Höhenkirchener leidet seit Wochen

Schwerer Vorwurf: Discounter-Käse hat mich krank gemacht

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Stefan Biller vor einem Penny-Markt - und seine Medikamente auf der Toilette.

München - Starke Bauch- und Gliederschmerzen sowie Durchfall: Ein Penny-Kunde aus Höhenkirchen ist erkrankt, nachdem er eine Käsesorte verzehrt hat, die Tage später zurückgerufen wurde. Der Discounter fühlt sich nicht verantwortlich. 

"Was gedenken Sie zu tun?" Diese Frage bewegt Stefan Biller (50) aus Höhenkirchen seit vielen Tagen. Sie ist der Kern seiner Beschwerde-E-Mail an Penny. Über Tage, sagt er, habe er über ein Dutzend Tabletten gegen sämtliche Krankheitssymptome einnehmen müssen. Tabletten gegen die Schmerzen, gegen den Durchfall, gegen den gereizten Magen, der ihn plagte. 

Ursächlich hierfür ist nach Ansicht Billers der Käse "San Fabio Gorgonzola Dolce", mild, mindestens 48 % Fett. Eine Warnung vor allen Chargen dieses Käses veröffentlichte das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit, kurz BVL, auf seiner Internetseite am 13. August - also erst mehrere Tage, nachdem Biller seinen Käse verzehrt hatte. 

Grund für die Warnung: Nach Informationen des BVL wurden Listerien-Bakterien in dem Gorgonzola nachgewiesen. Listerien sind zwar für einen gesunden Körper meist harmlos, bei einem geschwächten Immunsystem aber können sie eine schwere Infektion verursachen. Ein trauriges Beispiel ist ein Fall in Dänemark im letzten Jahr, bei dem zwölf Menschen an den Folgen einer Listerien-Infektion starben.

Im Fall des Penny-Kunden Biller zeigten sich Symptome der Erkrankung wie starke Bauchschmerzen, Durchfall und Gliederschmerzen. Er musste zur Behandlung Blut- sowie Stuhlprobe abgeben. Biller ist überzeugt: Der Käse ist schuld. 

Neben dem BVL warnt auch Penny vor dem Verzehr des belasteten Gorgozolas  und rief das Produkt am 12. August zurück. Als Biller von dem Rückruf einen Tag später erfuhr, schrieb er dem Discounter eine Mail.

In dieser erkundigte er sich über das weitere Vorgehen der Supermarktkette, eine mögliche Entschädigung für die Kosten seiner Medikamente und forderte eine Entschuldigung von Penny. Biller erhielt zwar eine Antwort, aber keine für ihn zufriedenstellende: Darin erläutert Penny lediglich die Qualitätssicherung des Unternehmens und weist auf die Verantwortung des italienischen Herstellers hin. 

Biller ist empört: Über das, was die Mail nicht enthält, nämlich eine Entschuldigung seitens des Unternehmens für seine schwere Erkrankung. Nicht einmal gute Besserungswünsche, erregt sich Biller, seien ihm geschickt worden. Auch auf eine weitere Mail kam nur der Verweis auf die Verantwortlichkeit des Herstellers zurück.

Keine Antworten für Kunden

Die Nachfragen Billers verhallen. Sein Wunsch, eine Rückmeldung eines Verantwortlichen von Penny zu erhalten, bleibt unerfüllt. 

Dagegen reagiert das Unternehmen vergangenen Freitag auf Anfrage unserer Onlineredaktion. Ein Sprecher der REWE Group, zu der der Discounter Penny gehört, räumt Versäumnisse ein. Viel früher hätte man auf den Kunden eingehen und Bedauern über Vorfall äußern müssen. Es habe an Empathie gefehlt, so das Unternehmen.

Diese Worte rufen bei Biller völliges Unverständnis hervor. Bis heute hat sich weder Penny noch der italienische Hersteller bei ihm entschuldigt. Auf eine Antwort seiner Anfragen wartet er seit knapp zwei Wochen vergebens.

Penny sind Probleme mit Gorgonzola schon länger bekannt

Die schwerwiegenden Anschuldigungen Billers, er sei an dem von Penny zurückgerufenen Käse erkrankt, weist das Unternehmen von sich. Die Rückrufaktion sei in Abstimmung mit dem zuständigen Ministerium geschehen. Penny habe sogar vorbeugend weitere Chargen aus dem Verkauf genommen, für die gar kein positiver Listerien-Fund bestand.

Ungeachtet der Vorwürfe Billers, finden sich Anzeichen dafür, dass Penny die Probleme mit dessen Gorgonzola-Produkt schon seit Wochen bekannt waren. Bereits am 29.7.2015 informiertedie Österreichische Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit über den Rückruf des Herstellers IGOR s.r.l. "San Fabio Gorgonzola DOP Dolce 200 g". Der Befund: Listerien.

Auf Anfrage bestätigt die REWE Group, seit dem Abend des 28.7.2015 über den behördlichen Nachweis von Listerien im Käse informiert gewesen zu sein. Jedoch habe die Warnung nur Lieferungen nach Österreich betroffen, wo der Käse sofort zurückgerufen wurde. Der Gorgonzola für Deutschland sei auf einer anderen Produktionslinie und zeitlich versetzt hergestellt worden, wie der Lieferant sowie die italienischen Behörden versicherten. REWE habe dies am 31.7. durch eine unangemeldete Sonderinspektion beim Hersteller überprüft sowie eine eigene Stichprobe durchgeführt. Den Gorgonzola mit dem Mindesthaltbarkeitsdatum (MHD) 10.08.2015 sperrte Penny intern am 30.7.

In Deutschland wurde der Käse mit der Chargennummer L100815168 von Penny am 6.8. zurückgerufen. Erst zu diesem Zeitpunkt hätten die Probeergebnisse vorlegen, so ein Unternehmenssprecher. Sechs Tage später, am 12. August, erweiterte der Discounter den Rückruf auf alle Chargen des Produkts (inklusive der, von der Stefan Biller gegessen hat). Dies sei aufgrund der neuerlichen Funde von Listerien geschehen, wie das Unternehmen mitteilt.

Dokumente des Europäischen Schnellwarnsystems für Lebensmittel und Futtermittel(RASFF) offenbaren, dass durch italienische Behörden die erste Stichprobe am 21. Juli 2015 genommen wurde. Das Ergebnis stand rund eine Woche später fest. Es zeigte einen außergewöhnlich hohen Wert von Listerien auf. Als "betroffene Länder" führt das RASFF Österreich, Italien, Frankreich sowie Deutschland.

Grund für Erkrankung unklar - Folgeuntersuchungen stehen noch aus

Der Grund für die Erkrankung Billers nach wie vor unklar: Eine Untersuchung von Billers Blutbild in einem Speziallabor ergab ihm zufolge keine konkreten Hinweise auf eine durch Listerien verursachte Erkrankung. Allerdings ist der Nachweis im Blut laut Experten generell schwierig.

Auch das erste Ergebnis der Stuhlprobe, das unserer Redaktion vorliegt, konnte den Verdacht nicht untermauern. Konkrete Folgeuntersuchungen stehen noch aus. Dennoch stehe die Erkrankung nach Billers Ansicht im direkten Zusammenhang mit dem Verzehr des Käses. Immerhin sei er darauf hin erkrankt.

Auch liegt seiner Ansicht nach die Verantwortung für den lebensgefährlichen Käse für Biller bei Penny. "Wenn ich mir ein Auto kaufe, gehe ich bei Problemen auch zum Verkäufer und nicht zu den einzelnen Lieferanten" führt er sein Unbehagen aus. Für Penny ist der Hersteller in der Verantwortung, da dieser den Käse produziert und verpackt habe.

Seine Erkrankung kommt für Biller zum denkbar ungünstigen Zeitpunkt: Sein geplanter 14-tägiger Urlaub am Meer fällt jetzt aus. 

Fabian Geißler

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