Düstere Motive

Diese Kunst in der Aula macht Schülern Angst - doch man darf sie nicht einfach entfernen

An vielen Schulen sind die Wände mit großen Bildern geschmückt. Sie sollen für eine freundliche Atmosphäre sorgen. Doch in der Josef-Dering-Schule in Eichenau ist das anders – zumindest in der Aula. Dort sind die Farben und Motive so düster, dass die Kinder sich davor fürchten. Einfach entfernen kann man die Bilder aber nicht – aus rechtlichen Gründen.

Eichenau– Seit Anfang der 1970er-Jahre zieren die Arbeiten von Erhard Paskuda die Westwand und die Aula. „Seine Farbgebung ist stark, oft dunkel. Die Großstadt, die Einsamkeit und die ewige Suche sind Motive seiner Bilder“, bewertet die Eichenauer Gemeindeverwaltung den Stil des 2012 verstorbenen Malers. Bereits 1957 wurde ein Fresko des Künstlers Josef Dering, an dem damals noch schlicht Schule an der Schulstraße genannten Bau angebracht. Dering, der seit dem Zweiten Weltkrieg bis zu seinem Tod 1999 in Eichenau lebte, wurde 2002 schließlich auch der Namenspatron der Schule.

Die ungeliebten, dunklen Motive von Erhard Paskuda blieben. Sie gelten als „Kunst am Bau“ und müssen erhalten werden. Die Idee der Gemeindeverwaltung, das Kunstwerk mit Trockenbauwänden zu verkleiden und so zumindest optisch aufzuhellen, wurde erst lange kontrovers diskutiert und musste dann verworfen werden.

Schulleitung, Lehrer und Elternbeirat schlagen sich weiter mit dem Problem herum. „Seit Jahren versuchen wir, unserer Aula einen schönen grundschulgerechten Rahmen zu geben“, sagt Sandra Doriat, seit Sommer 2011 Rektorin der Josef-Dering-Schule. Die Farbgebung und Darstellung in den Treppenhäusern ist denn auch bunt und freundlich, wie es einer Grundschule entspricht.

Von den düsteren Motiven in der Aula ist sie alles andere als begeistert, um es vorsichtig auszudrücken. „Viele Kinder haben vor einigen Figuren richtig Angst.“ Das gehe soweit, dass das Lehrerkollegium darauf verzichte, sich im Unterricht mit dieser Art von Kunst zu beschäftigen. Und die Aula, die eigentlich Veranstaltungsort sein sollte, wird so wenig wie möglich genutzt. Bereits Sandra Doriats Vorgängerin Rektorin Brigitte Frieß hatte sich mit den unterschiedlichen Auffassungen von Schule und Gemeindeverwaltung befassen müssen.

Immerhin haben Lehrer und Rektorin ein Rezept gefunden, auf sanfte Weise Protest zu üben. So werden immer wieder Stellwände in der Aula vor den dunklen Bildern platziert, auf denen zum Beispiel fröhliche Fotos aus dem aktuellen Schulleben oder Bilder der Mädchen und Buben ausgestellt sind. Das entspreche schließlich einer grundschulgerechten Nutzung, so Doriat.

Inzwischen bekommt die Schulfamilie Unterstützung aus dem Rathaus – und es gibt neue Hoffnung, dass sich endlich etwas tut. „Auch der Bürgermeister unterstützt unser Anliegen“, sagt Rektorin Sandra Doriat. Peter Münster sieht im Sinne der Kinder Handlungsbedarf. Er hofft, dass die neue Kommission „Kunst am Bau“, deren Einführung der Gemeinderat im November beschlossen hat, Bewegung in die Sache bringt, nachdem sich im Gemeinderat für die Umgestaltung der Aula seit Jahren keine Mehrheit gefunden habe.

„Die Schule muss in diesem Fall dringend mit einbezogen werden“, fordert Rathauschef Münster. Die Entscheidung fälle allerdings der gesamte Gemeinderat. Von Amts wegen ist Kulturreferentin Celine Lauer (CSU) für „Kunst am Bau“ mit zuständig. Sie hält die neu geschaffene Kommission für „grundsätzlich gut“.

Nicht jeder im Gemeinderat teilte allerdings diese Auffassung. „Die Probleme werden jetzt in eine Kommission abgeschoben“, sagte FW-Gemeinderat Claus Guttenthaler. Im Gegensatz dazu ist Bürgermeister Münster von einer solchen Expertengruppe überzeugt. „Wir werden sie in den nächsten Jahren gut brauchen.“ (hk)

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