Peinliche Panne: Lokführer vergisst zu halten

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Morgens 6.40 Uhr in Fürstenfeldbruck: Der Regionalzug hält. Nur am Montag war es anders.

Fürstenfeldbruck - Der Regionalexpress RE 57 401 hält werktags planmäßig um 6.40 Uhr in Fürstenfeldbruck. Nicht so am Montag – da fuhr der Zug einfach durch. Wie kann das sein? Ein Erklärstück über Eisenbahntechnik und den Faktor Mensch.

Wer den Schaden hat, braucht für den Spott nicht zu sorgen. „Fürstenfeldbruck – das neue Wolfsburg in Bayern???“, fragte sich ein Fahrgast am Montag. In Wolfsburg war im Juli 2011 ein ICE zweimal binnen weniger Tage einfach durchgerauscht – eine Bahnpanne, die bundesweit Schlagzeilen machte. Die Bahn machte damals den Lokführer verantwortlich, der bei der Eingabe des elektronischen Fahrplans geschlampt habe.

Und auch in Fürstenfeldbruck liegt das Versäumnis nach Bahnangaben eindeutig beim Triebfahrzeugführer des Diesellok-getriebenen Regionalzugs. Der Lokführer muss Montagfrüh eine Schrecksekunde durchlebt haben, als er wenige Minuten später, aber schon weit hinter Fürstenfeldbruck, seinen Fehler bemerkte. „Der Lokführer hat sich bei der Transportleitung gemeldet“, bestätigt ein Bahnsprecher, „aber da war es natürlich schon zu spät“. Zurückfahren konnte er nicht, da schon die nächste S-Bahn nahte. Eine Gefahr bestand nicht. Die Schranke in Aubing schloss sich über einen Ein- und Ausschaltkontakt, der vom Zug ausgelöst wird, automatisch.

Für die Panne gibt es eine eindeutige Erklärung: Der Lokführer hat das sogenannte „EBuLa“ missachtet. EBuLa steht für: „elektronischer Buchfahrplan und Langsamfahrstellen“. In diesem Regelwerk sei „alles genau festgelegt“, sagt der Bahnsprecher. Der Lokführer gibt, bevor er losfährt, seine Zugnummer ein und erhält dann für alle Abschnitte seiner Strecke, die in diesem Fall von Memmingen bis München-Hauptbahnhof führte, alle vorgesehenen Haltestellen und Langsamfahrstellen aufgelistet. „Daran muss er sich halten“ – das ist der Faktor Mensch bei der Eisenbahn.

Signale indes, die der Reisende oft am Ende des Bahnsteigs sieht, sagen nichts über Bahnhofsstopps aus. Sie signalisieren dem Lokführer lediglich, dass der vor ihm liegende Gleisbereich frei (grün) bzw. belegt (rot) ist. Die Gleisstränge Richtung München sind wie fast überall in Deutschland in jeweils einige Kilometer lange sogenannte Blockabschnitte unterteilt. In jedem Abschnitt darf nur ein Zug fahren – ist der Abschnitt belegt, schaltet das Signal auf rot. Ein Zug, der das Signal missachtet, würde über Magnete zwangsweise gebremst.

Umgekehrt bedeutet grün aber nicht, dass der Zug fahren muss – „er kann auch bei einem grünen Signal, das beispielsweise am Ende eines Bahnhofs steht, anhalten, wenn es der Fahrplan vorgibt“, sagt der Landeschef der Gewerkschaft der Lokomotivführer (GdL), Uwe Böhm. Er hat für das Versäumnis seines Kollegen ein gewisses Verständnis. Schließlich gebe es 56 Züge von DB Regio täglich, die in beiden Richtungen durch Fürstenfeldbruck fahren. Abgesehen von den S-Bahnen halten nur zwei Züge, einer morgens, einer abends, tatsächlich auch an. Weil die Lokführer häufig die Schichten wechselten, könne es durchaus geschehen, dass der Halt schlicht übersehen werde.

Die Bahn wird den Lokführer jetzt ermahnen. Aber wahrscheinlich ist der Mann ohnehin schon etwas geknickt. „So ein Vorfall“, sagt Uwe Böhm von der Gewerkschaft der Lokomotivführer, „kratzt an der Berufsehre“.

von Dirk Walter

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