Max Mannheimer erhält Ehrenbürgerschaft

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„Napoleon ist nicht mehr buchbar, ich bin noch da“, sagt Max Mannheimer gerne, wenn er über seine Erinnerungen spricht. Bei der Buchpräsentation stellte ihm Felizitas Raith vom Max-Mannheimer-Studienzentrum Fragen über die Zeit im Konzentrationslager.

Dachau - Lange Zeit wollte Max Mannheimer nur vergessen. Doch dann entschied er sich anders - und begann von seinen Erlebnissen im KZ zu berichten.

Viele Erinnerungen von ihm und an ihn sind nun in einem Buch erschienen. Und am Freitagabend wird Max Mannheimer die Ehrenbürgerschaft der Stadt Dachau verliehen.

Max Mannheimer erinnert sich noch gut an diesen einen Tag. 25 Jahre ist es her, als er das erste Mal vor einer Schulklasse sprechen sollte. Über seinen Aufenthalt im Konzentrationslager in Warschau. „Damals hab ich Baldriantropfen gebraucht, weil ich so aufgeregt war“, erzählt er. Wer den 91-Jährigen einmal sprechen gehört hat, mit seiner ihm so ganz eigenen Art, die seine Zuhörer zum Lachen bringt und mindestens genauso oft nachdenklich macht, der kann sich nicht vorstellen, dass der Mann mit dem lockigen schneeweißen Haar einmal nervös war, vor Jugendliche zu treten.

Seit damals ist viel Zeit vergangen. An diesem einen Gymnasium, an dem damals alles begann, hat Max Mannheimer inzwischen 32-mal von seiner Zeit im Konzentrationslager erzählt, berichtet, wie er beinahe seine gesamte Familie durch die Nationalsozialisten verloren hat. Schon drei Direktoren hat er dort erlebt, immer und immer wieder wurde er eingeladen. Und es ist nicht das einzige Gymnasium, das von ihm nicht genug hören kann.

All seine Facetten, seinen besonderen Humor und seine Fähigkeiten, Menschen in seinen Bann zu ziehen, haben Ilse Macek und Horst Schmidt in einem Buch eingefangen. „Max Mannheimer - Überlebender, Künstler, Lebenskünstler“ heißt es und enthält Texte von und über ihn. Es geht darin nicht nur um den Holocaust, sondern auch um den Menschen Max Mannheimer.

„Napoleon ist nicht mehr buchbar“, sagt er gerne. „Aber ich bin noch da.“ Und so lange er kann, will Max Mannheimer weitermachen, von damals erzählen - und damit einen Beitrag liefern, dass soetwas nie wieder passieren kann. „Ich will die Jugendlichen von der Verantwortung für die Vergangenheit freisprechen und für die Demokratie stärken“, sagt er. Das sieht er als seine Pflicht - als Pflicht jedes Holocaust-Überlebenden.

Gleichzeitig war es für ihn anfangs eine Therapie, um mit den Erlebnissen im Konzentrationslager fertigzuwerden. Genauso wie das Malen. Wenn er alleine ist, kippt Max Mannheimer gerne Farben auf eine Leinwand. Dann wippt und kippt er sie jedes Mal so lange hin und her, bis ein neues Bild entstanden ist. Ein Unikat, unkopierbar. So wie er selbst.

(kwo)

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