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Pandemie, Unwetter oder drohende Stromausfälle: Scharfe Kritik am Katastrophenschutz im Landkreis München

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Von: Bert Brosch

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Die aktuellen Katastrophenschutz-Pläne seien nur wenig durchdacht. Darüber waren sich (v.l.) FDP-Bundestagsabgeordnete Sandra Bubendorfer-Licht, FDP-Landtagskandidatin Katharina Diem, Markus Bauer (Johanniter) und Andreas Frank (THW) einig.
Die aktuellen Katastrophenschutz-Pläne seien nur wenig durchdacht. Darüber waren sich (v.l.) FDP-Bundestagsabgeordnete Sandra Bubendorfer-Licht, FDP-Landtagskandidatin Katharina Diem, Markus Bauer (Johanniter) und Andreas Frank (THW) einig. © bb

Einsatzkräfte im Landkreis München bemängeln fehlende Großübungen und kontraproduktive Konzepte. „Seit über zehn Jahren gab es keine große Katastrophenschutzübung mehr“, so die Kritik.

Feldkirchen – Pandemie, Unwetter oder drohende Stromausfälle: Wie ist der Landkreis München auf solche Katastrophenlagen vorbereitet? Um diese Frage hat sich ein Diskussionsabend der FDP in Feldkirchen gedreht, an dem Vertreter aus der Bundes- und Landespolitik sowie von den Johannitern und vom THW teilnahmen. Es gibt Verbesserungsbedarf, da waren sich alle einig, aber nicht nur hier, sondern bundesweit.

Katastrophenschutz im Landkreis München: „Großübungen und Etats heruntergefahren“

„Nach dem Fall der Mauer dachte keiner mehr an Katastrophen, so wurden Großübungen und Etats heruntergefahren“, sagte die FDP-Bundestagsabgeordnete Sandra Bubendorfer-Licht, Ombudsfrau im Innenausschuss und Expertin für den Katastrophenschutz. „Nach den jüngsten Katastrophen im Ahrtal, mit Corona und den Ukraine-Flüchtlingen bemerken viele, dass dies ein Fehler war.“ Andreas Frank vom THW München-Land konnte dies nur bestätigen.

„Seit über zehn Jahren gab es keine große Katastrophenschutzübung mehr im Landkreis oder gar übergreifend“, monierte er. Dabei wäre das wichtig. „Da steckt immer eine gigantische Logistik dahinter, die man üben muss.“

Feldkirchen: Schutz auf dem Prüfstand

Insbesondere, wenn sich die Einsatzkräfte mit Szenarien konfrontiert sehen, die hierzulande lange nicht akut waren. Potenzielle Blackouts, also flächendeckende Stromausfälle, etwa. Aktuell erarbeiten daher viele Kommunen entsprechende Katastrophenschutzpläne. Das, darauf wies Katharina Diem, die FDP-Landtagskandidatin im Stimmkreis Nord, hin, sei allerdings eigentlich Ländersache. Mit den Konzepten ging der THW-Ortsbeauftragte hart ins Gericht.
Diese sogenannten „Leuchtturmprojekt“ seien überhaupt nicht durchdacht und kontraproduktiv, sagte Andreas Frank: „Die Feuerwehr hat im Katastrophenfall so viel zu tun – aber ganz bestimmt nicht 500 Bürger zu informieren oder deren Handys zu laden.“

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Keine Übungen, schlechte Konzepte: Einsatzkräfte kritisieren Katastrophenschutz

Dabei gebe es das Leuchtturmkonzept seit Jahren. „Die Verantwortlichen wurden dafür nur viele Jahre ausgelacht, jetzt ist es oft purer Aktionismus“, sagte Markus Bauer von der Johanniter-Unfall-Hilfe. Er könne auch nicht verstehen, warum man sämtliche Impfzentren schließe, die doch gut funktionierten. „Und bei der nächsten Katastrophe bauen wir sie wieder hektisch auf.“ Sein Vorschlag: „Einige sollten als Hilfszentren geöffnet bleiben.“

Die Ehrenamtlichen sehen sich allerdings noch mit ganz anderen Schwierigkeiten konfrontiert: „Ein großes Problem ist der riesige Verwaltungsaufwand und Papierkram, den unsere Ehrenamtler zu Lasten der Ausbildung bewältigen müssen“, sagte Bauer. Da könne man professionellen Support benötigen. „Aber insgesamt haben wir viele Indianer und zu wenige Häuptlinge, die Verantwortung übernehmen wollen“, sagte Bauer. So finde man beispielsweise kaum noch Kassierer in den Ortsverbänden, weil das Steuerrecht derart kompliziert sei.

Katastrophenschutz im Landkreis München: Keine Sorgen um den Nachwuchs

Immerhin: Um den Nachwuchs müssen sich weder Johanniter noch THW Sorgen machen. Und auch die technische Ausstattung, berichteten Bauer und Frank, sei bei beiden mittlerweile gut. Es sollte nur eine entsprechende Wertschätzung des Ehrenamts geben, nicht durch Ehrenamtskarten oder Urkunden, sondern in Form von Geld oder Rentenpunkte. „Katastrophenschützer stellen Personalführung und Verantwortung in der Praxis unter Beweis“, sagte Frank. Auch für Arbeitgeber seien diese Fähigkeiten von unschätzbarem Wert, entsprechend müsse das honoriert werden.

Die Anregungen nahm die FDP-Bundestagsabgeordnete Bubendorfer-Licht auf. Zwei Seiten habe sie sich notiert mit den Ideen aus der Praxis, die sie nun in Berlin vortragen wolle.

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