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Lehrer schlagen Alarm: Ab September drohen Unterrichtsausfälle - Schulleiter „schockiert und entsetzt“

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Von: Timo Aichele

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Kürzungen im Unterricht, größere Klassen, gestrichene Förderstunden – dieses Szenario droht ab September. Schulämter suchen händeringend Aushilfen. Die Lehrergewerkschaft BLLV macht ihrem Ärger Luft.

Erding – Das Schuljahr ist gerade zu Ende, da blicken die Pädagogen schon mit Sorge aufs nächste. Ein gewaltiger Lehrermangel zeichnet sich ab, insbesondere an Grund- und Mittelschulen. Die beiden Kreisvorsitzenden des Bayerischen Lehrer und Lehrerinnenverbands (BLLV) schlagen Alarm. „Setzen, sechs!“ So kommentieren Michael Oberhofer und Michael Braun die Planung des Bayerischen Kultusministeriums. Sie seien „schockiert und entsetzt“, schreiben die beiden Schulleiter in einer Pressemitteilung.

Gewaltiger Lehrermangel: Alleine in Oberbayern fehlen zwischen 800 und 1000 Vollzeitstellen

Alleine in Oberbayern fehlen demnach im kommenden Schuljahr zwischen 800 und 1000 Vollzeitstellen im Bereich der Grund- und Mittelschule. Was heißt das ganz konkret für den Landkreis Erding? „Wir werden sicherlich im Schuljahr 2022/23 in vielen Klassen keine voll ausgebildete Lehrkraft vor der Klasse sehen“, prophezeien der Isener Rektor Oberhofer und sein Amtskollege aus Wartenberg.

In Feierlaune waren am Freitag viele Schüler wie hier die Moosener Viertklässer mit Lehrerin Verena Kainz (pinkfarbenes Kleid). Sie verabschiedeten sich mit einem Countdown und dem Ruf „Hoch die Hände, Grundschulzeit zu Ende!“
In Feierlaune waren am Freitag viele Schüler wie hier die Moosener Viertklässer mit Lehrerin Verena Kainz (pinkfarbenes Kleid). Sie verabschiedeten sich mit einem Countdown und dem Ruf „Hoch die Hände, Grundschulzeit zu Ende!“ © Privat

Stattdessen würden wohl Lehramtsstudierende ab dem ersten Semester mit bis zu 20 Wochenstunden unterrichten und „Akademiker, egal welcher Fachrichtung, ihr pädagogisches Glück versuchen“. Zudem sei zu erwarten, dass Pensionisten und „im weitesten Sinne Menschen mit pädagogischen Vorkenntnissen“ vor den Klassen und Lerngruppen stehen.

Wenn solche Aushilfskräfte überhaupt rekrutiert werden können. Aus dem Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen ist zum Beispiel bekannt, dass die dortige Schulamtsleiterin in einer E-Mail um Mithilfe der Schulen bittet. Jeder Pädagoge solle doch bitteschön tätig werden und nach solchen Aushilfen suchen. Vom Erdinger Schulamtsdirektor Robert Leiter war zu dem Thema am Freitag keine Stellungnahme zu bekommen.

Lehrermangel in Bayern: BLLV macht Ärger Luft - „Vollkommene Fehlplanung des Kultmusministeriums“

Die BLLV-Kreisvorsitzenden bezeichnen diese Politik auf Landesebene als „Armutszeugnis und Ergebnis einer vollkommenen Fehlplanung des Kultusministeriums“. Das hätten die Schüler nicht verdient. „Wir haben schon vor Jahren gewarnt, aber es wurde immer wieder vom Minister beschwichtigt und der Mangel geleugnet“, klagen die beiden leidenschaftlichen Pädagogen. „Im Jahreszeugnis geben wir dem Ministerium eine glatte Sechs – einfach ungenügend, nicht mal mehr mangelhaft!“, so Braun und Oberhofer.

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Die Leidtragenden dieser Entwicklung werden die Kinder sein. „Wenn nicht genügend Lehrende gefunden werden, geht die Giftliste in die nächste Runde“, befürchten die beiden Lehrergewerkschafter. Mögliche Maßnahmen sind nach ihren Worten:

„Wir sind gespannt, was noch alles kommt“, ärgern sich Oberhofer und Braun.

Sie vermuten, „dass die Kinder aus der Ukraine als Argument für den Lehrermangel vom Ministerium instrumentalisiert werden“. Das sei sicherlich eine riesige Herausforderung, die gerade auch im Landkreis Erding engagiert angegangen werde. „Aber der eklatante Mangel an sich im Bereich der Grund- und Mittelschulen ist altbekannt, wurde aber immer wieder von oben negiert!“, so die beiden Kreisvorsitzenden.

Eine schnelle Lösung sehen sie nicht. Langfristig helfe nur, das Studium für Grund- und Mittelschule sowie die Bezahlung attraktiver zu machen. Eine Angleichung der Lehrergehälter an Grund- und Mittelschulen ans Gymnasialniveau ist hier eine alte Forderung.

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