Glonner Wasserwachtlerin spricht über Rettung

Lebensretterin Johanna zog Rentner aus dem Kastensee

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Sie rettete ein Menschenleben: Johanna Reiser.

Glonn - Die 22-jährige Wasserwachtlerin Johanna Reiser aus Glonn reanimiert leblosen Badegast (83).

Ihren Kollegen in der Praxis hat sie es noch gar nicht erzählt. Dabei hat Johanna Reiser (22) aus Glonn am Sonntag etwas ganz Besonderes vollbracht. Sie konnte einen 83-jährigen, der leblos im Kastensee trieb, reanimieren und rettete ihm so das Leben.

Die junge Arzthelferin ist Wasserwachtlerin mit Leib und Seele. Bereits seit dem zarten Alter von sechs Jahren ist sie dabei, wenn es darum geht, für die Sicherheit der Badegäste zu sorgen. An dem besagten Tag wäre sie eigentlich gar nicht im Dienst gewesen, kam aber wegen des schönen Wetters trotzdem an den See. Als plötzlich Panik ausbrach, gehörte sie zu denen, die alles richtig machten.

Aufmerksame Badegäste hatten beobachtet, wie sich der Münchner Rentner beim Schwimmen seltsam bewegte und stellten fest, dass er auf Ansprache nicht reagierte. Bis die ersten Helfer im Wasser waren, trieb der Mann schon leblos nicht weit vom Ufer.

Die Retter brachten den Mann draußen zwischen den Tischen des Strandcafés in die Seitenlage, um das Wasser aus seinen Lungen zu bekommen Dabei bemerkte Reiser, dass weder Atmung noch Puls vorhanden waren. Sofort begann sie, den Mann zu reanimieren, während ihr Kollege Herbert Hofmayer (64) die Beatmung übernahm. Es vergingen nur wenige Minuten, bis es Reiser gelang, den Herzschlag des Verunfallten wieder in Gang zu bekommen und er wieder schwach zu atmen begann.

Ihre Leistung will sie aber nicht überbewerten. „Das ganze Team hat super zusammengeholfen, sonst wäre es nicht gegangen“, unterstreicht sie die gemeinsamen Anstrengungen. Acht Wasserwachtler und ein zufällig hinzugekommener Arzt seien an der Rettung beteiligt gewesen. Gewundert hat sich Reiser über die Reaktion mancher Cafégäste: „Mir wäre der Appetit vergangen, aber einige haben beim Zuschauen einfach weiter gegessen.“

In der Zeit bis zum Eintreffen des Rettungshubschraubers nahm sie kaum etwas um sich wahr. Zwei Wespen hätten sie in die Hand gestochen, sagt sie, was ihr aber kaum aufgefallen sei: „Da gibt es in dem Moment Wichtigeres.“

Ihre Sorge gilt nun dem Opfer, das mit dem Hubschrauber in eine Münchner Klinik geflogen wurde. Wie es ihm geht, ist noch unbekannt. Es schwingt aber auch Stolz auf ihr Team von der Wasserwacht mit, als sie die Geschehnisse zusammenfasst.

Normalerweise kümmern sich die Lebensretter mehr um Wespenstiche und kleinere Verletzungen. Einen solchen Einsatz hatte Reiser bis dahin noch nicht miterlebt. „Ich hatte schon etwas Herzrasen, als die Sache ausgestanden war“, bekennt sie.

Auszeichnungswürdig findet sie ihre Leistung aber nicht. „Das ist einfach unser Job“, sagt sie bescheiden. Am Montag war sie ganz normal in der Arbeit. Die kommenden Nachmittage wird sie wieder am See verbringen.

Josef Ametsbichler

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