UN-Tribunal: Ratko Mladic zu lebenslanger Haft verurteilt

UN-Tribunal: Ratko Mladic zu lebenslanger Haft verurteilt

Stammgast raus

Bier zu teuer bei Bayern-Spiel: Lokalverbot

+
Die Wirtshaustür bleibt für Willy Freund künftig zu. Er hat Hausverbot bekommen. Wegen einer Fußballübertragung hatte er sich mit der Wirtin zerstritten.

Unterweikertshofen - Willy Freund (79) ist kein Freund des Fußballs. Doch in einem Wirtshaus musste er für die Übertragung einer FC-Bayern-Partie zwei Euro zusätzlich für sein Bier zahlen. Nun hat er Lokalverbot.

Das vom Verfall bedrohte alte Schulhaus von Unterweikertshofen im Dachauer Hinterland ist 2007 vom eigens gegründeten Schulhausverein in eine urgemütliche Wirtschaft verwandelt worden. In dem Gebäude hatte einst der legendäre Mathias Kneißl das Licht der Welt erblickt und dort die Schulbank gedrückt – bis er das Lernen als langweilig empfand und stattdessen lieber Leute ausraubte.

Ein klein wenig ausgeraubt fühlt sich auch Willy Freund – von Wirtin Gabriele Reim. Mehr noch: Der gesellige Rentner mit der schmissigen Schiebermütze und dem fein getrimmten Schnauzbart fühlt sich in seiner Ehre verletzt. Wegen eines Abends, an dem er einfach nur gemütlich ein Bier trinken wollte.

Die besten Bier-Weltrekorde

Die besten Bier-Weltrekorde

Als Willy Freund mit seinem Spezl Gustaaf Gys (83) die Gaststube betritt, sind beide bester Laune. Der Belgier hat für ein paar Tage Freunds Gastfreundschaft genossen und will sich dafür mit ein paar Bierchen dafür bedanken. Im Wirtshaus wird gleichzeitig der Champions-League-Auftritt der Bayern bei ZSKA Moskau gezeigt. Freund und Gys haben mit Mario Götze und Co. nichts am Hut. „Alleine hätte ich kehrt gemacht. Weil es der letzte Abend meines Freundes hier in Bayern war, blieben wir im Schulhaus“, erzählt Willy Freund.

Die Stimmung der beiden rauscht in den Keller, als die Kellnerin beim Abkassieren pro Nase zwei Euro wegen des Fußballspiels verlangt. Die beiden Männer zahlen und verlassen grollend das Lokal.

Drei Tage später schreibt Willy Freund einen freundlichen Brief an die Wirtin. Darin heißt es: „Es geht mir nicht um den Betrag, es geht mir ums Prinzip. Bitte geben Sie mir das Geld zurück... Danke, bis demnächst.“

Doch ein „demnächst“ wird es nicht geben. Die Wirtin schreibt barsch zurück, dass eine Rückzahlung der vier Euro nicht in Frage komme, und: „Um ähnliche Konfliktsituationen in Zukunft zu vermeiden, bitten wir Sie, bis 31.5. 2014 unser Lokal nicht mehr zu betreten“. Ende Mai läuft Reims Pachtvertrag aus.

"So ein Zirkus wegen vier Euro"

Doch so lange möchte der allein lebende Willy Freund, der im nahen Hohenzell wohnt, nicht warten. Das alte Schulhaus ist für ihn ein wunderbarer Ort, um Freunde zu treffen, zumal es in unmittelbarer Nähe keine weitere Gaststätte mehr gibt. „Das darf doch nicht wahr sein, dass man wegen vier Euro so einen Zirkus macht“, schimpft der Rentner. „Seit die Schulhauskneipe existiert, bin ich dort Gast. Weil ich nahezu 80 Jahre alt bin, will ich nicht mehr die Kneipe wechseln.“

Wirtin Gabriele Reim bleibt hingegen hart wie Granit. Ihr stinkt der Brief. Zudem sei Freund ein „notorischer Nörgler“, der in der Gaststube versucht habe, seine Pfeife zu rauchen, wie sie sagt. Gnade für Willy Freund? Niemals. „Sonst würde ich mein Gesicht verlieren.“

Reim besitzt das Fußball-Abo des Bezahlsenders Sky. Weil die Kosten dafür im vergangenen Jahr stark gestiegen seien, erhebe sie einen Aufschlag von zwei Euro auf das erste Getränk. „Ich habe mich erkundigt. Das ist rechtens“, sagt Reim. Wie der Medienkonzern Sky mitteilt, bewege sich die Kundin in einer Grauzone. „Eintritt verlangen darf sie jedenfalls nicht“, sagt Sprecherin Britta Krämer.

„Wegen dem Fußball kommen doch eh’ schon mehr Leute ins Lokal“, sagt Willy Freund und hält es ganz mit dem Räuber Kneißl, der während seines Prozesses gerufen haben soll: „Ich kann kein Unrecht leiden.“

Von Thomas Zimmerly

Auch interessant

Mehr zum Thema:

Meistgelesen

Supermarkt stellt diesen ganz besonderen Kühlschrank auf - und wird dafür gefeiert
Supermarkt stellt diesen ganz besonderen Kühlschrank auf - und wird dafür gefeiert
Hohenlindenerin kämpft mit weichen Bandagen
Hohenlindenerin kämpft mit weichen Bandagen
Münchner Wirt übernimmt Traditionsgaststätte
Münchner Wirt übernimmt Traditionsgaststätte
Schwerer Unfall auf der Flughafentangente: Skoda kracht in Mercedes 
Schwerer Unfall auf der Flughafentangente: Skoda kracht in Mercedes 

Kommentare