Planegg lässt Gutachten erstellen

Einzelhandel: Dem Leerstand vorbeugen

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Die Attraktivität der Planegger Flaniermeile soll erhöht, der Einzelhandel gestärkt werden. Die Gemeinde hat deshalb die 49 Betriebe in der Bahnhofstraße näher unter die Lupe nehmen lassen.

Der Online-Handel wächst und wächst. Eine Entwicklung, mit der auch im kaufstarken Würmtal Einzelhändler zu kämpfen haben. In Planegg will man nicht abwarten, bis die Bahnhofstraße durch Geschäftsaufgaben an Attraktivität verliert und hat ein Gutachten erstellen lassen.

Planegg – Die Zahlen, die Joachim Stumpf dem Planegger Gemeinderat vorlegte, sprechen eine klare Sprache. Während der Online-Handel in den vergangenen Jahren in Deutschland um mehr als 50 Prozent gestiegen sei, habe man beim stationären Handel branchenübergreifend nur ein marginales Plus erzielt, berichtete der Geschäftsführer der BBE Handelsberatung. Bei Mode-Artikelnverzeichne man sogar ein Minus, wohingegen der Online-Handel auch hier dreistellige Zuwachsraten aufweise. Angesichts von mehr als 100 000 Online-Shops in Deutschland sei es für Einzelhändler eine „riesige Herausforderung“, ihre Geschäfte weiter wirtschaftlich zu betreiben, sagte Stumpf, der selbst seit 22 Jahren im Würmtal lebt.

Der Stockdorfer hat im Auftrag der Gemeinde die 49 Betriebe in der Planegger Bahnhofstraße näher unter die Lupe genommen – auch im Hinblick auf gefährdete Immobilien, sprich Geschäfte, für die sich aufgrund ihrer Lage oder geringer Ladenfläche in Zukunft nur schwer ein Nachmieter finden lassen dürfte. Und von denen gibt es laut Gutachten einige.

Prinzipiell werden Planegg in dem Gutachten aber gute wirtschaftliche Rahmenbedingungen bescheinigt. Es gebe ein großes Einzugsgebiet, die Kaufkraft liege deutlich über dem Bundesdurchschnitt (+18 Prozent), die Geschäftshäuser befänden sich überwiegend in einem sehr guten Zustand. Noch gebe es wenig Leerstände. Um die Attraktivität der Planegger Flaniermeile zu gewährleisten, sei eine starke Nahversorgung unabdingbar, insbesondere in den Sparten Lebensmittel und Drogerien. „Frequenz schafft Umsatz“, betonte Stumpf.

Zur Belebung des Zentrums biete auch die Gastronomie noch Potenzial, meinte der Stockdorfer. Vermutlich auch mit Blick auf das „Mi casa su casa“. Die jahrelange Schließung des beliebten Lokals dürfte auch das Aus der Filiale von „Schuh Linse“ befördert haben. Neben der Unterhaltungselektronik werde es damit in Planegg eine weitere Angebotslücke geben, so Stumpf. Apotheken gebe es in der Bahnhofstraße dagegen wahrscheinlich eine zu viel.

Neben einer guten Nahversorgung müsse es Ziel der Gemeinde sein, die Aufenthaltsqualität zu verbessern, etwa durch Sitzgelegenheiten, freies WLAN und Bewerbung der großen Tiefgarage am Marktplatz; Letztere werde unter Wert verkauft, sagte Stumpf.

Darüber hinaus riet er, eine Datenbank einzurichten, um Mietprobleme wie auch Versorgungsdefizite rechtzeitig zu erkennen. Darin sollten etwa potenzielle Mieter mit deren Sortiment und Verkaufsflächenbedarf, aber auch Netzwerkpartner wie IHK oder der Handelsverband Bayern erfasst werden. Eine solche Datenbank ständig zu aktualisieren, sei mit einem „mordsmäßigen Aufwand“ verbunden, konstatierte Anneliese Bradel (Grüne Gruppe 21). Stumpf riet deshalb, die Wirtschaftsförderung personell aufzustocken und damit gleichzeitig die Kontaktpflege zum Einzelhandel zu verbessern. Derzeit bewältigt Bärbel Zeller die Aufgaben einer Wirtschaftsreferentin mit einer Halbtagesstelle.

Fritz Haugg (FDP) kritisierte, dass in dem Gutachten der Fokus nur auf die Planegger Bahnhofstraße gelegt werde. „Das wird anderen Standorten nicht gerecht.“ Auf Antrag seiner Partei sollen jetzt Handlungsalternativen auch für die Ortsteile Martinsried, Kreuzwinkel und Steinkirchen aufgezeigt werden.

Grundsätzlich kam der Gemeinderat überein, die vorgeschlagenen Maßnahmen von der Verwaltung prüfen und gewichten zu lassen. Inwieweit die Wirtschaftsförderung künftig personell aufgestellt wird, ist noch offen, soll aber schnell geklärt werden. „Wir sind dran“, versprach Bürgermeister Heinrich Hofmann.

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