichts mehr von ihrem Sebastian hörte. „Ich dachte erst, er ist sauer auf mich, weil ich ihm kein Geld geliehen habe“, erinnert sich die Rentnerin. Einmal erreichte sie damals noch Sebastians Freundin Gabi in München am Telefon. „Sie sagte, Sebastian habe sich getrennt, und sei mit einer WG-Bewohnerin nach Rumänien durchgebrannt.“

Die Jahre vergingen, ohne dass sich Sebastian je wieder gemeldet hätte. „Ich hoffte immer, er würde wiederkommen, wenn er sein Leben im Griff haben würde.“ Drei Jahre nach Sebastians Verschwinden beauftragte sein Münchner Adoptivvater dann einen Privatdetektiv. Doch auch der Ermittler konnte Sebastian nicht finden.

Als vor einem Jahr Sebastians Adoptivvater bei ihr anrief, wusste Thea E. sofort Bescheid: „Sebastian ist tot – und Gabi hat ihn umgebracht“, sagte sie zu ihm.

Am Montag endlich wird der Prozess gegen die mutmaßliche Mörderin ihres geliebten Sohnes beginnen. „Ich muss da hin, um mein inneren Frieden wieder zu gewinnen.“

Der Fall und seine grausigen Details

Bestatter bringen Sebastians Leiche in die Rechtsmedizin

Die Anwohner in der Zunftstraße ahnten nicht, was Ermittler in dem verwilderten Garten ihrer Nachbarin im Februar 2016 ans Tageslicht bringen würden. Es war die zerstückelte Leiche von Sebastian H. († 28). 2008 soll ihn seine Ex-Freundin Gabriele P. während eines bizarren Liebesspiels im Dachboden des Hauses mit einer Handkreissäge bestialisch getötet haben. Zuvor führte das Opfer mit der Sozialpädagogin ein wildes Leben in dem Haus, das als WG genutzt wurde. Beide wechselten ihre Sexualpartner ständig. Das ging auch lange gut – bis es in der Beziehung anfing, zu kriseln. Gabriele P. soll Sebastian H. aus dem Haus geschmissen haben. Er wollte das offenbar nicht akzeptieren, kehrte zu ihr zurück und musste dafür sterben. Gabriele P. soll ihn ans Bett gefesselt und ihm mit einer abgeklebten Taucherbrille die Augen verbunden haben. Dann soll sie die Kreissäge geholt und ihren Plan vollendet haben. Zusammen mit ihrem neuen Lebensgefährten Christian K. soll sie die Leichenteile später im Garten verscharrt haben.

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