Verdächtige Spuren

Seltsames Tier tötet zehn Bienenvölker - Imker hat schlimmen Verdacht

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Das verwüstete Bienenhaus mit leer gefressenen Waben und Resten von Isolierplatten am Boden.

Problembär „Bruno“ kann es nicht gewesen sein. Er wurde erschossen. Aber der Zwischenfall weckt Erinnerungen: Ein Tier hat ein Bienenhaus komplett verwüstet. Es gibt einen Verdacht.

Lenggries – „Da war ein Bär am Werk.“ Das war der erste Gedanke von Georg Kellner. Der Vorsitzende des Imker-Kreisverbands war bass erstaunt, als er dieser Tage den „Tatort“ bei Lenggries-Letten besichtigte. In einem ehemaligen Torfstich abseits der Staatsstraße 2072 hat Klaus Kaltenhauser ein Bienenhaus stehen. 

Das hätte der Imker aus Arzbach bei einer Nachschau fast nicht mehr wiedererkannt. Das Innere des kleinen Holzhäuschens war völlig verwüstet: Aufgebrochene Bienenstöcke, zerrissene Isolierplatten und leer gefressene Wintervorrats-Waben. Zehn der elf Völker waren gestorben. Ein erbärmlicher Anblick. „Da möchte man glatt krank werden“, sagt Kaltenhauser sarkastisch nach einem längeren Reha-Aufenthalt. „Das ist wirklich schlimm für mich.“

Durch dieses Fenster mit den Kratzspuren kam der Eindringling nach innen

Wer macht so etwas? Zunächst habe er einen Dachs oder einen Fuchs verdächtigt. „Ein Marder kann es nicht gewesen sein“, so Kaltenhauser. Der wäre zu schwach für diese Art von Verwüstung. Aber bald war dem Imker klar: „Das muss ein Waschbär gewesen sein.“ Ein anderes heimisches Tier habe nicht so viel Kraft. Die Außenwand weist erhebliche Kratzspuren auf, und ein Fenster ist eingedrückt.

Kaltenhauser hat jede Menge Fotos vom „Tatort“ gemacht und ihn zusammen mit dem Imker-Kreischef unter die Lupe genommen. Georg Kellner „hat so etwas noch nicht erlebt“. Als erstes denke man an einen Bären. Aber der komme nicht durch ein kleines Fenster ins Innere. So komme nur ein Waschbär in Frage. Kellner ist nicht nur Bienenzüchter, sondern auch erfahrener Jäger. Dennoch sagt er:„Ich habe bei uns noch keinen Waschbären in freier Wildbahn gesehen.“ Kellner weiß, dass diese eigentlich in Nordamerika beheimateten Raubtiere gute Kletterer und regelrechte Allesfresser sind.

Jetzt hängt eine Wildkamera am Bienenhaus

Der Wackersberger Imker hat den Fall dieser Tage bei der Bezirksversammlung der oberbayerischen Imker geschildert. Die spontane Antwort eines Bienenzüchters aus dem Raum Rosenheim: Das ist ein Waschbär. Ein weitere Kollege habe von ähnlichen Erfahrungen berichtet. Kaltenhauser hat inzwischen auch mit den zuständigen Jägern gesprochen. „Die sind aus allen Wolken gefallen“, sagt der Arzbacher. In keinem der Reviere sei ein Waschbären-Vorkommen bekannt. Freunde aus Schlegldorf haben Kaltenhauser dagegen schon vor einiger Zeit von einer Begegnung mit einem Waschbären berichtet. Sollte er sich an dem Bienenhaus bei Letten noch einmal blicken lassen, so bliebe das nicht unentdeckt. Dort hängt inzwischen eine Wildkamera mit Bewegungssensor.

Das Bienenhaus ist mittlerweile wieder aufgeräumt. Zwei Säcke voll mit zerfetzten Isoliermatten hat Kaltenhauser am Versorgungszentrum in Greiling entsorgt. Den Gesamtschaden schätzt der 71-Jährige auf rund 2000 Euro. Zunächst wollte er mit der Imkerei ganz aufhören. Aber seine Tochter habe ihm gut zugeredet. „Sie mag den Honig so gern.“ Im Frühjahr will sich Kaltenhauser deshalb umschauen, ob er wieder zu einigen Bienenvölkern kommt. Ob das einzige überlebende Volk durchkommt, sei fraglich. „Die Bienen waren sehr aggressiv.“ Das sei kein Wunder, wenn sie in der Winterruhe gestört würden.

Auch das ist Klaus Kaltenhauser wichtig: Wer ein abgelegenes Bienenhaus hat, sollte lieber einmal öfter nachschauen, ob nicht auch dort ein ungebetener Besucher eingebrochen ist.

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