Kerzen für überfahrenen Buben

Lkw-Horror – Freunde trauern um Chris (13)

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Ein Lichtermeer aus Kerzen, die Freunde und Bekannte des jungen Opfers abgestellt haben, erinnern an den schrecklichen Unfall vom Donnerstag.

München - Es gibt keine Worte für diese Trauer. Nur viele kleine Zeichen der Liebe und Anteilnahme: Dutzende rote und weiße Kerzen, Briefe, Karten und Blumen säumen die Ampelanlage an der Kreuzung Münchner Straße/Blumenstraße in Haar.

Dort, wo am Donnerstag um 13.11 Uhr der 13-jährige Chris von einem Lkw erfasst und getötet wurde. Eine Traube Jugendlicher steht auf dem Gehsteig vor der Ampel, die wie ein Mahnmal in die Normalität ragt. Einige Schüler halten sich an den Händen. Andere schweigen. Allen fehlen die Worte für dieses Unglück und die Trauer. Die Stille ist greifbar – nur das Rauschen der vorbeifahrenden Autos und Lkw durchbrechen die Ruhe.

Sie alle sind Schüler des Ernst-Mach-Gymnasiums in Haar. Die Schule, die auch Chris in der achten Klasse besuchte. Die Polizei geht mittlerweile von einem tragischen Missverständnis aus: Nach Zeugenaussagen bremste der Lkw-Fahrer (48) kurz, als er von der Münchner Straße rechts in die Blumenstraße abbog. Chris hatte wohl angenommen, dass der Fahrer ihn gesehen hatte. So radelte er arglos bei Grünlicht über die Kreuzung. Ein schrecklicher Trugschluss: Der Bub war im toten Winkel, der Fahrer hatte ihn nicht gesehen. Chris wurde überrollt und war auf der Stelle tot.

Auf der Facebook-Seite der Gemeinde Haar bekundete Bürgermeisterin Gabriele Müller noch am Tag des Unfalls ihr Mitgefühl für Chris’ Familie und auch für den Fahrer des Lasters. Im Ernst-Mach-Gymnasium ist am Tag nach der Tragödie an Alltag nicht zu denken. Die Lehrer sprechen lange mit den Schülern, besuchen mit ihnen die Unglücks-Kreuzung. Auch Anwohner stehen stumm vor dem Teppich aus Rosen und Kerzen, einer von ihnen war dabei, als es passierte. „Das ging so unfassbar schnell“, sagt der Mann und vergräbt seine Hände tief im Anorak. Bei der Unfallaufnahme erprobte die Polizei erstmals einen neuen Laser-Scanner, der ein 3D-Modell der Unfallsituation (ähnlich einer Street-View-Ansicht) erlaubt.

Schon drei Menschen sind in diesem Jahr in München bei Abbiegeunfällen ums Leben gekommen.

Stephanie Dahlem

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