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Streit um Rote Beete im Leberkäse: Bio-Metzger zieht vor Gericht - sogar Staatsregierung schaltet sich ein

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Von: Volker Ufertinger

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Symbol-Leberkäs
Die Bio-Metzgerei Packlhof verwendet statt Nitritpökelsalz Rote Beete, um den Leberkäse rot einzufärben. Das aber hat das Landratsamt unter Verweis auf die aktuelle Rechtsprechung untersagt. © Bodmer Oliver

In ganz Deutschland gibt es das Problem, dass Biometzgereien im Leberkäse Gemüsesaft verwenden. Das verstößt gegen das Gesetz. Der Packlhof hat dagegen geklagt.

Eurasburg – Kürzlich hat sich das Verwaltungsgericht München mit dem Thema Rote Beete im Leberkäse befasst. Nein, es ging dabei nicht um die neueste Kreation der Wurstindustrie à la Pizzaleberkäse. Strittig war allein die Verwendung von Rote Beete-Saft, -Pulver und -Konzentrat als Ersatz für das übliche Nitritpökelsalz, das genutzt wird, um Wurstwaren rot zu färben.

Der Packlhof in Eurasburg verwendet schon seit einiger Zeit lieber Rote Beete. Das aber hat das Landratsamt untersagt. Also strengte das Eurasburger Unternehmen eine Feststellungsklage an. Wer denkt, dass es dabei um einen kuriosen Einzelfall handelt, irrt sich. Das Thema ist in ganz Deutschland auf der Tagesordnung. Es gibt nämlich eine Entscheidung des Bundesverwaltungsgerichts aus dem Jahr 2015, wonach nitritreiche Gemüsekonzentrate im Fleisch als Zusatzstoffe zu qualifizieren sind. Zusatzstoffe aber sind bei Öko-Verbänden wie Bioland, zu dem auch der Packlhof gehört, verpönt. „Die Ernährungsgewohnheiten ändern sich halt“, sagt einer der beiden Geschäftsführer der Bio-Metzgerei, Florian Holzmayr. „Das muss sich doch irgendwann auch im Gesetz niederschlagen.“

Streit um Leberkäse: Das Gesetz qualifiziert Rote Beete als Zusatzstoff

Es war als ein Pilotprozess mit Signalwirkung. Das konnte man auch daran erkennen, dass beim Prozess auch eine Vertreterin von Bioland zugegen war. Sie hatten eine ganze Reihe von Rote-Beete-Produkten auf den Tisch gestellten, um zu zeigen, dass die Knolle ein ganz normales Lebensmittel und kein Zusatzstoff ist. Mitte November wurde die Leberkäs-Angelegenheit in München die Sach- und Rechtslage erörtert. Die Richterin ließ durchblicken, dass sie für die Verwendung von Rote Beete bei der Fleischherstellung durchaus Sympathie habe. Aber nur für den Saft. „Beim Pulver und Konzentrat ist die Sachlage schon schwieriger“, erklärte sie. Allerdings entschied das Gericht in der Sache gar nicht, weil die Feststellungsklage unzulässig gewesen ist. Voraussetzung wäre gewesen, dass der Packlhof gegen die Untersagungsbescheides des Landratsamtes klagt. Das aber hat er nicht getan. Die Untersagung durch die Behörde bleibt als bestehen.

Rote Beete im Leberkäse: Behörde und Packlhof bleiben im Gespräch

Und wie geht es jetzt weiter? Florian Holzmayr legt Wert auf die Feststellung, dass er keinerlei Groll gegen das Landratsamt hegt. Vielmehr gehe es schlicht darum, einen wichtigen Punkt vor Gericht klären zu lassen. Irgendwann werde man sich mit der Behörde zusammensetzen und weiterschauen. „Eine gütliche Regelung ist immer noch das Beste.“ Unterstützung erhält der Packlhof dabei offenbar von der Regierung von Oberbayern. Deren anwaltlicher Vertreter sagte vor Gericht zu, das Gespräch mit der Kreisbehörde im Sinne des Packlhofs zu suchen.

Das Landratsamt verweist darauf, dass es bei der Untersagung nach der gültigen Rechtslage entschieden hat. „Wir können gar nicht anders“, erklärt Pressesprecherin Marlis Peischer. Jetzt wird zunächst einmal die schriftliche Begründung des Verwaltungsgerichts abgewartet. Die Tür für Gespräche mit dem Packlhof steht offen. „Es gibt hier kein Problem, das man nicht lösen könnte.“

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