tz beantwortet die wichtigsten Fragen

Lufthansa-Streik: So läuft der Mittwoch am Flughafen

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Die Urlauber dürfen sich am Mittwoch im Lufthansa-Terminal auf lange Wartezeiten einstellen.

München - Die Maschinen bleiben am Mittwoch am Boden. Die Piloten-Gewerkschaft Cockpit bestreikt die Lufthansa in München. Die tz beantwortet die wichtigsten Fragen.

Von wegen: Fertigmachen zum Abflug. Die Kraniche sollen am Boden bleiben! Die Piloten-Gewerkschaft Cockpit bestreikt die Lufthansa in München. Die Kapitäne kämpfen gegen Kürzungen bei ihrer Frührente, die im Schnitt bei 10 000 Euro im Monat liegt. Darum sollen heute von 10 bis 18 Uhr keine Maschinen im Erdinger Moos abheben. Auch bei den Landungen kann es Turbulenzen geben – und das, kurz bevor Anfang nächster Woche die Sommerferien zu Ende gehen. Die Piloten bleiben am Boden, aber die Urlauber gehen in die Luft! Die tz beantwortet die wichtigsten Fragen:

Welche Flüge sind betroffen? Die Fluggesellschaft will per Sonderflugplan so viele Verbindungen wie möglich erhalten. Lufthansa-Sprecherin Bettina Rittberger fürchtet dennoch „Beeinträchtigungen“ bei den 160 anstehenden Starts. Piloten der CityLine sollten möglichst viele Europa-Flüge übernehmen. Die 15 Langstrecken Richtung USA und Asien sollen Kapitäne steuern, die mittlerweile ins Management gewechselt sind und nicht streiken. Bis zum Redaktionsschluss dieser Ausgabe war der Sonderflugplan allerdings noch nicht veröffentlicht. Die Passagiere sollten per SMS oder E-Mail über ihre Verbindung informiert werden.

Was sagt die Lufthansa? Die zeigt „völliges Unverständnis“ für den Ausstand zum Ende der Sommerferien. Vergangenen Freitag sei beim Streik in Frankfurt das letzte Ferienwochenende in Hessen und Rheinland-Pfalz getroffen worden. Da wurden 218 Flüge annulliert.

Was ist mit den Verbindungen von Austrian Airlines, Germanwings oder Swiss? Die sollen bundesweit planmäßig abheben, genau wie alle Flüge über Frankfurt.

Kann es auch nach dem Streik noch Nachwirkungen geben? „Wir gehen davon aus, dass der Flugplan am Donnerstag wieder weitgehend normal läuft“, sagte die Lufthansa-Sprecherin.

Droht Chaos am Flughafen im Erdinger Moos? Wohl kaum. „Die Erfahrung zeigt, dass Streiktage am Flughafen eher ruhiger verlaufen, weil die Passagiere sich darauf einstellen“, sagt Flughafen-Sprecher Edgar Engert. Es dürften laut Lufthansa auch kaum Umsteige-Passagiere stranden, weil sie entweder an ihrem Startort später abheben oder gleich umgebucht würden – etwa über Frankfurt.

Warum streiken die Piloten? Die Lufthansa will die Frührente einschränken. Bislang erhalten Piloten zum Übergang bis Rentenbeginn rund 124 000 Euro brutto im Jahr – also mehr als 10 000 Euro im Monat. Die Kapitäne dürfen mit 55 Jahren in den Vorruhestand, tatsächlich setzen sie sich im Schnitt mit 59 Jahren zur Ruhe. Die Lufthansa will sie aber schrittweise bis 61 Jahre arbeiten lassen. Das Unternehmen beziffert die Verpflichtungen auf 1,1 Milliarden Euro.

Wenn die Frührente so hoch ist, wo liegt dann das Einkommen der Piloten? Erst müssen sie zur Ausbildung rund 70 000 Euro beisteuern. Danach kassieren sie mit Zulagen rund 73 000 Euro im Jahr als Einstiegsgehalt. Die Summe erhöht sich praktisch jährlich. Als Flugkapitän sind am Ende bis zu 255 000 Euro möglich. Bislang dauerte das rund neun bis zwölf Jahre – der Aufstieg wird aber immer schwieriger.

Was können betroffene Passagiere tun? Bei innerdeutschen annullierten Flügen dürfen Fluggäste die Züge der Deutschen Bahn nutzen. Dafür müssen sie ihr Ticket im Internet oder an einem Check-in-Automaten in eine Fahrkarte umwandeln. Alle anderen Flügen können betroffene Gäste kostenfrei stornieren oder umbuchen.

Das sagen die Streikenden

Pilot Markus Wahl (34).

Die 5400 Piloten bleiben kämpferisch: Es ist der vierte Ausstand in fünf Monaten – und die Verhandlungen kommen nicht voran. Die Kollegen streiken nicht für mehr Geld, sie wollen vor allem Kürzungen bei der Übergangsversorgung bis zur Rente verhindern. „Sie ist nötig, da viele Piloten aufgrund der körperlichen Belastung – zum Beispiel wegen Nachtarbeit, Zeitverschiebung oder unterschiedlicher Klimaverhältnisse– früher aufhören müssen“, sagte Lufthansa-Pilot Markus Wahl (34) der tz, als beim dreitägigen Streik im April 3800 Flüge in ganz Deutschland gestrichen wurden. Gestern war die Piloten-Gewerkschaft Vereinigung Cockpit nicht erreichbar.

Zuvor warf Gewerkschaftssprecher Jörg Handwerg der Fluggesellschaft eine „Blockadehaltung“ vor. Sie spiele auf Zeit. Insgesamt seien 18 Streitpunkte zwischen den Parteien ungelöst.

Als die Lufthansa nach dem schwachen Geschäftsjahr 2013 dennoch eine Dividende an die Aktionäre auszahlte, stellte der Präsident der Vereinigung Cockpit, Ilja Schulz, offen die Machtfrage, für wessen Wohl der Konzern eigentlich unterwegs sei. „Unsere Übergangsversorgung steht nicht zur Verfügung, um die Renditeansprüche von Aktionären zu bezahlen.“

dac

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