1. tz
  2. München
  3. Region

Ernte 2022: Landwirte klagen über Ausfälle - „Wenigste Niederschläge der letzten 40 Jahre“

Erstellt:

Von: Max Wochinger

Kommentare

Zu klein und ausgedörrt: Hohe Temperaturen und geringer Niederschlag hinterlassen beim Mais ihre Spuren.
Zu klein und ausgedörrt: Hohe Temperaturen und geringer Niederschlag hinterlassen beim Mais ihre Spuren. © Marc Schreib

Ausgedörrter Soja, braune Wiesen und vertrockneter Mais: 2022 wird ein schlechtes Erntejahr, so Kreisbauer Anton Stürzer. Der Grund für die Misere: die Klimakrise.

Landkreis – Nachwuchsbäuerin Anna-Maria Stürzer hat vor dem Maisfeld der Familie in Höhenkirchen-Siegertsbrunn ein kleines Infoschild aufgestellt. Darauf sind Bilder von saftig-grünen Maispflanzen und großen Kolben zu sehen; die Pflanze werde „drei bis vier Meter hoch“, steht hier geschrieben. So soll es sein – so ist es aber nicht.

Schlechtes Erntejahr in Bayern: Ausgedörrte Pflanzen und braune Wiesen

Die Maispflanzen hinter dem Schild sehen aus wie ausgelaugte Stängel: Stämme und Blätter haben sich braun gefärbt, die Pflanzen sind rund zweieinhalb Meter hoch und tragen nur kleine Kolben. Stürzer, 20, nimmt einen der Kolben und pellt die Blätter ab; er ist nur zur Hälfte mit Körnern bestückt.

„Während der Blüte hatte die Pflanze kein Wasser, es wurde nicht befruchtet“, sagt die Landwirtin. Die Körner waren eigentlich als Futtermais für Vieh gedacht, in dem kläglichen Zustand kann die Pflanze nur noch als Ganzes siliert werden. Mit diesem Nährstoffgehalt ist der Mais am Markt viel weniger wert – und reißt damit ein Loch in die Kasse der Bauernfamilie.

Frust im Feld: Anna-Maria Stürzer zwischen dem Mais der Familie in Höhenkirchen-Siegertsbrunn. mw (2), gefö (a.)
Frust im Feld: Anna-Maria Stürzer zwischen dem Mais der Familie in Höhenkirchen-Siegertsbrunn. mw (2), gefö (a.) © Max Wochinger

Ob im Süden oder im Norden des Landkreises: So wie den Stürzers geht es den meisten Landwirten. Ausgedörrte Sojapflanzen, braune Wiesen oder eben vertrockneter Mais, so weit das Auge reicht. „Wenn ich mir den Mais anschaue, gibt es nur eine unterdurchschnittliche Ernte“, sagt Anna-Marias Vater und Kreisbauer Anton Stürzer.

Schlecht ist die Ernteprognose auch beim Gras: Von den ausgebrannten Wiesen könne man noch einen Schnitt herunterholen; den Bauern fehle es „gewaltig“ an Grünmasse. „Auch bei den späten Kartoffelsorten schaut es nicht so toll aus“, sagt Stürzer, obwohl auch heuer wieder viel künstlich beregnet worden sei.

Die Ernte der Sojabohnen werde ich diesem Jahr zudem nur unbefriedigend, schätzt Stürzer. Eigentlich kann die Pflanze Hitze gut ab, doch sogar ihr war es 2022 zu heiß und zu trocken. Während der Blütenbildung konnte man nur schlecht Körner ansetzen. Die Folge: leere Sojahüllen und Schrumpfkörner.

„Es ist ein Erntejahr im Zeichen des Klimawandels“

Der Grund für die Misere ist die Klimakrise: Hitze und viel zu wenig Regen. „Es ist ein Erntejahr im Zeichen des Klimawandels“, sagt Anton Stürzer. Sein Vater dokumentiere seit Jahrzehnten die Menge an Regen, der auf den Hof in Höhenkirchen fällt. Heuer meldet Stürzer einen traurigen Rekord: „In diesem Jahr haben wir die wenigsten Niederschläge der letzten 40 Jahre.“

„Normal“ würden auf seinen Hof in Höhenkirchen 1000 bis 1200 Liter Regen fallen; bis Ende Juli seien nur 440 Liter vom Himmel geprasst. „Dieses Jahr gab es keinen Landregen, sondern nur Schauer und Gewitter“, sagt Stürzer. Landregen ist anhaltender, schwächer fallender Regen – und sehr wichtig für ein gesundes Pflanzenwachstum. Im Landkreis gibt es extreme Niederschlagsunterschiede, im Süden regnet es meist mehr als im Norden.

Nur zur Hälfte mit Körnern bestückt ist der Kolben. Mit diesem Nährstoffgehalt ist er weniger wert.
Nur zur Hälfte mit Körnern bestückt ist der Kolben. Mit diesem Nährstoffgehalt ist er weniger wert. © Max Wochinger

Stürzers Beobachtungen zur Trockenheit decken sich mit den Aufzeichnungen des Deutschen Wetterdiensts. Wer sich durch die Online-Karten des „Trockenheitsviewers“ klickt, sieht, wie ausgedörrt der Grasboden hierzulande ist. Orange steht für Trockenstress, braun für „extremer Trockenstress“. Seit Mitte Juli wechseln sich die beiden Farben ab.

Die Trockenheit hat freilich Auswirkungen auf die Pflanzen auf den Feldern. „Normal gehen die Kolben Mitte August in die Reife über“, sagt Stürzer. In diesem Jahr geschah das einen Monat früher. Dem Mais etwa fehlen jetzt wichtige Nährstoffe. Vor allem für Viehhalter ist das problematisch: Ihre Tiere haben nährstoffärmeres Futter und geben deswegen weniger Milch.

Schlechte Ernte 2022 in Bayern: Große Problematik für Viehhalter

Ein Mitarbeiter im Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten in Ebersberg warnt sogar davor, dass mehrjährige Ernteausfälle existenzbedrohend sein können – „vor allem für Viehhalter“. Das Amt ist auch für Bauern im Kreis München zuständig.

Hier wurden im vergangenen Jahr 8,4 Tonnen Körnermais je Hektar geerntet im Durchschnitt, so das Bayerische Landesamt für Statistik. 2022 wird es wohl weniger Ertrag geben. Zumindest die bereits eingefahrene Ernte – etwa Weizen, Raps oder Gerste – war „stabil“, sagt Kreisbauer Stürzer. „Während der Kornbildung habe es immer wieder etwas geregnet.“ Glück gehabt.

Noch mehr aktuelle Nachrichten aus dem Landkreis München finden Sie auf Merkur.de/Landkreis München.

Auch interessant

Kommentare