Ein letztes Lied für Daria

Vor dem Bild der verunglückten Daria haben Kinder, ihre Eltern Großeltern und andere Trauernde in der Tutzinger St. Joseph-Kirche Blumen, Briefe und Erinnrungsstücke niedergelegt. Foto: svj

Tutzing - Mit einer bewegenden Trauerfeier haben gestern Kinder und ihre Eltern Abschied genommen von Daria. Das bei einem Unfall getötete Mädchen war am vergangenen Wochenende in Bosnien beigesetzt worden.

„Ich bin sprachlos“, lautet der Satz in Kinderschrift. Niedergelegt zwischen Kerzen und Plüschtieren an jener Unfallstelle, an der die sechsjährige Daria Cvetanovic am 6. April ums Leben gekommen war. Nur wenige Meter entfernt, in der katholischen Pfarrkirche St.Josef, sucht nun eine Trauergemeinde ihre Sprache wiederzuerlangen: Genau eine Woche nach dem Unglück, fast genau zur Todesstunde der kleinen Daria, findet zu ihrem Andenken ein Trauer- und Hoffnungsgottesdienst statt, wie Pfarrer Peter Brummer ihn bezeichnet. Drinnen in der Kirche stehen drei Pinnwände voller Kinderzeichnungen. Kreuze, Herzen, Sonnen und Regenbogen haben die Kinder gemalt, als Abschiedsgruß an Daria. Sie war ihre Spielkameradin im Kindergarten, der „Drachengruppe“ der BRK-Zwergerlalm.

Zum Gottesdienst sind viele Kinder, nicht nur aus Darias Kindergarten, mit ihren Müttern gekommen. „Dieser Tod hat unseren Ort verändert“, wird der Pfarrer später sagen, die Menschen seien näher zusammengerückt. In der Kirche sieht man an diesem Nachmittag viele mit Tränen in den Augen. Ein kleines Mädchen im Alter von Daria sitzt zusammengesunken auf der Bank, blickt immer wieder fragend zur Mutter neben sich, bittet sie um ein Taschentuch. Vorne ist eine Art Gedenk-Altar für Daria errichtet worden. Ein gerahmtes Foto, Blumen, noch mehr Kinderzeichnungen. „Mein Herz ist schwer“, spricht die Trauergemeinde ein gemeinsames Gebet. Es wird von der Hoffnung gesungen und von Zuversicht inmitten all der Trauer. Die Erschütterung der hier versammelten Menschen ist deutlich spürbar.

Eine Freundin von Darias Familie bedankt sich in deren Namen für die Anteilnahme, die Kindergarten-Leiterinnen sprechen Fürbitten, dann singen die Kinder der Zwergerlalm ein „Lied für Daria“, eine Strophe davon wird erst am Ende des Gottesdienstes draußen im Pfarrhof angestimmt werden - man ist Daria dort vielleicht ein wenig näher. Vor dem Auszug aus der Kirche zitiert der Pfarrer noch einige Worte Jesu aus dem Johannes-Evangelium: „Niemand wird dich meiner Hand entreißen.“

Daria ist am vergangenen Sonntag in der Nähe von Sarajewo im Kreis der Familie zu Grabe getragen worden - neben ihrer Mutter. Am letzten Tag ihres Lebens hatte das Mädchen im Kindergarten ein Bild gemalt, berichtet ihre Kindergartenleiterin. Mit dem Bild wollte sie sich an ihre vor 18 Monaten verstorbene Mutter erinnern: „Ich habe heute Nacht so schön von ihr geträumt“, hatte Daria an jenem Morgen gesagt. Zu Ostern wollte sie zum Grab der Mutter fahren. Nahe der Kirche, an der Unfallstelle, steht dieser Satz - Sprachlosigkeit.

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