Lufthansa-Streik

Darum gehen wir in die Luft

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Mit Plakaten und Pfeifen demonstrierten die Lufthansa-Mitarbeiter am Flughafen.

München - Lange Schlangen vor den Schaltern, genervte Passagiere und Hunderte gestrichene Flüge: Am Dienstag schwappte die Streikwelle der Lufthansa-Flugbegleiter auch nach München!

Um 13 Uhr legten die Kabinenbeschäftigten von Deutschlands größter Fluggesellschaft im Erdinger Moos ihre Arbeit nieder. Nach Angaben der Flugbegleitergewerkschaft UFO beteiligten sich von den zum Dienst eingeteilten 800 Flugbegleiter 85 Prozent am Streik. Bis 24 Uhr, insgesamt elf Stunden lang, traten die Flugbegleiter in den Ausstand – zuvor hatten bereits ihre Kollegen in Berlin und Frankfurt gestreikt. Die Gewerkschaft fordert ein Ende der Leiharbeit und fünf Prozent mehr Gehalt, die Lufthansa bietet 3,5 Prozent, verlangt aber eine Ausweitung der Arbeitszeit. Wieviele Passagiere in München genau vom Streik betroffen waren, konnte die Lufthansa nicht sagen. Informationen für Passagiere unter www.lufthansa.com/de/de/Fluginformationen oder beim Lufthansa Service Center unter 08 00/850 60 70 (kostenfrei aus Deutschland). Die tz hat mit Beschäftigten und Passagieren gesprochen.

Keine Kürzungen bei Neulingen

Flugbegleiter Stefan Risse ist mit dem Angebot der Lufthansa an das Kabinenpersonal unzufrieden. „Mir ist klar, dass das Unternehmen sparen muss. Aber es kann nicht sein, dass der Vorstand sich die Gehälter erhöht und für uns bleibt nichts übrig“, erklärt der 41-Jährige. Eine Gehaltserhöhung ist aber nicht sein Hauptanliegen. „Mir ist wichtig, dass die aktuellen Gehaltsstufen für junge Kollegen beibehalten werden“, so der Landshuter. Er fliegt seit 17 Jahren für die Lufthansa und liebt seinen Beruf. „Man sieht die Welt und der Kontakt mit Passagieren aus verschiedenen Kulturkreisen ist unglaublich interessant“, erzählt er. Familie und Beruf unter einen Hut zu bringen, ist aber nicht immer einfach: „Zum Glück habe ich eine verständnisvolle Frau, die von zu Hause aus arbeiten kann.

Nein zur Leiharbeit

Lange musste Elke K. nicht überlegen, als die Gewerkschaft UFO zum Streik aufgerufen hat. „Ich möchte weiterhin in einem Unternehmen arbeiten, mit dem ich mich identifizieren kann. Leiharbeit und die Auslagerung von Arbeitsplätzen will ich nicht unterstützen“, sagt die 46-jährige Flugbegleiterin. Deshalb hat sie gemeinsam mit vielen Kollegen die Arbeit niedergelegt. Trotz aller Kritik an den Plänen der Lufthansa, ist die Augsburgerin gern Stewardess. „Es ist toll, im Team zu arbeiten und andere Kulturen kennen zu lernen“, erzählt sie begeistert. Seit sieben Jahren ist sie bei der Lufthansa und fliegt Kurz- und Langstrecke. Auf der Kurzstrecke arbeitet sie als Purser, eine Art Kabinenchefin. Ihr Netto-Gehalt liegt je nach Arbeitszeit zwischen 2200 und 2600 Euro. „Das ist ordentlich, aber durch die geplanten Kürzungen würde es uns an die Rente gehen. Ich hoffe, dass es für meinen Beruf eine vernünftige Perspektive gibt“, sagt Elke K.

Fußballelf steckt fest

Wir kommen aus Malta und sind auf dem Weg nach Kiew, dort haben wir mit der U21-Fußballnationalmannschaft am Donnerstag ein EM-Qualifikationsspiel gegen die Ukraine. Wir hätten in München nur umsteigen müssen. Aber unser Flug nach Kiew wurde vorverlegt – uns hat man jedoch nicht informiert. Jetzt müssen wir hier wahrscheinlich übernachten, obwohl wir schon heute nachmittag trainieren hätten sollen! Eine Katastrophe!

Trainer Ray Farrugia (57, Mi.) mit der U21-Fußballnationalmannschaft aus Malta

Früher fliegen – aber später landen

Wir wären erst in ein paar Stunden nach Neapel geflogen, sind wegen des Streiks aber schon eher zum Flughafen gefahren. Und tatsächlich: Unser Flug fällt aus! Wir mussten zwar lange am Schalter anstehen, konnten aber umbuchen. Jetzt fliegen wir früher los, kommen aber vier Stunden später an, weil wir über Venedig fliegen. Verständnis haben wir für die Flugbegleiter schon. Aber es ist natürlich immer blöd, wenn man selbst betroffen ist.

Deborah Dillmann (21) und Thomas Reichle (21), Studenten aus Passau

Wir sind auf den Zug umgestiegen

Wir wollten morgen früh um 6 Uhr über Frankfurt in die Dominikanische Republik fliegen. Als wir vom Streik gehört haben, hatten wir so Angst, dass unser Flug ausfällt, dass wir schon heute zum Flughafen gefahren sind. Hier haben wir unser Flugticket nach Frankfurt in ein Bahnticket für den ICE tauschen können – dort steigen wir in den Flieger um. Die Umbuchung hat gut geklappt. Wir fahren aber trotzdem schon heute los, damit sicher nichts schief geht.

Nicole Schmidt (24), ­Beamtin, Matti Kühn (24), Student, aus München

Beate Winterer

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