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Aus dem Gerichtssaal

Mit 0,9 Promille rammte er zwei Autos - Doch der Richter urteilte nur: „Ordnungswidrigkeit“

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Justitia hat die Sachverhalte im Prozess abgewogen.

Ein Azubi aus Krün rammte bei einem Ausweichmanöver zwei Autos - dabei hatte er 0,9 Promille. Der Richter gab am Ende nicht dem Alkoholkonsum des 20-Jährigen die Schuld.

Walchensee/WolfratshausenWeil er einen Frontalcrash mit einem entgegenkommenden Pkw vermeiden wollte, demolierte ein Auszubildender aus Krün am Walchensee zwei parkende Autos. Sachschaden: 16.000 Euro. Da er bei dem Malheur mit knapp 0,9 Promille hinterm Steuer saß, musste sich der 20-Jährige wegen fahrlässiger Gefährdung des Straßenverkehrs vor dem Jugendrichter verantworten. Am Ende durfte er seinen Führerschein, der am Unfalltag einkassiert worden war, wieder mitnehmen.

Der Angeklagte war am 9. Juni dieses Jahres gegen 19 Uhr auf der Süduferstraße am Walchensee unterwegs. Kurz vor Einsiedel erblickte er nach einer laut Polizei „verdammt unübersichtlichen“ Rechtskurve einen Audi, der vom Parkplatz auf die Straße fuhr. Der junge Mann geriet beim Ausweichversuch auf dem Kies ins Schleudern und krachte nacheinander gegen einen Mini Countryman und einen Nissan Qashqai.

Für die Staatsanwaltschaft war die Sachlage klar: Alkohol plus überhöhte Geschwindigkeit verursacht Unfall – so lautete die einfache Gleichung, die der Anklage zugrunde lag. Dem widersprach der Angeklagte. Er sei auf der ihm bestens bekannten Strecke höchstens minimal zu schnell gewesen. Vielmehr sei ihm die Sicht durch einen großen Busch vor der Parkbucht verdeckt gewesen, außerdem sei der Audi fast mitten auf der Straße stehen geblieben. „Bremsen war nicht möglich. Ich habe gesehen, dass da zwei Leute drin saßen und wollte einen Personenschaden auf jeden Fall vermeiden“, begründete der Beschuldigte sein Ausweichmanöver. Den Promillewert erklärte er mit Restalkohol von einer ausgiebigen Zecherei in der Nacht zuvor. Am Unfalltag selbst habe er lediglich um die Mittagszeit ein Bier und später noch ein Radler getrunken.

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„Ich war sehr erstaunt, dass beim Alkoholtest so viel herausgekommen ist“, sagte die Polizeioberkommissarin, die den Unfall aufgenommen hatte. Ausfallerscheinungen bei dem Krüner waren weder ihr noch anderen Zeugen aufgefallen. Das sollte sich im Urteil positiv niederschlagen. Der Staatsanwalt, der den 20-Jährigen während der Verhandlung als „sehr beherrschten, besonnenen jungen Mann“ wahrgenommen hatte, bekräftigte nach der Beweisaufnahme seine These: „Der Unfall wäre nicht zustande gekommen, wenn er nüchtern gewesen wäre.“ Als erzieherische Maßnahme beantragte er 32 Sozialstunden sowie weitere fünfeinhalb Monate Führerscheinentzug. „Es bedarf vieler gedanklicher Konstrukte, dass man hier Alkohol als ursächlich sieht“, entgegnete Rechtsanwalt Franz Großhauser. Nach seiner Einschätzung habe sein Mandant lediglich eine Ordnungswidrigkeit begangen.

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Das Gericht gab ihm Recht. Weil er fahrlässig ein Fahrzeug mit 0,8 Promille gefahren, den Sicherheitsgurt nicht angelegt und seine Geschwindigkeit nicht der Situation angepasst hatte, verurteilte Richter Urs Wäckerlin den Auszubildenden zu einer Geldbuße von insgesamt 585 Euro sowie einem Monat Fahrverbot – den er längst hinter sich hat. „Einen ursächlichen Zusammenhang zwischen dem Unfall und dem Alkoholwert beim Angeklagten sehe ich nicht“, begründete Wäckerlin seine Entscheidung.

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