Zum 70. Jahrestag der Lager-Befreiung

KZ-Gedenkstätte Dachau: Ersatz für gestohlenes Tor

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Zum 70. Jahrestag der Befreiung des Lagers wird der Ersatz für das gestohlene Tor eingesetzt.

Dachau - Der Diebstahl der Dachauer KZ-Tür mit der zynischen Parole „Arbeit macht frei“ sorgte für Entsetzen. Zum 70. Jahrestag der KZ-Befreiung werden die Gäste aber ebenso wie einst die Häftlinge durch eine Türe mit dieser Inschrift gehen - die Nachbildung ist fertig.

Ein halbes Jahr nach dem Diebstahl der historischen Tür mit der zynischen Inschrift „Arbeit macht frei“ ist in der KZ-Gedenkstätte Dachau eine Nachbildung eingesetzt worden. „Wir können zwar mit dieser Replik nicht den Zustand von Oktober 2014 wieder herstellen. Aber wir können jedem Besucher zumindest den Eindruck des Originalzustandes vermitteln“, erklärte der Stiftungsratsvorsitzende und Kultusminister Ludwig Spaenle (CSU) am Mittwoch. Zuvor hatte der Münchner Kardinal Reinhard Marx bei einem Gedenkgottesdienst vor polnischen Pilgern an die deutsch-polnische Aussöhnung nach den Gräueln des Nazi-Regimes erinnert.

Von den Dieben der KZ-Tür fehlt nach wie vor jede Spur. Die Polizei tappe im Dunkeln, sagte Stiftungsdirektor Karl Freller. „Wir vermuten schwer, dass es einen rechtsradikalen Hintergrund hat. Aber es gibt keinerlei Hinweise.“ Genau vor 70 Jahren wurde das Konzentrationslager Dachau von der US-Armee befreit. Vor allem den Überlebenden war es ein Anliegen, dass das Tor zum 70. Jahrestag und zu den Gedenkfeierlichkeiten am Sonntag mit Kanzlerin Angela Merkel (CDU) komplett ist.

„Den Überlebenden kommt es darauf an, dass die menschenverachtende Formulierung gleich am Eingang zu lesen ist - so wie sie selbst sie vor 70, 80 Jahren lesen mussten“, sagte Freller. Die KZ-Gedenkstätte wird neben dem neuen Tor auch eine Tafel mit einem historischen Bild, Erklärungen des Symbolgehalts und der Beschreibung des Diebstahls anbringen.

Sollte die originale Tür wieder auftauchen, sei unklar, ob sie wieder eingesetzt werde - oder in die Ausstellung komme, sagte Freller. So sei in Auschwitz verfahren worden. Auch dort war die Tür mit der „Arbeit macht frei“-Parole gestohlen worden. Die rechtsextremen Täter waren aber rasch gefasst und die Tür sichergestellt worden.

Marx sagte in seiner Predigt, er zweifle trotz der historischen Erfahrung des Holocaust an der Lernfähigkeit der Menschheit. „Wer an den Mittleren Osten unserer Tage denkt, an die Gewaltorgien, von denen Teile Afrikas immer wieder heimgesucht werden, auch daran, dass selbst in Europa derzeit wieder Krieg geführt wird, der wird an der Lernfähigkeit der Menschheit zweifeln“, sagte der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz.

dpa

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