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Lebenseinstellung Bodybuilding: „Es ist wie eine Sucht, ein eigener Lifestyle“

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Von: Michael Baumgärtner

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Auf Platz acht landete Christian Wagner bei der kürzlich ausgetragenen Deutschen Meisterschaft. Dort musste der 49-Jährige den Punktrichtern unter anderem sieben Pflichtposen zeigen.
Auf Platz acht landete Christian Wagner bei der kürzlich ausgetragenen Deutschen Meisterschaft. Dort musste der 49-Jährige den Punktrichtern unter anderem sieben Pflichtposen zeigen. © Michael Kramer

Christian Wagner aus Starnberg betreibt seit 30 Jahren intensiv Muskelaufbau-Training - und hat bei einem Wettkampf einen zweiten Platz erreicht.

Starnberg – Christian Wagner musste fast 50 Jahre alt werden, um endlich einmal bei einem bedeutenden Wettbewerb auf dem Podest zu stehen: Bei den Bayerischen Meisterschaften holte der Bodybuilder aus Starnberg den zweiten Platz (wir berichteten) und qualifizierte sich damit erstmals für die Deutsche Meisterschaft. In Wiesloch landete er dann zwar vor dem 21-jährigen Dorfener Janik Jung, der ihm vor drei Wochen den bayerischen Titel weggeschnappt hatte, aber mit Rang acht unter den zehn qualifizierten Startern in der Klasse Männer II bis 80 Kilogramm verpasste er diesmal das Podium deutlich. „Ich bin trotzdem absolut stolz darauf“, sagt Wagner.

Bodybuilding ist für den 49-Jährigen „ein Teil meines Lebens“. Und die Sportart, die der Österreicher Arnold Schwarzenegger Ende der 1960er-, Anfang der 1970er-Jahre in Europa so richtig populär gemacht hat, begleitet Wagner nunmehr seit mehr als 30 Jahren. Im Alter von 18 Jahren lernte im damaligen Tutzinger Fitnessstudio am See Paul Späth kennen, „einen ehemaligen Spezl von Arnold Schwarzenegger“. Er steckte Wagner mit dem Bodybuilding-Virus an. „Er hat mir alles beigebracht, das Training, die Ernährung, das Posen“, erzählt Wagner, der schon von klein auf sehr sportlich unterwegs war.

Im Alter von sechs Jahren fing er mit seinem Bruder Ulrich in der TSV-Halle, wo sein Vater Trainer war, mit dem Turnen an. „Als Kinder waren wir zum Teil acht bis zehn Stunden mit unseren Eltern auf Bergtouren unterwegs, was uns riesig Spaß machte“, erinnert sich Wagner. Außerdem spielte er beim TSV Tutzing Fußball und fuhr Ski.

Erster Wettbewerb 1991

Als er aber auf Anregung von Paul Späth 1991 am Schmied-von-Kochel-Cup teilnahm – seinem ersten offiziellen Bodybuilding-Wettkampf –, hat ihn die Faszination Bodybuilding nicht mehr losgelassen. Und das, obwohl einigen seiner Bekannten dafür das Verständnis fehlte. „Als ich 1990 zum ersten Mal im Studio war, wurde ich nur belächelt und hörte von vielen: ,Mei Bua, fallt dir nix Gscheiders ein?’“ Wagner ließ sich nicht beirren und blieb seiner Leidenschaft bis heute treu: „Es ist wie eine Sucht, ein eigener Lifestyle.“

In den vergangenen drei Jahrzehnten gab es so gut wie keinen Tag, an dem Christian Wagner nicht im Studio stand und trainierte. „Jeden Tag, siebenmal die Woche zwei Stunden“ stemmt er Hanteln und Gewichte, um seine Muskulatur aufzubauen oder zu definieren, je nachdem, in welcher Phase der Vorbereitung auf einen anstehenden Wettkampf er sich gerade befindet. „Das habe ich jetzt 30 Jahre lang durchgezogen.“

Und das, obwohl ihm durchaus bewusst ist, dass diese extreme Form von Leibesübung auch gesundheitliche Risiken birgt. „Gesund ist das nicht unbedingt“, sagt Wagner. Zum Beispiel, wenn er täglich etwa zehn Liter trinkt oder wenn er sich vor einem Wettkampf bis auf fünf Prozent Körperfett hungert. Er richtet seine Ernährung strikt auf die Optimierung seiner Muskelmasse aus. „Ein Schweinshaxn oder eine Leberkassemmel sind schon mal drin“, sagt Wagner schmunzelnd. Aber ansonsten isst er eher magere Kost wie Putenfleisch, Reis, Tartar und – ganz wichtig: „Pro Tag ein Kilogramm Gemüse.“ Insgesamt nimmt er ungefähr 4500 Kilokalorien zu sich, davon verbrennt er allein 1200 bis 1500 in einem Training.

Bislang hatte er noch keine gesundheitlichen Probleme. „Ich gehe einmal pro Jahr zum Arzt zum Gesundheitscheck, und bisher war immer alles in Ordnung“, versichert der 49-Jährige. Auch besonders verletzungsträchtig ist sein Sport nicht. „Ich hatte nur zwei nennenswerte Verletzungen, einmal einen Brustmuskelfaserriss und einmal eine Patellasehnenentzündung. Das war schon ganz schön schmerzhaft und hat fast ein Jahr gedauert.“

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Kreislauf muss auch trainiert werden, nicht nur die Muskeln

Neben dem Gewichte-Pumpen darf Wagner aber auch nicht das Ausdauertraining vernachlässigen, um sein Herz-Kreislauf-System zu trainieren. Nach jeder Einheit sitzt der gelernte Industriemechaniker noch eine halbe Stunde auf dem Spinning-Rad oder geht auf den Stepper. Den Grund dafür erklärt er so: „Je größer die Muskeln werden, desto mehr Nährstoffe benötigen sie. Das Cardio-Training dient auch dazu, dass andere wichtige Organe nicht unterversorgt sind.“

Die Wettkampfsaison ist für Christian Wagner nach der Deutschen Meisterschaft nun erst einmal vorbei. Doch die Füße hochzulegen und auszuruhen, bedeutet das nicht. Ab sofort bereitet er sich und seinen Körper in seinem privaten Kraftraum zu Hause oder im Starnberger Fitness-Studio „Pur“ auf die neue Saison vor, die im Spätsommer 2023 mit der Süddeutschen Meisterschaft beginnt. Muskelaufbau ist dafür schon ab sofort angesagt. „Es dauert ungefähr ein Jahr, sich auf einen Wettkampf vorzubereiten“, erklärt er.

Und Wagner hat für das nächste Jahr ein ganz besonderes Ziel. Schließlich feiert er Ende Januar seinen 50. Geburtstag, und von da an darf er bei den Masters starten. „Da will ich dann alles abräumen, was möglich ist“, sagt er selbstbewusst. Geht es nach ihm, dann wird er noch lange vor den Punktrichtern seine Muskeln spielen lassen und die sieben Pflichtposen zeigen. Denn er ist sich sicher, dass er vom Bodybuilding-Virus nicht mehr geheilt wird: „Ich mache das, solange es irgendwie geht.“

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