Mysteriöser Fall

Kripo-Beamter ritzt "Mörder" in Lack von Autos

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„Mörder“ – zwei Mercedes wurden durch diesen Spruch beschädigt. Kripobeamter Lukas Z. gestand und schweigt in der Psychiatrie zum Motiv.

München/Poing - Unabhängig voneinander entdecken zwei ausländische Männer aus Poing, dass ihre Autos zerkratzt sind mit der Aufschrift „Mörder“. Unfassbar: Täter ist ein Beamter der Kripo München.

Und: Kollegen von ihm sollen den Opfern ans Herz gelegt haben, die Sache nicht anzuzeigen!

„Ich war total geschockt, als ich das entdeckt habe“, erzählt Artur Rapp (alle Namen geändert). Jemand hatte mit einem spitzen Gegenstand in den Lack seines Mercedes Benz großflächig das Wort „Mörder“ geritzt. Murat Kunz berichtet dasselbe: „Warum schreibt jemand ,Mörder’ auf mein Auto? Ich habe mit niemandem Streit.“

Beide Männer leben in Poing, beide wollen ihre richtigen Namen nicht in der Zeitung lesen. Weil der Fall für sie sehr mysteriös ist. Zum Tatzeitpunkt waren die Autos etwa zwei Kilometer voneinander entfernt geparkt. Lediglich zwei Dinge sind bislang klar: Tatzeit war die Nacht auf 9. Dezember. Und: Der Täter ist der 54-jährige Kriminalbeamte Lukas Z.

Bis heute hat die Polizei die Sachbeschädigung nicht öffentlich gemacht, obwohl Kunz den Fall angezeigt hat. „Weil es sich um eine einfache Sachbeschädigung handelt mit einem Schaden von maximal 5000 Euro; und weil der Täter bekannt ist“, so die Begründung der Pressestelle des Polizeipräsidiums Oberbayern Nord in Ingolstadt. Laut Gutachter, den Murat Kunz eingeschaltet hat, beträgt der Schaden am Mercedes jedoch „etwas über 8000 Euro“. Das zweite Opfer, Artur Rapp, hat bis dato keine Anzeige erstattet. Er kennt den Täter aus der Nachbarschaft und hatte eigenen Angaben nach nie Streit mit ihm. Sein Schaden: 14 000 Euro.

Rapp berichtet der Ebersberger Zeitung, dass am Vormittag nach der Tatnacht mehrere Zivilpolizisten bei ihm waren, sich per Polizeimarke auswiesen und sagten, dass es dem Täter leid tue und er den Schaden bezahlen wolle. Außerdem sei er gebeten worden, keine Anzeige zu erstatten.

Auch Kunz erzählt, dass ihn Zivilbeamte besucht haben. „Sie wollten wissen, ob das Auto mir gehört und haben gesagt, dass es dem Täter leid tue.“ Er selbst kenne Lukas Z. gar nicht. Der 54-jährige Kriminalbeamte, der laut Polizeipräsidium seine Tat zugegeben hat, befindet sich in einer psychiatrischen Klinik. Auch bei den Opfern haben er sich mehrmals gemeldet: Er entschuldigte sich und sagte, dass er „schwer krank“ sei.

Präsidiumssprecherin Michaela Grob kann sich nicht vorstellen, dass Münchner Kollegen bei den Geschädigten gewesen sind. „Die Sachbearbeitung liegt bei der Kripo Erding.“ Die bittet darum, weitere Fälle „ohne Bedenken“ anzuzeigen.

Ermittelt wird wegen Sachbeschädigung, nicht wegen Ausländerfeindlichkeit, wie Grob betont. Hintergrund: Die beiden betroffenen Männer und ihre Familien stammen aus dem Ausland. Lukas Z. schweigt zu seinem Motiv.

Armin Rösl

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