Aus Liebe: Ebersbergerin (68) will ihren Mann töten

Ebersberg - Einer der traurigsten Prozesse schlechthin wartet am Montag, 24. Januar, auf das Schwurgericht München II. Auf der Anklagebank sitzt eine 68-jährige Rentnerin aus Ebersberg. Die Frau hatte im Juni 2010 versucht, sich und ihren ein Jahr älteren Ehemann umzubringen.

Das Paar war seit 44 Jahren verheiratet. Vor fünf Jahren erkrankte der Mann an Demenz. Seitdem hatte seine Frau ihn aufopferungsvoll gepflegt. Als sie im Mai 2010 nach einer Augenoperation befürchtete zu erblinden, sah sie für sich und ihren pflegebedürftigen Mann keine Perspektive mehr. Der Lebensmut verließ sie zusehend. Die 68-Jährige kam in eine psychiatrische Klinik. Ende Mai wurde sie wieder entlassen. Nur drei Tage später holte sie ihren Mann zurück nach Hause - gegen den Rat der Ärzte. Der war während ihres Klinikaufenthaltes in der Kurzzeitpflege untergebracht.

Dem persönlichen Eindruck der Frau zufolge ging es ihm nun deutlich schlechter. Das muss sie in ihrem Vorhaben, ihn zu töten, bekräftigt haben. Laut ihrem Verteidiger Werner Kränzlein fühlte sie sich ihrem Mann sehr verbunden. Dabei war die Ehe nicht unbedingt immer glücklich velraufen. Der 69-Jährige war Alkoholiker, bis er vor fünf Jahren an Alzheimer erkrankte. Fortan kümmerte sich die Angeklagte Tag und Nacht um ihren Mann. Und auch aktuell würde sie alles darum geben, ihn im Pflegeheim besuchen zu dürfen. „Sie würde auch kostenlos dort arbeiten, wenn sie ihn dadurch pflegen könnte“, sagt ihr Anwalt. Mittlerweile habe sie aber begriffen, dass sie ihn niemals mehr heimholen dürfe - insofern sie zeitnah aus der Haft entlssen wird. Dafür spricht wenig. Schließlich lautet die Anklage auf versuchten Mord.

Ihrem Tatplan folgend, hatte die Frau ihrem Ehemann zunächst Schlaftabletten eingeflößt. Dann brachte sie ihn zu Bett. Als er eingeschlafen war, schnitt sie ihm die Pulsadern auf. Anschließend nahm sie selber mehrere Schlaftabletten und begann, sich zu ritzen. In diesem Dämmerzustand erreichte sie der Anruf ihrer Tochter. „Überall ist Blut“, soll sie gesagt haben. Die Tochter alarmierte sofort Polizei und Notarzt.

Der Prozess ist auf drei Tage angesetzt. Das Gericht hat 15 Zeugen und zwei Sachverständige geladen.

Von Angela Walser

Rubriklistenbild: © dpa

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