Letzte Nonne von Altomünster muss wegziehen

Schwester Apollonia will weit weg

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Schwester Apollonia würde gerne zurück in ihre Heimat, die Oberpfalz.

Schwester Apollonia ist des Kämpfens müde. Vor einem Jahr, da wollte sie noch unbedingt in ihrem Kloster bleiben. Nun ist sie entschlossen, zurück in ihre Heimat zu gehen, in eine Pfarrei in der Oberpfalz, außerhalb der Erzdiözese München-Freising –„sonst hat das Ordinariat Zugriff“.

Altomünster– Jahrelang hat Schwester Apollonia Briefe geschrieben, versuchte, den Birgittenorden in Bayern zu retten. Doch das vergangene Jahr hat sie mürbe gemacht. Jetzt möchte sie in eine Pfarrei in der Oberpfalz gehen. Doch darüber entscheidet sie nicht allein.

Anfang Dezember 2015 hat die Vatikanische Ordenskongregation beschlossen, das Kloster Altomünster aufzulösen, weil eine Schwester alleine nicht in einem Kloster leben könne. Ein herber Schlag für Schwester Apollonia: „Seit 25 Jahren lebe ich in diesem Kloster“, sagt die ehemalige Lehrerin für Mathematik, Erdkunde und Russisch. „Und jetzt heißt es: Sie suchen ein neues Kloster für mich.“

Sie, das ist vor allem Schwester Gabriele Konrad, Vorsitzende der Vereinigung der geistlichen Schwestern in der Erzdiözese München und Freising, die mit der Auflösung des Klosters Altomünster betraut wurde. „Das Ziel ist, einen Ort zu finden, an dem sie ihre Spiritualität leben kann – besser als bisher“, sagte Schwester Gabriele bei der Pressekonferenz vergangene Woche in München.

Apollonia fühlt sich schikaniert

Schwester Apollonia berichtet, ihr sei vorgeschlagen worden, erst einmal eine Kur zu machen. „Aber eine Kur habe ich noch nie gemacht!“, sagt die resolute 62-Jährige. In der Vergangenheit, genauer fünf Jahre lang, „habe ich ganz schön was mitgemacht“, zum einen mit ihrer kranken Mitschwester, die im August 2015 gestorben ist, dann der Kampf um den Fortbestand des Klosters und darum, weitere Frauen für den Orden zu finden. Und nachdem seit gut einem Jahr die Auflösung des Klosters feststeht, fühle sie sich schikaniert und übergangen vom Ordinariat. Das Konto sei ihr gesperrt worden, und als sie wegen einer Schilddrüsen-Operation im vergangenen Jahr im Krankenhaus war, wurde ihre E-Mail-Adresse gelöscht. „Und ein langer Gang mitten im Kloster ist plötzlich abgesperrt worden“, erzählt Schwester Apollonia. 

In zwei Zimmern an diesem Gang, dem ehemaligen Noviziat und dem Krankenzimmer, wurden alle Kunstschätze und Bilder aus dem Kloster eingesperrt. Offenbar wollte das Ordinariat die wertvollen Bilder vor dem Zugriff Dritter schützen. Schwester Gabriele Konrad sagte, dass bei der Bestandsaufnahme „verschiedene Missstände zu Tage getreten“ seien. Im Umfeld des Klosters habe es Personen und Institutionen gegeben, die nicht das Wohl des Klosters und der Schwestern, sonderne eigene Interessen im Blick hatten.

Die Schwester will nicht mehr kämpfen

Prälat Lorenz Kastenhofer, zuständig für Orden und geistliche Gemeinschaften bei der Erzdiözese, sagte, immer wieder seien Versuche gescheitert, die Zukunft des Klosters zu sichern. „Das lag an der fehlenden Bereitschaft der Altomünsterer Schwestern, sich zu öffnen.“

Schwester Apollonia sieht das anders: „Man hat mir das Leben im Kloster schwer gemacht.“ Und deshalb ist ihr die Lust vergangen, für den Fortbestand zu kämpfen. Obwohl eine Postulantin mit ihr im Kloster lebt, und es noch zwei Frauen gebe, die eintreten würden. „Aber das Ordinariat sagt, es sind zu wenige“, seufzt Apollonia.

Sie hat ein anderes Angebot

Bis zum 2. Februar muss sie Schwester Gabriele Konrad ihre Pläne mitteilen: eine Zukunft in einer Pfarrei in der Oberpfalz. „Ich habe das Angebot eines Priesters, in einem ehemaligen Benefiziatenhaus zu wohnen, und könnte ehrenamtlich in der Pfarrei mitarbeiten, Bibelabende halten“, sagt Schwester Apollonia. Zum einen ist die Oberpfalz ihre Heimat – sie wurde in Furth im Wald geboren –, zum anderen ist die Oberpfalz weit weg vom Einflussbereich der Erzdiözese München. Schwester Apollonia hofft, dass sie selbst über ihre Zukunft bestimmen kann.

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