Piloten legen Flughafen lahm

Lufthansa: 15.300 Passagiere blieben am Boden

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Kein Chaos, aber viel Betrieb: Tausende Passagiere blieben am Boden.

München - Die Piloten legten fast jeden zweiten Lufthansa-Flug von und nach München lahm. Die Kranich-Linie musste mehr Starts und Landungen als ursprünglich geplant am Boden halten – statt 110 mehr als 140 von rund 320.

Das große Chaos bleibt unsichtbar im Erdinger Moos. „Es ist sehr ruhig im Terminal“, sagt Lufthansa-Sprecherin Bettina Rittberger. Aber das bedeutet nicht, dass die Tagesabläufe der Passagiere nicht durcheinandergewirbelt werden wie der Flugplan der Kranich-Linie. Die Piloten streiken von 10 bis 18 Uhr: Statt der geplanten 110 Flüge bleiben sogar 140 von und nach München am Boden – 15 300 Passagiere sind betroffen.

Wie viele von ihnen wichtige Termine oder schöne Besuche absagen oder verschieben mussten und sich grün und blau ärgern? Unklar. Wie viele am Urlaubsort festsitzen? Weiß keiner. Wie viele Passagiere wie der 62-jährige Münchner am Hauptbahnhof ihr Ticket umtauschten und mit dem Zug nach Frankfurt fünf Stunden länger als geplant brauchten? Man weiß es nicht.

Sicher ist nur, dass die Lufthansa 8000 SMS und E-Mails mit Informationen an Passagiere verschickt hat, die ihre Daten angegeben hatten. Genau so gesichert ist, dass die Warnung nicht alle Umsteiger erreichte: Einige stranden am Morgen im Transitbereich – und die sind wütend, ahnungslos, frustriert.

Planmäßig läuft der Streik zumindest für die Gewerkschaft Vereinigung Cockpit. „Wir hoffen, dass wir damit den Arbeitgeber an den Verhandlungstisch zurückbringen“, sagt ein Sprecher. Die Lufthansa will die Piloten länger arbeiten lassen, bis sie ihre Frührente von 10 000 Euro im Monat in Anspruch nehmen können, und will sich nun mit einem Angebot direkt an die Piloten wenden und die Gewerkschaft damit umgehen. Für die Passagiere könnte es nicht der letzte Streik gewesen sein.

Jenseits der Lufthansa in Terminal 2 herrscht normaler Betrieb in Terminal 1 – der Flughafen verzeichnet rund 1000 Starts und Landungen.

Zum Glück richtig entschieden

Rainer Wacke (62), BMW-Trainer, ­München: "Ich muss nach Amsterdam auf einen wichtigen Kongress. Es wäre eine Katastrophe gewesen, wenn das nicht geklappt hätte. Zum Glück habe ich mich für Lufthansa City Line entschieden, der Streik betrifft mich nicht."

Keiner fühlt sich verantwortlich

Karen Güssow (49), Therapeutin, Itzehoe: "Ich bin auf dem Weg nach Südafrika. Eigentlich habe ich alles sorgfältig vorbereitet – mit so einem Chaos rechnet doch niemand. Gestern habe ich stundenlang im Internet und am Telefon verbracht – natürlich fühlte sich keiner verantwortlich."

Die Erholung ist schon wieder futsch ...

Renate Bender (78), ­ Rentnerin aus Bremen:"Ich bin so enttäuscht! Ich komme aus Venedig, habe mich gut erholt – und dann so was! In Venedig konnte mir niemand sagen, wie’s in München weitergeht. Mir wurde empfohlen, mit der Bahn nach Bremen zu fahren. Zum Glück habe ich jetzt noch einen Flug bekommen."

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