Holzkirchner Bäuerin musste schon Glocken abnehmen

Kuhglocken-Streit heute vor Gericht: Nachbar will Kühe von Weide klagen

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Bäuerin Regina Killer hofft, dass die Verhandlung gut für sie ausgeht. 

Kuhglocken-Streit vor dem Landgericht: Bäuerin Regina Killer geht mit gemischten Gefühlen in die Verhandlung. Notfalls will sie eine Petition im Landtag einreichen. 

Lesen Sie hier den Stand nach einem Tag Verhandlung. Und. So beurteilt der Bürgermeister, dessen Gemeinde der Nachbar ebenfalls verklagt hat, die Situation.

Update: Die Verhandlung ist auf 14. Dezember vertagt. Vorerst ist kein Urteil gefallen, aber es wurde auch keine Einigung erzielt. Bürgermeister Olaf von Löwis fürchtet einen Präzedenzfall.

Holzkirchen – Bäuerin Regina Killer aus dem Ortsteil Erlkam geht mit gemischten Gefühlen in die Gerichtsverhandlung zum Kuhglocken-Streit: „Einerseits bin ich froh, wenn endlich eine Entscheidung fällt“, sagt sie. Natürlich verbunden mit der Hoffnung, „dass es für mich gut ausgeht“. Ein bisschen nervös ist die Witwe dennoch. Das allerschlimmste, was ihr passieren könnte, sei, dass ihr die Weidehaltung verboten wird. „Dann werde ich einen Weg weiter gehen“, kündigt die 42- Jährige an. In diesem Fall will sie eine Petition im Landtag einreichen.

Bäuerin hofft auf viel Publikum im Gerichtssaal

Die öffentliche Verhandlung zum Kuhglockenstreit findet seit Donnerstag, 19. Oktober, um 11 Uhr am Landgericht München II, 5. Stock, Sitzungssaal 501 statt. Als Kläger tritt Killers Nachbar auf, beklagt ist sie selbst sowie die Marktgemeinde Holzkirchen, von der die Landwirtin die umstrittene Fläche bei Erlkam gepachtet hat. Killer selbst hofft auf möglichst viel Publikum. „Das wäre sicher gut für mich“, glaubt sie.

Im Jahr 2015 fing der Streit an 

Im Juli 2015 war der zweifachen Mutter Killer eine einstweilige Verfügung ins Haus geflattert, die ihr die Weidehaltung mit Kuhglocken zwischen 19 und 7 Uhr untersagte. Erwirkt hatte diese der direkte Nachbar der Weide. Er könne wegen des Geläuts nicht mehr schlafen, erklärte er damals. Nach Killers Widerspruch kam es zur Güteverhandlung am Amtsgericht Miesbach. Man einigte sich auf einen Vergleich: Die Weidehaltung mit Kuhglocken sollte sich fortan auf den südlichen Teil der Wiese beschränken, der nicht unmittelbar vor dem Anwesen des Klägers liegt. Mindestabstand: 25 Meter. 

Doch der Friede hielt nicht lange. Jetzt klagt der Nachbar gegen Killer und die Marktgemeinde, um die Weidehaltung auf der Fläche komplett zu verbieten. Der Lärm verursache Schlaflosigkeit und Depressionen, der Kuhmist locke Weidestechfliegen an, die Krankheiten übertragen, behauptet der Kläger in der Anklageschrift. Der Wert seines Hauses sinke dadurch. Seiner Meinung nach sind die Kuhglocken sogar Tierquälerei.„Das ist doch ein Witz“, kontert Killer. Der Nachbar war zuletzt nicht mehr bereit, mit der Presse zu sprechen. Ein klärendes Gespräch im Vorfeld, vorgeschlagen vom Gericht, habe er abgelehnt, berichtet Killer. Es herrsche „totale Funkstille“.

Killer ließ ihre Tiere heuer erst am 7. August auf die besagte Weide. Letzte Woche nahm sie dann die Glocken ab, damit die sieben Tiere auch im nördlichen Teil grasen können. Voraussichtlich solange, „bis es schneit“. 

Immer Ärger mit den lieben Nachbarn 

Einen ähnlichen Ärger gab es zuletzt um die Traditionsbäckerei Tremmel in Rottach-Egern. Ein neuer Nachbar beschwerte sich über die angebliche Geruchsbelästigung. Ein Schlichtungsgespräch im Rathaus mit dem Bürgermeister brachte noch keine Einigung.

Auch in der Marktgemeinde Holzkirchen gab es schon einen weiteren kuriosen Streit unter Nachbarn. Ein Anwohner verklagte Therese und Hans-Werner Hohenegger, weil diese Vögel im Garten fütterten. Er fühlte sich vom Vogelgezwitscher gestört! 

Im oberfränkischen Pegnitz gab es Ärger um Glockenschläge um Mitternacht

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