Zweiter Großbrand in zehn Jahren

Flammeninferno in Dorfen: Löschen extrem gefährlich

Dorfen - Dorfen ist in der Nacht zum Mittwoch knapp an einer Katastrophe vorbeigeschrammt. Ein Großbrand hat das Lagerhaus Wastl in der Stadtmitte in Schutt und Asche gelegt.

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Ein Feuerwehrmann wurde bei den Löscharbeiten verletzt. Das Lagerhaus war schon 2003 abgebrannt, aber wieder aufgebaut worden.

Das verheerende Flammeninferno am Mittwoch brach gegen 22 Uhr aus. Anwohner berichten von einem heftigen Knall, danach stand das Lagerhaus schnell in Brand. Riesige Flammensäulen stiegen in den Nachthimmel und erhellten die Innenstadt. Gewaltige Rauchwolken ließen das Inferno schon von weitem erkennen. Beim Eintreffen der ersten Einsatzfahrzeuge der Dorfener Stützpunktfeuerwehr wenige Minuten nach dem Alarm stand das Lagerhaus bereits in Vollbrand. Die Integrierte Leitstelle hatte schon beim Notruf Großalarm ausgelöst und neben den Ortsfeuerwehren aus Zeilhofen, Hausmehring, Eibach, Grüntegernbach, Schiltern und Schwindkirchen auch die Wehren aus Erding, Altenerding, Taufkirchen und St. Wolfgang nach Dorfen geschickt.

Der völlig geschockte Besitzer des Lagerhauses musste von der Feuerwehr betreut werden.

Wegen des Flammeninfernos wurden von Feuerwehr und Polizei etwa 30 Anwohner aus den angrenzenden Wohngebäuden evakuiert. Sie standen fassungslos hinter Sicherheitsabsperrungen und verfolgten die Löscharbeiten. Erinnerungen wurden wach an den Brand vor zehn Jahren, bei dem damals die Stadt schon einmal nur haarscharf an einer Katastrophe vorbeischrammte. Viele Betroffene konnten es angesichts dieser Tatsache nicht fassen, dass der Wiederaufbau des Lagerhauses überhaupt nochmals genehmigt worden war.

Für die Rettungskräfte war die Brandbekämpfung gefährlich. In dem Lagerhaus lagerte auch tonnenweise Kunstdünger. Lange Zeit gingen die Einsatzkräfte davon aus, dass sich auch Gasflaschen in dem Flammenmeer befinden. Über Rundfunkdurchsagen wurde die Bevölkerung aufgerufen, Fenster und Türen geschlossen zu halten. Laufend wurden Schadstoffmessungen durchgeführt, um beim Austritt giftiger Dämpfe sofort die Bevölkerung weiträumig evakuieren zu können. Die Dorfener Polizei, die mit zehn Beamten im Einsatz war, forderte dazu auch noch 30 Kräfte aus München an. Zur Brandstelle wurden auch ein Fachberater des Technischen Hilfswerks aus Markt Schwaben sowie Spezialisten von Wasserwirtschaftsamt und Landratsamt beordert. Zum Brandort eilten auch Bürgermeister Heinz Grundner und sein Stellvertreter Johann Haberstetter. Grundner zeigte sich tief schockiert.

Das zum Teil kontaminierte Löschwasser musste aufgefangen werden, um weitere Schäden für die Umwelt zu vermeiden. Während der Löscharbeiten atmete ein Feuerwehrmann aus Taufkirchen zu viele Rauchgase ein. Er musste zur Behandlung in eine Klinik gebracht werden. Wegen des Großaufgebots an Feuerwehren und Rettungskräften mussten immer wieder umliegende Straßen, darunter auch die B 15, gesperrt werden. Noch in der Nacht hat der Kriminaldauerdienst der Kripo Erding die Ermittlungen am Brandort übernommen. Aussagen zur Brandursache sind derzeit laut einem Polizeisprecher noch nicht möglich. Gestern vormittag setzten die Brandermittler ihre Untersuchungen fort.

Der Dorfener Polizeichef Ulrich Milius hat sich vom Einsatz der Feuerwehren tief beeindruckt gezeigt. „Nur durch das absolut professionelles Vorgehen der Feuerwehren konnten die Nachbargebäude gerettet werden. Hut ab vor dieser Leistung“, sagte Milius der Heimatzeitung.

Der Dorfener Vize-Kommandant Tobias Brandl, der zusammen mit Kommandant Stefan Beham den Einsatz leitete, machte gestern unmissverständlich klar: „Das war Kurz vor knapp!“ Nur durch das perfekte Zusammenspiel der Feuerwehren sei es möglich gewesen, die umliegenden Häuser vor einem Übergriff der Flammen zu bewahren. Rund 200 Einsatzkräfte kämpften dafür bis in die frühen Morgenstunden bis zur Erschöpfung.

Bilder des Großbrandes

Großbrand mitten in Dorfen: Bilder

Neben dem eingelagerten Kunstdünger erwiesen sich laut Brandl vor allem die mehrere Tonnen Mais und Weizen, die in einem Doppelboden in dem Gebäude lagen, als großes Problem. Darin verbargen sich viele Glutnester – auch am Mittwoch stiegen noch Rauchwolken aus dem Brandareal. Mühsam musste die Feuerwehr den ganzen Tag über das Saatgut abtragen und mit einem Radlader ins Freie fahren. Nur so konnten die letzten Glutnester in dem abgebrannten Lagerhaus beseitigt werden.

2003 war es nach der ersten Brandkatastrophe im Lagerhaus Wastl zu einer heftigen Auseinandersetzung zwischen Stadt und Landratsamt gekommen. Die Stadt wollte einen Wideraufbau des Lagerhauses verhindern. Das Landratsamt jedoch befand, dass die Wiedererrichtung allen Vorschriften entspreche und das Veto der Stadt rechtswidrig sei. Unter Auflagen durfe Wastl wieder ein Lagerhaus betreiben.

Das Feuer 2003 legte ein Brandstifter. Lange Zeit wurden örtliche Feuerwehrleute verdächtigt. Letztendlich ermittelte die Polizei nach über einem Jahr einen 30-jährigen, psychisch kranken Mann aus Haar als Feuerteufel. Er legte in ganz Oberbayern dutzende Brände. Der Mann war zeitweise auch Mitglied der Haarer Feuerwehr.

Anton Renner

Rubriklistenbild: © Anton Renner

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