Alternative Wohnung im Wald

Natur-Abenteuer beendet: Tölzer muss Jurte wieder abbauen

Auf Holzpaletten stellte Sixt die Jurte auf einer Waldlichtung nahe Tölz auf. Der Bauaufsicht gefällt das nicht. Foto: Arp/Archiv

Sebastian Sixt muss seine mongolische Jurte am Tölzer Stadtrand wieder abbauen. Die Bauaufsicht befürchtet eine „Zersiedlung“.

Bad Tölz-Wolfratshausen – Aus der Traum: Sebastian Sixt muss die mongolische Jurte, die er am Tölzer Stadtrand auf Privatgrund aufgestellt hatte, wieder abbauen. Der 30-jährige Tölzer bekam dieser Tage Post von der Unteren Bauaufsichtsbehörde des Landratsamts. In dem Schreiben wird Sixt eine Wohnnutzung untersagt, weil er die Jurte ohne Baugenehmigung errichtet habe. Er müsse sie bis spätestens Freitag entfernen, ansonsten werde sie kostenpflichtig beseitigt.

Der junge Mann, der in Tölz ein Thaibox-Studio und den „Shelter Music Pub“ betreibt, war erst Anfang Mai in seine alternative Wohnung gezogen – wohlgemerkt mit einer üblichen Wohnung in Tölz für so manches Bedürfnis in der Hinterhand. Auf der Waldlichtung wollte er „vollgas zur Ruhe kommen“, zu Vögelgesängen aufwachen und die Abende ohne künstliches Licht verbringen. Die 900 Kilo schwere Jurte, die in der Mongolei gefertigt und mit Yak-Filz ummantelt wurde, hatte er im Internet bei Ebay gekauft.

Das traditionelle Zelt, das einst wohl asiatische Nomaden nutzten, sollte irgendwann die erste Unterkunft eines Baumhaus- und Jurtenhotels werden. Eine Vision von Sixt, für die er bereits Gemeinden im Landkreis und die Stadt Bad Tölz um Flächen gefragt hatte. Bürgermeister Josef Janker hatte die Idee als „großartig“ bezeichnet, die Stadt könne nur leider keine Flächen zur Verfügung stellen.

„Verunstaltung des Landschaftsbilds“

Sixts privates Natur-Abenteuer endet nun auch nach einem Hinweis der Stadt an das Landratsamt, wie dessen Pressesprecherin Sabine Schmid sagt. Sie schreibt außerdem auf Nachfrage: „Bei der Jurte handelt es sich um eine nichtprivilegierte, also ,sonstige‘ bauliche Anlage im Außenbereich. Solche sind nur zulässig, wenn sie keine öffentlichen Belange beeinträchtigen.“ Genau das sei aber der Fall: Der Flächennutzungsplan sehe auf der Waldlichtung eine Streu-/Feuchtwiese vor, es würden Belange des Naturschutzes beeinträchtigt. In dem Schreiben, das Sixt erhalten hat, ist auch von einer Verunstaltung des Landschaftsbilds die Rede. „Das verstehe ich nicht. Es geht mir ja gerade um ein Leben im Einklang mit der Natur“, sagt Sixt.

In der 45-Quadratmeter-Jurte mit dem Holzofen und Perserteppichen sieht das Landratsamt eine weitere Gefahr – „eine Zersiedelung des Außenbereichs“. Heißt: Man will verhindern, dass am Tölzer Stadtrand weitere alternative Wohnformen entstehen.

Sixt hält sich nun an die Spielregeln, er habe sich telefonisch bereit erklärt, die Jurte abzubauen, schreibt Schmid. Unterkriegen lassen will sich der 30-Jährige aber nicht. „Ich werde die Jurte definitiv wieder aufstellen. Dafür brauche ich jetzt aber erstmal eine Fläche. Ich würde auch etwas pachten.“ Davor will er dann aber komplett sichergehen, dass alles genehmigungsfähig ist.

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