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Lehrermangel: Schulamt streicht Sportunterricht und löst Klassen auf - „Situation belastet sehr“

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Von: Stefan Weinzierl

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Viele Schüler, zu wenig Lehrer: Auch im Landkreis München ist zum Schulstart der Personalmangel deutlich zu spüren. Immerhin hat jede Klasse im neuen Schuljahr auch eine Klassenlehrkraft. Symbo
Viele Schüler, zu wenig Lehrer: Auch im Landkreis München ist zum Schulstart der Personalmangel deutlich zu spüren. Immerhin hat jede Klasse im neuen Schuljahr auch eine Klassenlehrkraft. © Sven Hoppe/dpa

Die Personalnot an den Schulen im Landkreis München ist eklatant. Das Schulamt streicht deswegen Sportstunden und löst sogar Klassen auf.

Landkreis – 3718 Erstklässler werden heute in den Grundschulen im Landkreis München erwartet. Die meisten von ihnen haben dem ersten Schultag entgegengefiebert, freuen sich aufs Schreiben-, Rechnen- und Lesenlernen. Bei vielen Eltern, Lehrern und Verantwortlichen im Schulamt fällt allerdings angesichts der zahlreichen Herausforderungen, Probleme und Ungewissheiten – Stichwort Energiekrise, Pandemie und Lehrermangel – die Freude aufs neue Schuljahr eher verhalten aus.

Vor allem die Personalnot drückt aufs Gemüt. „Die angespannte Personalsituation beschäftigt und belastet mich sehr“, gibt Schulamtsdirektorin Ursula Löwe unumwunden zu. Bereits vor Unterrichtsstart mussten viele Lehrkräfte aus dem Stamm der Mobilen Reserve für Festeinsätze abgegeben werden, damit überhaupt für jede Klasse eine Klassenlehrkraft zur Verfügung steht. Nun befürchtet Löwe, dass an Weihnachten keine Mobile Reserven mehr zur Verfügung stehen werden, um die Schulen bei Ausfällen von Lehrkräften unterstützen zu können.

Lehrermangel in Bayern: Höchstschülerzahl nur in einem Fall überschritten

Zudem benötigte es ein ordentliches Streichkonzert bei Angeboten, um die Abdeckung des Pflichtunterrichts gewährleisten zu können. So wurden laut Löwe an allen Mittelschulen die zusätzlich eingerichteten Klassen wegen hohen Migrationsanteils in einer Jahrgangsstufe, die Stunden für den erweiterten Basissportunterricht sowie die für den differenzierten Sportunterricht gestrichen.

An einigen Schulen seien Klassen zusammengelegt worden. „Bis auf eine Ausnahme kam es aber nicht zur Überschreitung der Grenze für die Höchstschülerzahl“, sagt die Schulamtsdirektoren. In vereinzelten Fällen habe man auch Gruppen im Fachunterricht zusammenlegen müssen.

Das hat mancherorts durchaus für Aufregung bei den Eltern gesorgt. So starteten Eltern in Haar eine Petition, weil die Klassen 2f und 4f geschlossen und die betroffenen Schüler auf andere Klassen aufgeteilt worden sind. Über 250 Bürger unterstützten die vergangene Woche ins Leben gerufene Petition, genutzt hat es freilich nichts. „Dafür erhalten diese Klassen eine beträchtliche Anzahl an Lehrerstunden dazu, um stundenweise die Klassen in zwei Gruppen aufteilen und eine gezielte Förderung gewährleisten zu können“, sagt Löwe.

Personalmangel an Schulen: 2. Klasse in Oberschleißheim aufgelöst - Eltern empört

Empört zeigten sich auch Eltern der Grundschule in der Parksiedlung in Oberschleißheim. Dort ist eine 2. Klasse aufgelöst worden, die betroffenen Eltern wurden gebeten, zu prüfen, ob sie ihre Kinder nicht möglicherweise per Gastantrag auf eine andere Schule schicken können. Sogar von einem Losverfahren war kurzzeitig die Rede, sollte es nicht genug Freiwillige geben, die die Schule wechseln. Wie Schulrat Christof Knippschild auf Merkur-Nachfrage erklärt, habe man von diesem Weg schließlich abgesehen. Es hätten sich auch genug Schüler gefunden, die nun in eine andere Schule gehen.

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Die Personalnot wirkt sich auch auf die Klassenstärke in den Einstiegsklassen aus: Die 3718 ABC-Schützen werden nach Angaben des Schulamtes in 125 Klassen unterrichtet. Macht eine Durchschnittsschülerzahl von 29,7 Schüler pro Klasse. Immerhin liege die Durchschnittszahl der Schüler pro Klasse, betrachte man die gesamte Grundschule, bei 23,7 betont Löwe. Bei den Mittelschulen seien es durchschnittlich sogar nur 19,4 Schüler pro Klasse.

Die angespannte Personalsituation an den Schulen im Landkreis hat viele Gründe: „Der Landkreis München wurde bedarfsgerecht mit entsprechenden Lehrerstunden versorgt“, betont Löwe. Allerdings sei die Versorgung recht knapp bemessen gewesen, viele Lehrer seien nicht angetreten und eine nicht unerhebliche Anzahl weiblicher Lehrkräfte dürften aufgrund von Corona nach wie vor keinen Präsenzunterricht abhalten. Zusätzliche Herausforderungen wie die Einbindung der Flüchtlingskinder aus der Ukraine haben die Situation verschärft. Eigentlich sei die Akquise von Personal eine spannende Tätigkeit, sagt Löwe. Doch mittlerweile sei der Verwaltungsaufwand immens. Das belaste nicht nur das Schulamt enorm, sondern auch die Schulen.

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