Badeausflug wird zu Bewährungsprobe

Sie ist die Lebensretterin vom Steinsee

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Christa Bissinger, 65, aus Höhenkirchen-Siegertsbrunn rettete am Montagvormittag eine 77-Jährige vor dem Ertrinken.

Moosach - Als für Christa Bissinger ein normaler Badeausflug plötzlich zu einer Extrem-Situation wird, reagiert sie richtig. Und rettet dadurch eine Frau vor dem Ertrinken.

Christa Bissinger schwimmt gerade zurück ans Ufer, als sie die Dame trifft, der sie wenige Momente später das Leben retten wird.

Christa Bissinger, 65, pensioniert Deutschlehrerin, dreht jeden Morgen ihre Runden im Steinsee bei Moosach (Landkreis Ebersberg). Das hält fit, und in der Früh ist die Stimmung dort besonders schön, sagt die Höhenkirchen-Siegertsbrunnerin (Landkreis München).

Die beiden Damen kennen sich nicht, und doch sind sie schnell einer Meinung. „Sie meinte zu mir, dass das Schwimmen hier im See schon schöner sei als arbeiten“, erzählt Christa Bissinger gestern Nachmittag. Die beiden lachen. Ist es nämlich auch. Sogar viel schöner. Bissinger schwimmt weiter Richtung Ufer.

Sie denkt noch über den kurzen Plausch mit der netten Dame nach, als sie hinter sich plötzlich ein Röcheln hört. „Da war sonst keiner, ich wusste sofort, dass das die Frau von eben sein muss“, sagt sie. Offenbar erleidet diese gerade einen Schächeanfall. Sie dreht sich um, zwischen den beiden liegen schon 20, 30 Meter. Sie ruft der der 77-Jährigen zu, ob sie Hilfe braucht. Kein Antwort. Drei Mal fragt sie, bis ein schwaches „Ja“ zurückkommt.

Vor zwei Wochen erst hatte Christa Bissinger im Radio einen Bericht darüber gehört, was beim Ertrinken passiert. Sie schwimmt so schnell sie kann. Bissinger ist schon fast bei der Frau, als diese untergeht. „Ich habe sie noch am Arm packen können und hochgezogen“, erzählt sie.

Sie greift ihr von hinten unter die Arme und strampelt zurück zum Ufer. Meter für Meter kämpft sich die 65-Jährige mit der 77-Jährigen im Schlepptau vor. Bissingers Beine werden immer müder, sie ruft um Hilfe.

„Ich weiß nicht, wie lange ich das geschafft hätte, als zwei mutige Männer auf uns zu schwammen und die Frau übernommen haben“, erzählt Christa Bissinger. Die Männer schleppen die 77-Jährige, ans Ufer. Dort stehen mittlerweile bereits viele Menschen, die das Drama beobachtet und bereits den Notarzt verständigt haben. Eine der Badegäste ist zufällig Ärztin, sie kümmert sich sofort um die 77-Jährige. Bissinger deckt die mittlerweile bewusstlose Frau mit einem Handtuch zu. Kurz darauf landet der Rettungshubschrauber, die Frau wird nach München in eine Klinik geflogen.

Ein Weile später steigt Bissinger zurück in ihr Auto und fährt nach Hause. Als sie dort zur Ruhe kommt, die Geschichte ihrem Mann erzählt, kommt sie ins Grübeln. „Ich darf mit gar nicht ausdenken, wie es mir gegangen wäre, wenn ich sie nicht mehr hätte halten können“, erzählt sie. Sie konnte aber.

Als die Polizei gestern Abend berichtet, dass sich die 77-Jährige auf dem Weg der Besserung befindet, ist Christa Bissinger glücklich. Und ihre Wut darüber fast verflogen, dass am Ufer nirgendwo ein Rettungsreifen zu sehen war.

Patrick Wehner

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