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Aufstand bei Flughafen-Mitarbeitern in München: „Es reicht“ - Saftige Lohnerhöhung gefordert

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Von: Hans Moritz

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Dunkle Wolken über dem Flughafen München - auch im Haus brodelt es. Die Mitarbeiter sind unzufrieden.
Dunkle Wolken über dem Flughafen München - auch im Haus brodelt es. Die Mitarbeiter sind unzufrieden. © Lex Rayton/Imago

Unter den Mitarbeitern des Flughafens gärt es. Sie leiden immer noch unter den wirtschaftlichen Folgen der Corona-Krise. Und jetzt kommen sie der Arbeit kaum noch hinterher. Ist mehr Geld die Lösung?

Flughafen - Die Luftfahrt hat es schwer seit zweieinhalb Jahren: Mit Beginn der Corona-Pandemie wurde die Branche nahezu auf Null heruntergebremst, nun geht es derart rasant aufwärts, dass Flughäfen und Airlines gar nicht mehr hinterherkommen. Zwischen diesen Extremen stehen die Mitarbeiter. Der Unmut ist groß. Bald könnte er sich Bahn brechen.

„Es reicht“ am Flughafen München: Belegschaft sorgt mit Flugblatt für Aufsehen

Die Gewerkschaft Öffentlicher Dienst (GÖD) hat am Freitag für ihre Mitglieder am Münchner Flughafen festgestellt: „Es reicht, so kann es nicht weitergehen.“ Diese Überschrift trägt ein Flugblatt, das nicht nur den FMG-Beschäftigten in die Hand gedrückt wurde, sondern auch Geschäftsführung und Aufsichtsrat auf den Tisch flatterte.

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Ärger am Flughafen München: „Belastung wird immer größer“

Unterzeichnet haben es die beiden Vorsitzenden des GÖD-Landesfachverbandes Flughäfen Bayern, Marcus Mengel und Marco Druschinski. Letzterer gehört auch dem FMG-Aufsichtsrat an. „Die Belastungen am Flughafen München werden immer größer. Der Flugverkehr steigt rasant, und die Mitarbeiter wissen kaum noch, wie sie die tägliche Belastung meistern sollen.“

Mengel und Druschinski verweisen zudem auf die besondere Belastung durch den Notlagenvertrag. Im ersten Lockdown 2020 abgeschlossen, sieht der zwar keine betriebsbedingten Kündigungen vor, dafür wurde die Tariftabelle eingefroren, sprich: Es sind keine Tariflohnsteigerungen vorgesehen.

Mitarbeiter-Belastung am Flughafen München: Gewerkschaft fordert saftiges Gehaltsplus

Die fordert die GÖD jetzt ein. Sie hat am Flughafen eine mittlere dreistellige Zahl an Mitgliedern und besteht neben der Gewerkschaft Verdi. Es soll ein kräftiger Schluck aus der Pulle werden. Es gibt zwei Gruppen, die FMG-Beschäftigten nach TVöD sowie die Mitarbeiter der Aeroground und Beschäftigte mit alten Verträgen der Bodenabfertiger.

Für die erste Gruppe schlägt die GÖD acht beziehungsweise neun Prozent Lohnsteigerung vor. Klassische Sachbearbeiter und Disponenten verdienen in der höchsten Stufe der Gehaltsgruppe 9b derzeit 4475 Euro. Mit Erhöhung wären es 4834. Ein stellvertretender Abteilungsleiter in der obersten Gehaltsgruppe 15 bekommt nach drei Jahren Betriebszugehörigkeit 6147 Euro. Mit der Lohnsteigerung wären es 6639 Euro.

Für die Aeroground-Mitarbeiter soll das Plus deswegen zweistellig ausfallen, weil sie von Arbeitszeit und Entlohnung per se schlechter dastehen als die unmittelbaren Konzernbeschäftigten. Für alle gelte: „Die Mitarbeiter benötigen nach ein paar Jahren der Krise wieder eine echte Lohnerhöhung in ihrer Tasche“, so die beiden Funktionäre.

„Aber es muss jetzt schon darum gehen, Druck aufzubauen“

Von Streiks, betonen sie, sei man weit entfernt. „Aber es muss jetzt schon darum gehen, Druck aufzubauen“, sagt Mengel im Gespräch mit unserer Zeitung. Die Lage des Unternehmens sei allen bewusst. „Wir richten unsere Forderung genauso an die FMG-Gesellschafter Freistaat, Bund und Landeshauptstadt“, so der Vorsitzende. Sie müssten es der FMG ermöglichen, die höheren Löhne zu zahlen. Aber auch bei Verdi soll man die Forderung hören. Denn am Verhandlungstisch sitzt eines Tages nicht die GÖD, sondern die Dienstleistungsgewerkschaft. Für Mengel steht fest: „Es muss jetzt einfach was passieren.“

Ingo Anspach, Sprecher der FMG, erklärt auf Anfrage: „Wir wissen um die Belastung unserer Mitarbeiter.“ Auf den bis 2023 befristeten Notlagentarifvertrag angesprochen, sagt Anspach: „Wir haben ihn gar nicht vollständig umgesetzt.“ So habe man etwa die Arbeitszeitverkürzung nicht vorgenommen. Eine erste (außertarifliche) Lohnerhöhung gebe es nicht erst zum 1. Oktober, vielmehr habe man sie schon zum 1. Juni umgesetzt. „Wir zahlen zudem aufgrund der hohen Spritpreise einen höheren Fahrtkostenzuschuss. Der kann um bis zu 80 Euro pro Monat netto höher ausfallen“, so Anspach. Insgesamt verfolge man die Entwicklung genau und werde auch weiter darauf reagieren.

Die GÖD hingegen verweist darauf, dass der Notlagentarifvertrag die nächste Anhebung um 1,8 Prozent erst für Anfang 2023 vorsehe – „und das bei dieser hohen Inflation“, klagt Mengel.

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