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„Wie sollen wir die Rechnungen bezahlen?“: Wäscherei leidet unter hohen Energiekosten

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Von: Carina Ottillinger

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Wäsche aus Krankenhäusern, Kindergärten und Hotels reinigt die Wäscherei Aschenbrenner in Aschheim. Nicht nur das, sie bügelt OP-Kittel, Handtücher und Co. auch auf
Wäsche aus Krankenhäusern, Kindergärten und Hotels reinigt die Wäscherei Aschenbrenner in Aschheim. Nicht nur das, sie bügelt OP-Kittel, Handtücher und Co. auch auf © Gerald Förtsch

Gerade kleine und mittelständische Betriebe leiden unter den explodierenden Preisen für Strom und Gas. Wie ernst die Lage ist, hat eine Führung durch die Wäscherei Aschenbrenner bewiesen.

Aschheim – Dampf steigt auf in der Waschküche der Wäscherei Aschenbrenner. Eine Maschine presst gerade das noch heiße Wasser aus der frischen Wäsche. Zurück bleibt ein runder Wäschehaufen, der die Form eines Kuchens hat. 18 Tonnen Wäsche aus Krankenhäusern, Kindergärten und Hotels reinigt die Firma Aschenbrenner täglich. Um die Waschkessel heiß und die Wäsche sauber zu bekommen, verbraucht der Betrieb pro Tag so viel Energie wie 1000 Haushalte. Das Gas macht dabei 80 Prozent aus. Und das ist teuer.

Wegen zu hoher Energiekosten: Wäscherei in Oberbayern bangt um Zukunft

Die Wäscherei Aschenbrenner hat wie viele kleine und mittelständische Betriebe mit den steigenden Energiekosten zu kämpfen. „Wie sollen wir die Rechnungen bezahlen? Wir haben Verträge mit unseren Kunden, die wir einhalten müssen“, sagt Bernhard Aschenbrenner, der den Familienbetrieb in vierter Generation leitet. Er klingt frustriert, als er die EU-Abgeordnete Angelika Niebler (CSU) und Innungsvertreter durch sein Werk führt, vorbei an Mitarbeitern, die die Wäsche je nach Waschprogramm sortieren.

„Wir können die Kosten nicht eins zu eins an unsere Kunden weitergeben. Wenn wir so weitermachen, kommen wir ins Minus“, sagt Aschenbrenner. Wenn er seine Kunden nicht mehr beliefern kann, löst das eine Kettenreaktion aus. Besonders im Gesundheitswesen wäre das fatal. Etwa, wenn der Chirurg keinen sauberen Kittel mehr für eine Operation hat.

18 Tonnen Wäsche aus Krankenhäusern, Kindergärten und Hotels reinigt die Firma Aschenbrenner täglich
18 Tonnen Wäsche aus Krankenhäusern, Kindergärten und Hotels reinigt die Firma Aschenbrenner täglich © Gerald Förtsch

„Wäschereien sind systemrelevant“, sagt Franz Xaver Peteranderl, Präsident der Handwerkskammer für München und Oberbayern, nach dem Rundgang. Seine Forderung: Bürokratie für kleine und mittelständische Betriebe herunterfahren und Preise für Strom und Gas senken.

Unten in der Halle schweben derweil Wäschesäcke an Schienen an der Decke zu den Waschkesseln, wie Perlen an einer Schnur. Noch laufen Waschkessel, Wäschetrommeln und Bügelmaschinen. Nur wie lange noch? Einzelne Aufträge mussten die Aschenbrenners bereits ablehnen. Zu den Energiekosten komme der Arbeitskräftemangel hinzu. Bisher ist der Familienbetrieb auf das Engagement seines Personals angewiesen.

Video: Schließen bald alle Geschäfte früher? Energiekrise in Bayern

„Wir brauchen endlich klare und schnelle Ansagen von der Politik“

Nicht nur Wäschereien auch Bäckereien und Metzgereien leiden an der Energiekrise. Großbäcker Heinrich Traublinger fordert stellvertretend für seine Branche eine Preisbremse – fünf Cent bei Strom, 12 Cent bei Gas. Auch Metzgermeister Konrad Ammon macht die ungewisse Entwicklung der Preise zu schaffen. Ja, auch der Metzger verbraucht viel Energie: Strom zum Kühlen, Gas beim Schlachten. „Wir fordern schon seit Monaten Unterstützung, und es passiert nichts“, sagt Landesinnungsmeister Ammon. „Wir brauchen endlich klare und schnelle Ansagen von der Politik.“ Einige Metzgereien hätten in effizientere Technik investiert, doch selbst die reiche nicht aus, um die Kosten einzudämmen.

Bei einem Rundgang schauten sich (links, v.l.) Bäckerobermeister Heinrich Traublinger, EU-Abgeordnete Angelika Niebler, Richard Sterr vom Bayerischen Textilreinigungsverband, Geschäftsführer Bernhard Aschenbrenner, Handwerkskammer-Präsident Franz Xaver Peteranderl und Metzger-Innungsmeister Konrad Ammon das Werk an.
Bei einem Rundgang schauten sich (links, v.l.) Bäckerobermeister Heinrich Traublinger, EU-Abgeordnete Angelika Niebler, Richard Sterr vom Bayerischen Textilreinigungsverband, Geschäftsführer Bernhard Aschenbrenner, Handwerkskammer-Präsident Franz Xaver Peteranderl und Metzger-Innungsmeister Konrad Ammon das Werk an. © Gerald Förtsch

Was kann die Politik tun? Für die EU-Abgeordnete Niebler ist klar, wie die ersten Schritte aussehen: „Wir müssen die Energiepreise herunterdrücken und unbedingt die Bürokratie abbauen. Es gibt viel zu viele Auflagen, die unglaublich kompliziert sind, und vor allem die kleineren Betriebe zusätzlich belasten.“

In der Wäscherei Aschenbrenner ist das Energiesparpotenzial ausgeschöpft. Sie arbeitet mit Blockheizkraft und Wärmerückgewinnung. Eine PV-Anlage kommt demnächst aufs Dach. Jede Waschvorgang verläuft in genormten Prozessen. Das Wasser muss trotzdem heiß sein, genau gesagt: 60 Grad heiß. Wegen der Hygiene. „Wir haben ständig unsere Energieeffizienz ausgebaut und konnten unseren Verbrauch um 80 Prozent senken“, sagt Aschenbrenner. „Mehr können wir nicht machen.“

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