Gospel und Applaus für den Landesbischof

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Der Erzbischof von München und Freising, Kardinal Reinhard Marx (l), gratuliert dem neuen Landesbischof der evangelischen Christen in Bayern, Heinrich Bedford-Strohm, am Sonntag zu dessen Amtseinführung.

Nürnberg - Bayerns neuer Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm präsentiert sich in seinem Einführungsgottesdienst als fröhlicher Christenmensch. Doch klar wird auch: Er will sich einmischen.

Da steht er also auf der Kanzel der altehrwürdigen Lorenzkirche zu Nürnberg und klatscht fröhlich mit, wenn die Gospel-Sängerin Roberty Kelly singt: “God has smiled on me“. Heinrich Bedford-Strohm wird gleich erstmals als bayerischer Landesbischof predigen. “Ja, ich bin heute ein glücklicher Mensch“, bekennt er. Und später, beim Festakt im Heilig-Geist-Spital, sagt er: “Ich bin an diesem Tag reich beschenkt worden.“

Heinrich Bedford-Strohm ist ein fröhlicher Christenmensch - und kein abgehobener Kirchenmann. Am Tag seiner Amtseinführung ist das deutlich zu spüren. Und er wird sich einmischen in politische und gesellschaftliche Debatten. Das ist in seiner Predigt deutlich geworden. Die globale soziale Schieflage prangert er an, ebenso die Ellenbogengesellschaft. Er sagt, die Seele der Politik sei krank, wenn es nur um “die klügste Strategie zum Machterhalt“ gehe und nicht um Sachfragen. Die Politiker um Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU), die zu den gut 1200 Gästen im Gotteshaus gehören, dürften spätestens jetzt merken: Der “Neue“ wird das klare Wort von der Kanzel herab nicht scheuen - vor allem, wenn es um soziale und ethische Fragen geht. Am Ende seiner Predigt applaudieren die Zuhörer.

Doch Bedford-Strohm kritisiert nicht nur, er sucht nach Lösungen. Die findet er in der christlichen Botschaft. Da wird er ganz lutherisch, wenn er predigt: Jesus Christus öffne den Menschen Türen, “er nimmt mich mit auf den Weg in die Freiheit eines Christenmenschen“. Und weiter: “Ich muss nicht mehr Leistung, Erfolg oder Wohlverhalten hinterher rennen, sondern ich darf einfach sein. Ich darf einfach Mensch sein.“

Nach der offiziellen Amtseinführung mit Gebeten und Handauflegung rückt die gesamte Familie Bedford-Strohm in den Blickpunkt: Nürnbergs Regionalbischöfin Elisabeth Hann von Weiyhern segnet den neuen Landesbischof, seine Frau Deborah sowie die drei Söhne. Das sei ihm sehr wichtig gewesen, hat Bedford-Strohm schon zuvor betont.

Nach dem zweistündigen Gottesdienst steht der neue Landesbischof auf dem Lorenzer Platz, die Glocken läuten, der Strom der Gratulanten will gar nicht mehr abreißen. Viele umarmen das neue Oberhaupt der Landeskirche. “Er macht einen sehr positiven Eindruck. Ich finde es ganz toll, dass man ihm hier gratulieren und alles Gute wünschen kann“, sagt etwa Wolfram Schöttel aus Scheinfeld bei Neustadt a. d. Aisch.

Doch allzu viel Zeit bleibt nicht für die Gratulationen des Kirchenvolks, der Festakt mit offiziellen Gästen muss ja noch absolviert werden. Die Atmosphäre ist heiter und gelöst. Da lobt der Münchner Kardinal Reinhard Marx als ausgewiesener Experte für die katholische Soziallehre den Sozialethiker Bedford-Strohm für seine “wunderbare und ermutigende Predigt“ und verzichtet kurzerhand auf den Vortrag seines Redemanuskripts, da freut sich Ministerpräsident Seehofer auf die Begegnungen mit dem neuen Landesbischof. Die evangelische Kirche in Bayern zeigt sich an diesem Tag zuversichtlich und fröhlich. Ganz so, wie ihr neuer Landesbischof.

dpa

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