Razzia in Augsburg: Terrorverdacht gegen drei Männer

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Anwohner gegen Holzkirchner Bäuerin

So lief der Kuhglocken-Prozess: Nachbar will Kühe von der Weide klagen - Kein Urteil

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Beklagte Landwirtin Regina Killer mit ihrer Anwältin bei der Verhandlung.

Die Kuhglocken musste Bäuerin Regina Killer ihren Tieren schon abnehmen. Jetzt will ihr Nachbar ganz die Weidehaltung verbieten lassen und verklagt die Gemeinde gleich mit. So lief die Verhandlung:

Holzkirchen/München - Die Verhandlung vor dem Landgericht München II ist soeben zu Ende gegangen. Das Ergebnis: Verhärtete Fronten auf beiden Seiten: Der Kläger, der die Kühe von der Weide neben seinem Haus komplett verbannen will, und Bäuerin Regina Killer konnten sich nicht einigen.

Lesen sie auch: Nach der Verhandlung - Bürgermeister Olaf von Löwis fürchtet einen Präzedenzfall

Das Gericht wird nun am 14. Dezember entscheiden, wie es weiter geht. Vielleicht gibt es dann auch ein Urteil. Der klagende Nachbar verließ das Gerichtsgebäude fast fluchtartig sofort nach Ende der Verhandlung. Regina Killer gibt sich besser gelaunt - und will mit allen Mitteln weiterkämpfen. Und so lief der Prozess:

Auftritt: die Landwirtin. „Seit's ihr jetzt zufrieden“, fragt sie im Gerichtssaal und hält eine Kuhglocke in die Kameras, die sie von allen Seiten umzingeln. Das Interesse an ihr und dem Streit ist groß; verteilt auf nur drei Sitzreihen drängen sich die Zuhörer. Manche sind aus Platzmangel gar nicht mehr in den Gerichtssaal gekommen. „Es ist eher unwahrscheinlich, dass wir heute Rechtsgeschichte schreiben“, beschwichtigt die Richterin.

Der Kläger traut sich erst etwas später in den Saal. „Er hat keine Lust auf den ganzen Trubel“, bittet sein Anwalt, Peter Hartherz, um Verständnis. 2011 habe sein Mandant das Haus im Ortsteil Erlkam erworben, sich vorher gründlich über die Nachbarschaft informiert. „Auf der Wiese hat es noch nie Viehhaltung gegeben“, habe man ihm versichert, sagt sein Anwalt. Bis 2014 - dem Jahr, in dem die Landwirtin die Wiese von der Gemeinde gepachtet hat.

Der Bürgermeister von Holzkirchen, Olaf von Löwis of Menar, sitzt auch an diesem Donnerstag im Gerichtssaal. Als Eigentümerin der Wiese gilt auch der Gemeinde des CSU-Manns die Klage. Als ortsüblich bezeichnet er Kuhglocken in der Region - „es ist Tradition“. Nicht mehr zeitgemäß, argumentiert die Gegenseite.

Da hält auch der Bayerische Bauernverband dagegen. „Gerade im Alpenvorland und im Alpenraum sind die Kuhglocken immer noch verbreitet“, sagt Sprecher Markus Peters. Für die Glocken gebe es zwei Gründe: Landwirte könnten entlaufene Kühe besser wiederfinden und verloren gegangene Kühe ihre Herden. „Die Kuhglocke ist nicht erst seit Jahrzehnten, sondern schon seit Jahrhunderten gelebte Praxis“, sagt Peters. So ein Rechtsstreit sorge für massive Verunsicherung bei den Bauern.

Auch deshalb will sich die Gemeinde auf keinen neuen Vergleich einlassen, der ein schlechtes Signal für Landwirte bedeuten könnte. Der alte, der bereits vor dem Amtsgericht Miesbach geschlossen wurde, verbietet es schon glockentragenden Kühen, die Nordseite der Wiese zu betreten. Das Grasen mit Glocken ist nur noch auf der Südseite erlaubt - mehr als 20 Meter vom Grundstück des Klägers entfernt.

Der Anwohner bereut den Vergleich mittlerweile. Das Gebimmel stört das Ehepaar immer noch und sorgt laut Klageschrift nicht zuletzt auch für einen Wertverfall des Hauses um 100.000 Euro. Um sich kompromissbereit zu zeigen, kommt der Anwohner der Landwirtin mit lautlosen GPS-Sendern zum Umhängen für die Kühe entgegen. Mit denen könne man die Tiere orten und er würde sie selbst finanzieren. „Das wäre dann auch Stille für die Zukunft“, sagt die Richterin.

Doch die Landwirtin winkt ab: „Ohne Kuhglocken, kommt nicht in Frage“, sagt sie. Die Gegenseite: „Die Kuhglocken diskutieren wir nicht.“ Und so geht der Streit weiter. Ob die Klage des Anwohners vor Gericht zugelassen wird, soll in den kommenden Wochen entschieden werden. Fortsetzung folgt.

Die Hintergründe:

Der Fall erregte in ganz Deutschland Aufmerksamkeit - und vor allem Empörung. Bäuerin Regina Killer (42) bekam bereits 2015 eine einstweilige Verfügung ins Haus: Sie solle sofort ihren Kühen die Glocken abnehmen. Nach ihrem Widerspruch einigte sie sich mit ihrem neuen Nachbarn vor dem Miesbacher Amtsgericht. Die Kühe durften bleiben, die Glocken müssen für einen Teil der Weide verschwinden.

Doch das reichte dem Nachbarn nicht mehr. Er will die Kühe ganz weghaben. Unter anderem wegen ihres Gestanks, aber auch weil der Mist gefährliche Fliegen anlockte, die Krankheiten übertragen. 

Lesen sie hier: Kuhglocken-Streit, die Hintergründe - darum klagt der Nachbar erneut und will die Kühe jetzt ganz weghaben.

kmm/gut/dpa

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