Polizei ist beeindruckt

Ladenbesitzerin wird mit Messer überfallen - und reagiert extrem mutig

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Christine Langer an der Theke ihres Geschäfts „Nadel und Faden“: Hier bedrohte sie der Räuber am Freitagabend mit einem Messer. Der Laden ist unter Handarbeitsfreunden weit über Starnberg hinaus bekannt.

Es ist der Albtraum jedes Geschäftsinhabers: ein Überfall, womöglich noch bewaffnet. Christine Langer, Inhaberin eines Handarbeitsgeschäfts in Starnberg, musste das erleben. Und zeigte Mut.

Starnberg – Wer in Starnberg und Umgebung gerne handarbeitet, für den führt an dem Geschäft von Christine Langer an der Ludwigstraße kein Weg vorbei. Bis zur Decke stapeln sich die Wollknäuel – hunderte Knöpfe, alles an Nadeln und Zubehör, was man braucht für geschickte Finger, gibt es in ihrem Geschäft „Nadel und Faden“, das sie seit 1. Januar 1999 betreibt. Dass mal jemand vorbeikommen und Böses im Schilde führen könnte, damit hat sich die 60-Jährige nie groß auseinandergesetzt – bis zum Freitagabend.

Gegen 17.45 Uhr öffnete sich an diesem Tag plötzlich die Ladentür. Ein sehr dünner, etwa 1,80 Meter großer und 17 bis 19 Jahre junger Kerl kam hereingestürmt. „Er ist direkt zu mir an die Kasse getreten“, erzählt Christine Langer und ist immer noch entrüstet. Relativ nervös sei der Typ gewesen, sehr helle Haut habe er gehabt, einen Oberlippenbart, und er sei „auf jeden Fall deutsch“ gewesen. „Kasse auf, ich will das Geld“, habe er dann mehrmals gesagt, und: „Das ist kein Scherz, kein Witz.“

„Man stellt sich das vielleicht mal vor. Aber wenn es dann passiert, ist alles ganz anders“, sagt Christine Langer gestern vormittag im Gespräch mit dem Starnberger Merkur. Immer wieder kommen Beschäftigte aus den umliegenden Läden vorbei, um sich nach ihrem Befinden zu erkundigen, darunter auch Mitarbeiterinnen des Friseursalons gegenüber.

Dunkle Gestalt lungert vor dem Geschäft herum

Sie hatten die dunkle Gestalt mit ihrem Kapuzenpulli am Freitag in ihrer Raucherpause gesehen, wie sie in der Ludwigstraße herumlungerte. „Er hat wohl gewartet, bis alle weg waren, und ist dann reingekommen“, vermutet Christine Langer. Allerdings hat der junge Mann nicht damit gerechnet, dass die Geschäftsfrau so leicht nicht zu schocken ist. „Ich hatte keine Angst, aber eine Scheißwut.“ Selbst als der Typ ein Messer zückte und damit herumfuchtelte, blieb sie ruhig,. „Ich habe nur kurz gedacht: Wenn ich ins Krankenhaus muss, kriegt meine Katze abends nichts zu futtern“, sagt sie und lacht.

Der Gedanke, der Bursche könnte in ihre Kasse langen, widerstrebte Christine Langer derart, dass sie schließlich selbst die Kasse öffnete und sich noch schützend davor stellte. „Ich habe ihn dann gefragt: Wie viel willst du?“ Er wollte natürlich erst alles. Langer weigerte sich, zog dann 50 Euro aus der Kasse. „Die habe ich ihm gegeben und ihn dann rausgeschmissen.“

Der Bursche stürmte in Richtung Kaiser-Wilhelm-Straße davon, Langer folgte ihm mit dem Telefon auf die Straße. In weniger als zwei Minuten war die Polizei da. „Ich habe noch gesehen, in welche Richtung er gerannt ist. Jetzt ermittelt die Kripo.“ Hinweise auf den Burschen nimmt sie unter Tel.: (0 81 41) 61 20 entgegen.

Polizei beeindruckt von den starken Nerven des Opfers

Auch die Beamten waren beeindruckt von den guten Nerven der Überfallenen. „Die haben sich gewundert, dass ich nicht zittere“, sagt sie. Seit sie ihr Geschäft besitzt, ist Langer nie etwas Ähnliches widerfahren. „Einmal wurde mir eine Jacke geklaut“, erzählt sie. „Und als eine Kundin neulich aus Versehen eine Häkelnadel eingesteckt hat, hat sie mir sie gleich wiedergebracht.“ Abgesehen davon: „Es lohnt sich bei mir auch nicht bei dem Kassenstand.“

Fast am meisten ärgert sich Christine Langer darüber, dass der Überfall ausgerechnet am Freitag stattgefunden hat. An diesem Tag ist die gebürtige Ingolstädterin nämlich 60 Jahre alt geworden. Dass sie künftig an ihrem Geburtstag vielleicht an diesen Überfall denken wird, das fuchst sie schon. „Aber schön gefeiert haben wir trotzdem.“

Konsequenzen hat der Überfall für Christine Langer und ihre Kunden dennoch. Zum einen hat sie die Fenster umdekoriert – „damit ich besser rausschauen kann“. Zum anderen schließt das Geschäft an den nächsten Montagen sowie am 8. und 22. Dezember bereits um 16.30 Uhr mit Einbruch der Dunkelheit. „An diesen Tagen wäre ich allein im Geschäft – und das mache ich jetzt erst mal nicht.“

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