Luftfahrt in Oberpfaffenhofen

Sonderflughafen ist verkauft

+
Eine Firma mit Hauptsitz in Berlin hat sich das Gelände gesichert.

Oberpfaffenhofen – Der Sonderflughafen Oberpfaffenhofen ist verkauft. Die Reaktionen der Bürgermeister reichen von Überraschung bis Sorge.

Die Nachricht schlug am Donnerstag ein wie eine Bombe: Der Sonderflughafen Oberpfaffenhofen ist verkauft. Weßlings Bürgermeister Michael Muther brütete gestern Abend noch über dem fast 150 Seiten starken Notarvertrag – die Gemeinde hat Vorkaufsrecht und ist daher in die Verhandlungen involviert. „Wir werden es aber nicht nutzen. Das können wir uns nicht leisten“, sagte er. Dass der Verkauf quasi in trockenen Tüchern ist, das wusste er noch nicht. 

550 000 Quadratmeter Geschossfläche stehen zur Verfügung

Nach ersten Informationen wurde der Flughafen an die Beos AG und die Triwo AG verkauft. Die Beos AG entwickelt und bewirtschaftet Gewerbeimmobilien. Hauptsitz ist in Berlin, auch in München gibt es eine Niederlassung. Bei der Triwo AG handelt es sich um eine inhabergeführte Familien-Aktiengesellschaft, die sich unter anderem mit Projektentwicklung befasst und 2014 den Flughafen Zweibrücken (Rheinland-Pfalz) gekauft hat. 

17 Millionen Euro sollten in das dortige Gelände und in die Schaffung neuer Arbeitsplätze investiert werden. Schon lange war bekannt, dass die EADS den Sonderflughafen verkaufen will. Dies scheiterte bisher auch daran, dass auf dem Gelände nur flughafenaffines Gewerbe entstehen darf. Davon aber jede Menge: 550 000 Quadratmeter Geschossfläche stehen zur Verfügung. Bürgermeister Muther wollte die Lage gestern noch nicht recht einschätzen: „Ich muss mich erst mal duracharbeiten“, sagte er mit Blick auf den dicken Schriftsatz vor sich. Weniger entspannt sah die Sache Seefelds Bürgermeister Wolfram Gum. Die Information über den Verkauf sei ihm neu, aber er befürchte Ungemach. 

Seefelds Bürgermeister: „Jetzt geht der Ärger dort wieder los“

„Jetzt geht der Ärger dort wieder los“, sagte er. Der Flugplatz hat eine wechselvolle Geschichte hinter sich. 1936 wurde er als Werksflughafen der Dornier-Werke errichtet. Die Firma Dornier baute dort nach dem Zweiten Weltkrieg so sagenhafte Flugzeuge wie die senkrechtstartende Dornier Do 31. Nach dem Ende von Fairchild-Dornier 2002 übernahm die EDMO GmbH den Flugbetrieb. Die EDMO hatte große Pläne: Sie wollte den bisher ausschließlich als Werks- und Forschungsflughafen genutzten Sonderflughafen für den Geschäftsreiseflugverkehr öffnen und damit die Betriebszeiten massiv erweitern. Dies sorgte in der Bevölkerung weit über Weßlings Grenzen hinaus für erbitterten Widerstand. Es bildeten sich Bürgerinitiativen, auch der Kreistag in Starnberg sprach sich gegen die erweiterte Nutzung aus. 

Gemeinden und Landkreise zogen vor Gericht, waren dort aber nur teilweise erfolgreich. Letztlich (im Jahr 2008) wurde der Geschäftsflugverkehr auf 200 Flugbewegungen an Sonn- und Feiertagen und insgesamt 9725 pro Jahr festgelegt. Daneben nutzt auch das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) den Flugplatz. Heute arbeiten etwa 3300 Menschen auf dem Flughafen, nach jüngsten Erhebungen landen und starten dort pro Jahr derzeit etwa 2300 Geschäftsflieger.

Auch interessant

Mehr zum Thema:

Meistgelesen

Reichsbürger: Razzia bei der „Innenministerin“
Reichsbürger: Razzia bei der „Innenministerin“
Fünf Verletzte: Wo ist der rücksichtslose Verursacher?
Fünf Verletzte: Wo ist der rücksichtslose Verursacher?
Nach 30 Jahren: Ehering taucht wieder auf - im Garten
Nach 30 Jahren: Ehering taucht wieder auf - im Garten
24-Jährige ausgeraubt, geschlagen und mit Messer bedroht
24-Jährige ausgeraubt, geschlagen und mit Messer bedroht

Was denken Sie über diesen Artikel?

Kommentare