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Streik: So trifft er den Flughafen München

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Unbesetzte Gruppen Check-In Schalter auf dem Flughafen "Franz Josef Strauß" in München.

München - Früh am Morgen geht es im Terminal 2 des Münchner Flughafens meist geschäftig zu. Doch nun herrscht Ruhe am Lufthansa-Drehkreuz. Wie an anderen Flughäfen sorgt der Piloten-Streik für ungewohnte Stille.

Wenig Andrang am Terminal 2 des Münchner Airports. Wo sonst Reisende Schlange stehen, war am Mittwoch fast alles leer. „Normalerweise ist um diese Zeit der Hauptandrang“, sagte ein Servicemitarbeiter am Morgen. Weil die Lufthansa-Piloten die Arbeit niedergelegt hatten, blieb jedes dritte Flugzeug am Boden. Nur einzelne Maschinen der Airline hoben ab. Chaos oder große Probleme blieben am Münchner Lufthansa-Drehkreuz allerdings aus. Die Airline hatte die Reisenden schon vor Tagen informiert. „Es läuft alles sehr geordnet“, erklärte ein Sprecher der Lufthansa.

Nur wenige Reisende waren überhaupt zum Flughafen gekommen. Wenn, dann war München nur ein kurzer Zwischenstopp. „Ich wollte von Hongkong in die USA und bin hier zwischengelandet. Von dem Streik habe ich erst beim Einsteigen erfahren“, berichtete ein Geschäftsreisender. Andere dagegen konnten frühzeitig ausweichen.

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Lufthansa-Streik legt Flughäfen in Deutschland lahm

Aber dennoch blieb der Ärger: „Als wir davon gehört haben, waren wir erstmal beunruhigt“, sagt eine Urlauberin, die mit einer Lufthansa-Tochtergesellschaft startete. Anrufen, sicherstellen, dass der Flug tatsächlich geht - „der Mehraufwand, den wir hatten, war schon ärgerlich.“

Weltweit hat die Airline für die Dauer des Ausstands etwa 3800 Verbindungen gestrichen. Rund 425 000 Passagiere sind betroffen. Auch für die Fluggesellschaft eine organisatorische Herausforderung. Am Flughafen Nürnberg fielen 24 Flüge aus, auch dort ging es ruhiger zu als sonst. Wie viele von den etwa 1400 Lufthansa-Piloten aus München tatsächlich in den Streik getreten waren, wollte Philip Küpper, Tarifreferent bei der Pilotenvereinigung Cockpit, nicht sagen. Eine Lufthansa-Pilotin sprach von 90 Prozent.

Der Flughafen konnte den Schaden am Mittwoch noch nicht genau beziffern. „Wir gehen aber bei drei Streiktagen von Einbußen in Millionenhöhe aus“, hieß es. Die Lufthansa sprach von Verlusten in zweistelliger Millionenhöhe. Und auch anderen schadet der Streik. „Wir haben deutlich weniger Kunden“, klagte die Verkäuferin einer Bäckerei im Lufthansa-Terminal. „Heute haben wir extra eine Stunde später geöffnet und nur die Hälfte von dem gebacken, was wir sonst produzieren“, erklärte sie. „Morgen und Übermorgen noch - dann haben wir es zum Glück geschafft.“

Bilder: Streik am Flughafen München

Flughafen München
Am Mittwoch wurde auch am Flughafen München gestreikt. © Dieter Priglmeir
Flughafen München
Am Mittwoch wurde auch am Flughafen München gestreikt. © Dieter Priglmeir
Flughafen München
Am Mittwoch wurde auch am Flughafen München gestreikt. © Dieter Priglmeir
Flughafen München
Am Mittwoch wurde auch am Flughafen München gestreikt. © Dieter Priglmeir
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Am Mittwoch wurde auch am Flughafen München gestreikt. © Dieter Priglmeir
Flughafen München
Am Mittwoch wurde auch am Flughafen München gestreikt. © Dieter Priglmeir
Flughafen München
Am Mittwoch wurde auch am Flughafen München gestreikt. © Dieter Priglmeir
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Am Mittwoch wurde auch am Flughafen München gestreikt. © Dieter Priglmeir
Flughafen München
Am Mittwoch wurde auch am Flughafen München gestreikt. © Dieter Priglmeir
Flughafen München
Am Mittwoch wurde auch am Flughafen München gestreikt. © Dieter Priglmeir
Flughafen München
Am Mittwoch wurde auch am Flughafen München gestreikt. © Dieter Priglmeir
Flughafen München
Am Mittwoch wurde auch am Flughafen München gestreikt. © Dieter Priglmeir

Die Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit (VC) hatte zu dem dreitägigen Streik aufgerufen, da die Lufthansa einseitig Übergangsrenten gekündigt hat, die den Piloten bislang ein vorzeitiges Ausscheiden aus dem Beruf ermöglichten. Sowohl das Unternehmen als auch die Pilotengewerkschaft rechneten am ersten Streiktag nicht mit einer schnellen Einigung. Konzernsprecherin Barbara Schädler bekräftigte am Morgen noch einmal die Gesprächsbereitschaft der Lufthansa. „Wir glauben, dass wir Angebote vorgelegt haben, auf deren Basis man miteinander sprechen kann“.

Eine Liste der gestrichenen Flüge finden Sie hier, alle weiteren Informationen hat Lufthansa hier für Sie zusammengestellt.

Bei Streik: Ihre Rechte als Passagier

Es ist eine Horrorvorstellung für Passagiere: Ein Streik am Flughafen legt den ganzen Betrieb lahm. Der Start in den Urlaub verzögert sich, oder die Rückreise. Das sollten Betroffene wissen: © dpa
Fällt ein Flug wegen eines Streiks aus, muss die Airline schnellstmöglich eine Ersatzbeförderung organisieren. Außerdem ist sie verpflichtet, gestrandete Passagiere bei längeren Verspätungen mit Essen und Getränken zu versorgen. © dpa
Was passiert, wenn ich am Flughafen gestrandet bin? Der Veranstalter oder die Fluggesellschaft muss gestrandete Kunden betreuen. Die Leistungen gemäß der EU-Fluggastrechteverordnung sind unabhängig davon, ob das Unternehmen für die Verspätungen oder Ausfälle von Flügen verantwortlich ist. © dpa
Passagiere haben Anspruch auf Essen und Getränke, meist erhalten sie dafür Gutscheine. Verschiebt sich der Flug auf einen anderen Tag, muss die Airline oder der Veranstalter die Übernachtung in einem Hotel übernehmen. © dpa
Wie komme ich trotz des Streiks an mein Reiseziel? Die Fluggesellschaft oder der Veranstalter hat die Pflicht, so schnell wie möglich eine Ersatzbeförderung zu organisieren. Kunden können diese per Telefon oder am Schalter des Unternehmens am Flughafen fordern. Urlauber sollten aber nicht aus Verärgerung ohne Rücksprache einfach ein Zugticket buchen. © dpa
Ab der fünften Verspätungsstunde hat der Fluggast außerdem das Recht, das Ticket zurückzugeben und sich die Kosten erstatten zu lassen. Damit ist die Airline jedoch aus allen Pflichten entlassen. © dpa
Was bedeutet Ersatzbeförderung genau? Die Fluggesellschaft oder der Reiseveranstalter müssen ihre Passagiere schnellstmöglich ans Ziel bringen. Bei kürzeren Streiks ist ein Abwarten üblich. Bei längerer Störung des Flugbetriebes müssen die Airlines und Reiseversanstalter die Kunden mit der Bahn oder Bussen zu anderen Flughäfen bringen und von dort aus zum gewünschten Ziel.  © dpa
Habe ich bei Streik Anspruch auf eine Entschädigung? Nein. Die Fluggesellschaft oder der Veranstalter sind nicht dafür verantwortlich, wenn wegen eines Streiks vom Sicherheitspersonal oder der Fluglotsen Flüge ausfallen. © dpa
Es handle sich um einen Fall höherer Gewalt. (wie auch bei einer Aschewolke) Denn Sicherheitspersonal ist weder bei einer Fluggesellschaft noch bei einem Veranstalter angestellt. Bei einem solchen “Drittstreik“ steht Urlaubern daher keine Entschädigung zu, wie sie eine EU-Verordnung zu Flugausfällen vorsieht. © dpa
Wie sieht es bei einer Pauschalreise aus? Fraglich ist, ob der Veranstalter seine Leistungspflichten erfüllt hat. Die Gründe für ein Nichterfüllen spielen keine Rolle. Sitzen Reisende zum Beispiel zwei Tage am Flughafen fest, statt am Strand zu liegen, können sie den Reisepreis entsprechend mindern. © dpa
Handelt es sich um eine Kurzreise, können sie sogar von der Reise kostenlos zurücktreten. Schadenersatz wegen vertaner Urlaubszeit gibt es jedoch nicht. © dpa

dpa

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