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Wegen zwei Metern: Besitzer will neues Gebäude am Tegernsee abreißen - „Eine Vollkatastrophe“

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Von: Alexandra Korimorth

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Zustimmung mit Bauchgrummeln: Der neue Eigentümer will den 2015 fertiggestellten Anbau an den Bauernhof „Beim Wunsch“ abreisen und rund zwei Meter breiter neu bauen. Dem Bauausschuss gefiel das nicht. Weil der Plan planungsrechtlich einwandfrei ist, blieb dem Gremium aber nur die Zustimmung.
Zustimmung trotz Missfallen: Der neue Eigentümer will den 2015 fertiggestellten Anbau an den Bauernhof „Beim Wunsch“ abreisen und rund zwei Meter breiter neu bauen. Dem Bauausschuss gefiel das nicht. Weil der Plan planungsrechtlich einwandfrei ist, blieb dem Gremium aber nur die Zustimmung. © Thomas Plettenberg

Der neue Eigentümer will den 2015 fertiggestellten Anbau an den Bauernhof „Beim Wunsch“ abreisen und rund zwei Meter breiter neu bauen. Der Bauausschuss musste zustimmen, trotz Missfallen.

Kreuth – Nur Kopfschütteln erntete ein Bauantrag zum Abbruch und Neubau des ehemaligen Wirtschaftsteils des denkmalgeschützten Bauernhofs „Beim Wunsch“ in Kreuth. 2011 erst wurde der Gebäudeteil, der sich an den geschützten Hof aus der ersten Hälfte des 17. Jahrunderts anfügt, beantragt. 2015 wurde dieser 7,50 auf 11,40 Meter große Gebäudeteil vollendet. Jetzt soll er inklusive der angebauten Doppelgarage abgerissen werden.

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Die neuen Besitzer möchten ihn durch einen 11,35 Meter langen und 9,88 Meter breiten neuen Anbau inklusive Keller ersetzen. Optisch soll das Gesamtgebäude dann wie ein Einfirsthof wirken, an den eine Garage (5,49 auf 6,87 Meter) angeschlossen werden soll.

Bauplanungsrechtlich ließe sich nichts gegen den Antrag einwenden, stellte Bauamtsleiter Andreas Schwinghammer fest, sodass dem Bau- und Umweltausschuss der Gemeinde Kreuth nichts anderes übrig blieb, als den Antrag wohl oder übel zu bewilligen.

Finde es geradezu unanständig, ein Tophaus in 1A-Zustand einfach abzureißen, nur weil man es ein bisschen größer möchte und es sich leisten kann.

Matthias Erhard (Grüne), Bauausschuss-Mitglied in Kreuth

Matthias Erhard (Grüne) war der erste, der seinen Ärger nicht schlucken wollte: „Ich finde es geradezu unanständig, ein Tophaus in einem 1A-Zustand einfach abzureißen, nur weil man es ein bisschen größer möchte und es sich leisten kann. Ich finde das völlig daneben.“ Auch für die Umwelt sei das „eine Vollkatastrophe“.

Er kenne dieses Haus bestens und wisse wie gut es dastehe. Nun sei es nicht mehr als ein Spekulationsobjekt. Obendrein ein sehr schönes, weil es an dem historischen Hof dranhängt. „Da kaufen Leute ein super Haus, reißen es weg und bauen es wegen einem Meter mehr Raum neu. Und das dann als Zweitwohnsitz. Wir sollten mal grundsätzlich diskutieren, ob wir das in Kreuth so zulassen.

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Martin Walch (SPD) zuckte resigniert die Schultern: „Das ist mittlerweile gängig, dass hier nur zehn bis 15 Jahre alte Häuser abgerissen und größer neu gebaut werden.“ Bürgermeister Josef Bierschneider (CSU) sagte, dass neuerdings aber auch wieder vermehrt in alte Bausubstanz und deren Instandsetzung investiert werde.

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Uli Rohnbogner (CSU) achtete pragmatisch-sachlich auf die bestehende Planung und monierte insbesondere die Fenster. „Das passt nicht zum Altbau“, stellte sie fest und zählte alles auf, was sie „nicht glücklich“ macht: die Fensterproportionen, die bodenlangen Fenster, die Terrassentür ohne Sprossen, die Sturzhöhen und der Umstand, dass das Grundstücksgefälle durch jeweils zwei Stufen zwischen denkmalgeschützten Teil und Neubau sowie Neubau und Garage überwunden werden muss. Optisch verziehe es deshalb den Neubau.

Wolfgang Rebensburg (FWG) gab Rohnbogner Recht: „Das sieht aus wie Kassenhäuslfenster.“ Bierschneider nickte: „Das nehmen wir alles als Empfehlung in unseren Beschluss auf.“ Dem widersetzte sich am Ende nur Matthias Erhard. Ob bauplanungsrechtlich korrekt oder nicht, für ihn war es eine Frage des grünen Gewissens.

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