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Statt Tiermedizin-Studium Kaminkehrmeisterin: Laura (23) liebt ihren Handwerksberuf

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Von: Carina Ottillinger

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„Ich bin jeden Tag froh und dankbar, mich fürs Handwerk entschieden zu haben.“ Laura Anneser ist wie gemacht für den Beruf des Kaminkehrers.
„Ich bin jeden Tag froh und dankbar, mich fürs Handwerk entschieden zu haben.“ Laura Anneser ist wie gemacht für den Beruf des Kaminkehrers. Foto: Gerald Förtsch © Gerald Förtsch

Gerade jetzt kann man von Glück sprechen, wenn man Laura Katharina Anneser (23) aus Kirchheim begegnet.

Kirchheim – Darf ich mal an Ihrem Knöpfle drehen? Könnten Sie mir ein bisschen Ruß auf die Wange schmieren? Solche Sätze hört Kaminkehrmeisterin Laura Katharina Anneser (23) aus Kirchheim des Öfteren. Der Kaminkehrer wird schon seit dem Mittelalter mit Glück verbunden. Daher nehmen die Knopf-Dreh-Anfragen um den Jahreswechsel zu. Jeder wünscht sich das Beste für das nächste Jahr. Bei Gelegenheit verschenkt Anneser kleine Glücksbringer. Sogar Bundeskanzler Olaf Scholz hat eine kleine Kaminkehrerfigur bekommen.

23-jährige Kaminkehrmeisterin: „Ich bin jeden Tag froh, mich fürs Handwerk entschieden zu haben“

Für Anneser selbst hat der Beruf Glück im Sinne einer Erfüllung mit sich gebracht. „Mein Beruf erfüllt mich. Ich bin jeden Tag froh und dankbar, mich fürs Handwerk entschieden zu haben.“ Für sie persönlich bedeute Glück Gesundheit, Lebensfreude und Dankbarkeit.

Wenn Anneser von ihrem Beruf als Kaminkehrerin spricht, schwingt die Begeisterung mit. „Die Aussicht über die ganze Landschaft – Felder, Wälder, die Berge, das ist einfach überwältigend“, sagt die 23-Jährige. Nach dem Abitur wollte sie eigentlich Tiermedizin studieren. Zuhause in Kirchheim hat die Familie einige Haustiere und zwei Pferde im Stall in Pliening. Aber dann kam es doch anders. „Ein Spezl aus dem Stall ist Kaminkehrer.“ Den hat sie aus einem Scherz heraus bei der Arbeit begleitet. „Dann war die Sache klar.“ Vor allem die Aussicht von den Dächern hatte es ihr angetan.

Beste Nachwuchs-Gesellin

Nach einer weiteren Woche Praktikum war sie endgültig überzeugt, Kaminkehrerin werden zu wollen. 2017 begann Anneser ihre Lehre im Betrieb von Florian Baumgartner in Kirchheim. Innerhalb von dreieinhalb Jahren legte sie die Gesellen- und die Meisterprüfung ab. 2020 wurde sie Bayerns beste Nachwuchs-Gesellin im Kaminkehrer-Handwerk. Anneser hatte es geschafft. „Ich habe allen gezeigt, dass ein Mädchen, klein und mit blonden Haaren, Kaminkehrerin werden kann.“

Nach Unfall musste sie kürzertreten

Warum sie ihren Beruf so liebt, dafür gibt es viele Gründe. Die Vielseitigkeit. Die Aussicht, der Kundenkontakt, das Überprüfen der Heizungsanlagen, das Kehren. „Das fehlt mir mittlerweile schon ein wenig.“ Seit Oktober 2021 arbeitet Anneser im Landesinnungsverband für das Bayerische Kaminkehrerhandwerk. Im Frühjahr zuvor hatte sie einen Unfall und musste kürzertreten. Jetzt steht sie auf der anderen Seite und darf mitunter auch in der Ausbildung der jungen Kaminkehrer mitwirken.

Erst letztens kam eine Auszubildende zu ihr. „Sie hat im Fernsehen und in der tz einen Bericht über mich als Kaminkehrerin und Wiesn-Madl gesehen. Dadurch ist sie auf den Ausbildungsberuf gekommen.“ Erzählungen wie diese bestätigen Anneser darin, so aktiv auf den Sozialen Medien zu sein. „Selbst wenn es nur das eine Mädchen war, das ich für unser Handwerk begeistern konnte, hat es sich schon gelohnt.“

Einsatz für die Interessen der Zunft

Im Landesinnungsverband setzt sich Laura Anneser für die Interessen ihres Handwerks ein. In der Handwerkskammer für München und Oberbayern hat sie im Oktober Bundeskanzler Olaf Scholz nicht nur einen kleinen Kaminkehrer als Glücksbringer überreicht. Sondern sie hat ihn auch auf die fehlende Unterstützung der Meisterschüler angesprochen. „Warum werden Studenten so viel mehr unterstützt als Handwerker? Kostenloses Studium, Ermäßigungen und Zuschüsse. Ein Meisterschüler muss vieles in der Meisterausbildung aus eigener Tasche bezahlen.“ Kein Wunder also, dass der Handwerksberuf für viele nicht attraktiv genug ist. „Das muss sich unbedingt ändern.“ Laura Anneser kann nicht verstehen, wieso so viele junge Menschen nur studieren. Handwerksberufe wie das Kaminkehrerhandwerk brächten großartige Perspektiven mit sich.

Umso mehr freut sie sich, dass die Lehrlingszahlen der Kaminkehrer dieses Jahr so hoch wie noch nie sind. Mehr als 140 neue Ausbildungsverträge wurden in Bayern abgeschlossen. Deutschlandweit sind es über 600 Kaminkehrer-Lehrlinge im 1. Lehrjahr. 600 weitere Knöpfe, die Glück bringen können.

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