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Familie aus Würzburg unterschätzt Spätherbst-Situation völlig - Bergwacht rückt aus

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In Begleitung der Bergretter geht es für die Familie ins Tal. Das Mädchen auf dem Bild war am Tag der Wanderung gerade mal 5 Jahre alt geworden.

Völlig unterschätzt hat eine Familie eine Wanderung zur Tutzinger Hütte. Der Vater und seine drei Kinder (5, 9 und 11) saßen irgendwann fest. Die Bergwacht rückte aus.

Lenggries - Bergtouren müssen gut geplant sein. Zumindest sollte man eine grobe Vorstellung haben, wie lange man unterwegs sein wird und seine Startzeit dementsprechend festlegen - vor allem, wenn man mit Kindern unterwegs ist. Noch mehr gilt das jetzt im Herbst, wenn die Tage kürzer werden und die Dunkelheit sehr viel früher kommt.

Familie aus Würzburg bricht erst um 14 Uhr zu vierstündiger Tour auf

Völlig falsch geplant hat offensichtlich ein Familienvater aus dem Raum Würzburg. Er geriet mit seinen drei Kindern am Montagabend in Bedrängnis. Der Mann und seine drei Kinder im Altern von fünf, neun und elf Jahren hatten vom Brauneck zur Tutzinger Hütte am Fuß der Benediktenwand laufen wollen, um dort zu übernachten, waren aber viel zu spät aufgebrochen. Tatsächlich waren sie laut Bergwacht erst gegen 14 Uhr mit der Brauneck-Bergbahn nach oben gefahren.  Die Tour, die sie geplant hatten, nimmt laut Wanderführer allerdings drei bis vier Stunden in Anspruch und ist je nach Routenwahl durchaus anspruchsvoll.

Gegen 17.40 Uhr befand sich die Familie irgendwo in der Nähe der Probstalm und damit noch ein ganzes Stück von ihrem eigentlichen Ziel entfernt. Weil es mittlerweile aber regnete und dunkel war, verständigte der Familienvater die Rettungskräfte. Die Familie hatte keine Stirnlampen oder ähnliches bei sich. „Der Vater konnte den Standort gut beschreiben“, sagt Sylvia Frei, Pressesprecherin der Lenggrieser Bergwacht. Sieben Einsatzkräfte machten sich zunächst mit den Einsatzfahrzeugen und dann zu Fuß auf den Weg. Etwa 50 Minuten nach der Alarmierung trafen die Helfer bei der Familie ein. „An einen Rettungshubschrauber war aufgrund des schlechten Wetters nicht zu denken“, so Frei.

Kinder steigen tapfer zum Bergwacht-Auto ab

Die Kinder waren glücklicherweise wohl auf und unverletzt. Nach der Versorgung mit Tee und Essen durch die Bergretter begann der gemeinsame Abstieg über den Probstalm-Steig ins Längental. „Dabei wurde vor allem großer Wert auf die Begleitung der Kinder gelegt, die sehr tapfer mitmachten und sich sogar mit Liedern und Scherzen bei Laune halten ließen“, berichtet Frei. Die Dunkelheit sowie Nieselregen und das schwere Gepäck der Familie erschwerten den Abstieg. Die Gruppe brauchte rund zwei Stunden, bis sie das Längental erreichte. „Die Kinder schliefen im Bergwachtauto sofort ein und alle waren froh, dass der Abstieg so gut geklappt hatte. Ende gut, alles gut“, sagt Frei. 

Die Familie wurde über Nacht in einem Lenggrieser Hotel untergebracht. Die Bergretter meldeten sie zudem in der Tutzinger Hütte ab, damit sich dort niemand Sorgen machte. 

Familie aus Würzburg: Dunkelheit überrascht Wanderer am Staffel

Bereits einen Tag zuvor, am Sonntagabend, wurden sechs Wanderer am Staffel von der Dunkelheit völlig überrascht. Auch hier musste die Bergwacht ausrücken.  Die zwei Familien aus München hatten keine Stirnlampen dabei und Angst, in der Dunkelheit die Orientierung zu verlieren. Außerdem waren sie mit Turnschuhen und ohne Jacken schlecht für den Abstieg in Kälte und Dunkelheit ausgerüstet. Zusätzlich hatte eine Person Schmerzen im Bein. Die Wanderer taten schließlich das richtige und wählten den Notruf. 

Die Lenggrieser Bergretter fand die Wanderer erst nach längerer Suche, da sie nicht genau sagen konnten, wo genau sie sich aufhielten und der Handyempfang für eine Ortung nicht ausreichend war. Mit zwei Einsatzfahrzeugen wurden die sechs Münchner unverletzt ins Tal zu ihren Autos gebracht.

Dringender Appell der Bergwacht, Touren jetzt besonders gut zu planen

„Die kurzen Tage und die schnelle Dunkelheit im Herbst müssen bei Bergtouren unbedingt eingeplant werden“, sagt Frei. Deshalb sollte unbedingt rechtzeitig losgegangen werden, auch ein Zeitpuffer muss eingeplant werden. „Eine Stirnlampe und eine zusätzliche Jacke passen immer noch in den Rucksack“, rät Frei. Weitere Tipps, um im Herbst sicher in den Bergen unterwegs zu sein gibt der Deutsche Alpenverein auf www.alpenverein.de/Bergsport/Sicherheit/

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